Numerus clausus in China – Das Los entscheidet, wer was studieren darf

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Numerus clausus in ChinaDas Los entscheidet, wer was studieren darf

Bei der Wahl der Studienrichtung sind Ingenieur-Studenten der Universität von Südchina auf Glück angewiesen.

Das Leben ist eine Lotterie, sagt ein Spruch - doch für Studenten einer chinesischen Hochschule stimmt der Satz wortwörtlich: An der Universität von Südchina in der Provinz Hunan entscheidet das Los über ihre Zukunft.

Wie «Yahoo News» berichtet, müssen die Studenten des zweiten Studienjahres an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften eine von sieben Studienrichtungen wählen. Weil aber einige Studiengänge erfolgsversprechender sind als andere, hat die Fakultät Schwierigkeiten, genügend Studenten für die weniger attraktiven Studienfächer zu finden.

Kritik in sozialen Medien

Lu Qinghua, ein Sprecher der Uni, erklärte, das Rektorat sei darum «gezwungen» gewesen, ein Lotteriesystem zu schaffen, um über die Studienplätze zu entscheiden. «Wenn die Wahl der Studienrichtung nur auf den Wünschen der Studenten basiert, werden einige Studiengänge überfüllt sein, während andere fast keine Studenten haben.»

Auf sozialen Plattformen wird die Methode stark kritisiert, schreibt das Nachrichtenportal «Shangaiist.com». Die «diktatorische» Verteilung der Plätze sei Ausdruck schlechter Organisation, kritisieren einige Studenten. «Studenten sollten die Möglichkeit haben, den Studiengang zu wählen, den sie bevorzugen», meinte etwa Nutzer Jingshuishenliu. Das Potential der Studenten sollte «nicht dem Versuch geopfert werden, Studenten auf die einzelnen Studiengänge zu verteilen».

«Ganz fair», sagt ein Gewinner

Sprecher Qinghua verteidigt das Lotteriesystem. Nicht alle 585 Studenten der Fakultät seien auf Glück angewiesen, stellt er klar. Die 190 besten dürften ihre Studiengänge frei wählen, ohne ein Los ziehen zu müssen. Und: Die restlichen Studenten hätten immer noch die Gelegenheit, mit einem Kommilitonen zu tauschen, bevor die Studienrichtung endgültig festgelegt wird.

Selbst das sorgt aber für Kontroversen: Dass nur die Studenten mit Bestnoten ein Studienfach wählen könnten, sei «diskriminierend», findet das Nachrichtenportal «gmw.cn.» Ein Student, der gerade einen Studiengang gezogen hatte, zeigte sich allerdings sehr zufrieden. Ich denke, es ist ganz fair», sagte er zu «Beijing Times»: «Die Studenten werden dazu angehalten, hart zu arbeiten, um ihre Chance zu erhalten, einen Studiengang selbst zu wählen.»(L'essentiel/kle)

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