Jugendliche und Cannabis – «Das Kiffen fängt in der Schule an»

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Jugendliche und Cannabis«Das Kiffen fängt in der Schule an»

LUXEMBURG – Mit Drogentests gehen Schulen gegen kiffende Jugendliche vor. Wie steht es um den Drogenkonsum junger Luxemburger? «L’essentiel Online» hat nachgefragt.

Cannabiskonsum betrifft in Luxemburg viele junge Mädchen.

Cannabiskonsum betrifft in Luxemburg viele junge Mädchen.

AFP

Vanessa ist 16 Jahre jung und war Schülerin in Ettelbrück. Bis vor einem Jahr hat sie noch regelmäßig gekifft und auch weitere Drogen genommen: «Ich habe aufgehört. Aber früher habe ich jeden Tag gekifft, das war für mich normal.» Kiffen ist für die meisten Jugendlichen ein kollektives Erlebnis: «Jeder von meinen Freunden hat geraucht», so Vanessa. «Jetzt bin ich zwar auf einer neuen Schule, aber auch hier gibt es eine Szene.»

Die Jugendlichen kommen schon recht früh in Kontakt mit den sogenannten weichen Drogen wie Cannabis oder Gras: «Mit dem Kiffen fängt es in der Schule an», berichtet Vanessa. «Dann verbreitet es sich immer schneller, von der eigenen Klasse zum nächsten Jahrgang und man lernt immer mehr Leute kennen, die auch rauchen.» Auch Lisa, 16 Jahre jung und Schülerin in Mersch, hat schon Erfahrungen mit Drogen gemacht: «Ich wollte es versuchen, aber als ich sah, wie eine Freundin nach dem ersten Zug zu kotzen anfing, habe ich es lieber gelassen.»

«Ich habe aufgehört, nachdem eine Freundin von mir gestorben ist»

Die Drogenprävention von offiziellen Stellen mit Infobroschüren und Vorträgen wird von den Jugendlichen nicht ernst genommen, weiß Lisa: «Das ist eher lustig, wir lachen darüber. Meistens wissen wir sogar als Schüler besser Bescheid als der Referent.»

Den Ausstieg schaffte ihre Freundin Vanessa nur knapp: «Ich habe aufgehört, nachdem eine Freundin von mir gestorben ist. Sie hatte eine Überdosis Methadon genommen (Anm. der Redaktion: ein Ersatzstoff für Heroin). Ich selbst hatte auch schon Erfahrungen mit dieser Droge. Nachdem ich ebenfalls eine Überdosis hatte, kam ich in Therapie.» Vanessa probiert heute, ohne Drogen zu leben: «Seit sieben Monate bin ich wieder clean, na ja fast. Eigentlich habe ich schon zweimal wieder was geraucht.»

«Man glaubt sich besser zu fühlen, wenn man high ist»

Trotz der Gefahren für Leib und Seele ist der Reiz der Droge für die Jugendlichen größer als die Angst: «Es hat viel mit Gruppenzwang zu tun. Die Freunde machen es, und man will sich eben auch so fühlen wie sie dann alle erzählen.» Vanessa ist kein Einzelfall, weit gefehlt: «Es ist bei vielen Jugendlichen in Luxemburg so. Es sind auch viele Mädchen dabei. Meine beste Freundin ist zur Zeit in Therapie.»

Lisa macht ähnliche Erfahrungen: «Kiffen ist unter Jugendlichen in Luxemburg sehr verbreitet. Man will damit cool wirken und etwas Besonderes darstellen. Die Verführung ist auch, das man glaubt, sich besser zu fühlen wenn man high ist.»

(cm/L’essentiel Online)

Cannabiskonsum in Luxemburg

Laut dem RELIS Drogenbericht 2011 der luxemburgischen Regierung haben sich im Vergleich zum Jahr 1994 die Fälle, bei denen Cannabis beschlagnahmt wurde, mehr als verfünffacht. Vor 17 Jahren wurden 167 Fälle festgestellt, 2010 waren es 947. Offizielle Statistiken zur Anzahl der Cannabiskonsumenten im Großherzogtum sind veraltet.

Anouk Hinger, Direktionsbeauftragte des service thérapeutique solidarité jeune merkt an: «Die letzte Umfrage vom "Centre de prévention des toxicomanies (CePT)" stammt aus dem Jahr 2000 und ist heute nicht mehr aussagkräftig. Die Daten sind nicht mehr aktuell. Es wäre an der Zeit, das sich die Politik des Themas annimmt.»

«Jugendliche wissen oft nicht, dass Cannabis verboten ist»

Die Polizei arbeitet bei der Drogenprävention mit Schulen und Aufklärungsorganisationen zusammen: «Dabei stellen wir generell fest, dass die Jugendlichen oft nicht wissen, dass Cannabis verboten ist. Sowohl der Besitz, als auch der Konsum, als auch der Handel», erklärt Bob Leesch, Leiter der Polizei-Regionaldirektion in Diekirch. Wie der Verstoß gegen die Regeln geahndet wird, liegt in der Auffassung der Staatsanwaltschaft.

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