Mickrige Zinsen – Das müssen Sparer jetzt beachten

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Mickrige ZinsenDas müssen Sparer jetzt beachten

Welche Folgen hat das historische Notpaket der Europäischen Zentralbank für Sparer in Luxemburg? «L’essentiel» hat bei zwei Experten nachgefragt.

Mickrige Zinsen und die niedrige Inflation knabbern das Ersparte an. Doch Experten warnen vor einem überhasteten Einstieg in lukrativere Geldanlageformen.

Mickrige Zinsen und die niedrige Inflation knabbern das Ersparte an. Doch Experten warnen vor einem überhasteten Einstieg in lukrativere Geldanlageformen.

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Wie wirkt sich die aktuelle Niedrigzinslage in Luxemburg aus?
Wie in anderen europäischen Ländern leiden die Sparer auch hierzulande an den Mini-Zinsen für Geldanlagen auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto. Häufig gewähren Banken für das angelegte Kapital nicht einmal ein Prozent Zinsen. Da die Inflationsrate aber höher liegt (1,03 Prozent im Mai) erleiden Sparer mit diesen «sicheren» Anlagen einen realen Verlust. Durch die neuerliche Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte sich die Situation in den nächsten Monaten noch verschärfen.

Hat die aktuelle Situation auch Vorteile?
Ja, vor allem für Schuldner. «Wer sich vor einigen Jahren ein Haus mithilfe eines Kredits gekauft hat, profitiert natürlich jetzt von den niedrigen Kreditzinsen», sagt Pascal Koehnen, Rechtsexperte bei der «Union Luxembourgeoise des Consommateurs» (ULC). Auch wer sich jetzt für größere Investitionen (Auto, Computer, etc.) entscheidet, kann sich bei der Rückzahlung einiges an Geld ersparen – das gilt auch für Unternehmen. «Ich habe jedoch den Eindruck, dass die Banken zögerlicher bei der Kreditvergabe geworden sind», sagt Koehnen. Die erstmalige Einführung eines Strafzinses von 0,10 Prozent für Banken, die ihr Geld bei der EZB parken statt Kredite zu vergeben, soll diesem Trend entgegenwirken.

Wenn das Sparbuch eh nichts mehr abwirft, soll ich mein Erspartes lieber ausgeben und zum Beispiel in eine Immobilie investieren?
Wer sich jetzt ein Haus oder ein Appartement kaufen möchte, sollte zunächst einmal über genügend Eigenmittel (ca. 25-30 Prozent der Kreditsumme) verfügen. Danach sollte man sich anhand des aktuellen Haushaltseinkommens genau ausrechnen, ob man sich Zinsen und Tilgung auch langfristig leisten kann. Generell ist ein Immobilien-Investment in Luxemburg ein teures, aber langfristig lohnendes Unterfangen: «Es ist wahrscheinlich, dass die Werte von Wohnungen und Häuser im Großherzogtum weiter steigen werden», sagt Koehnen. In einer besonders glücklichen Situation sind jene, die bereits vor 20 bis 25 Jahren ein Eigenheim gekauft haben: Der Wert dieser Immobilien hat sich im Schnitt vervierfacht.

Oder soll ich lieber in Aktien investieren?
«Natürlich sind die aktuellen Renditen an den Börsen im Vergleich zum klassischen Sparbuch sehr verlockend. Viele denken: Jetzt bleibt mir wohl nichts anderes mehr übrig, als da auch mitzuspielen. Konsumenten sollten sich jedoch einen Einstieg in riskantere Sparformen genau überlegen, mehrere Meinungen einholen und sich die Konditionen der Produkte genau ansehen», rät Koehnen. Wenn einem das Börsenfieber packt, sollte man das Risiko im Anlageportfolio auf jeden Fall möglichst breit streuen. Attraktive Nischen finden sich derzeit zum Beispiel auch am Anleihenmarkt, sagt ein Experte der Banque Internationale à Luxembourg (BIL). Wer aber ausschließlich mit Aktien jonglieren möchte, sollte sich bewusst sein, dass er oder sie am Ende mit leeren Taschen dastehen könnte.

Wie wirkt sich die Niedrigzinslage auf Lebensversicherungen aus?
Der Klassiker der Altersvorsorge, die Lebensversicherung, wird für junge Anleger aufgrund der niedrigen Zinsen zwischen 1,25 oder 1,75 Prozent immer unattraktiver. Hinzu kommen teils hohe Abschluss- und Verwaltungskosten. Auch langfristig werden die Renditen für private Rentenpolicen eher sinken, glauben Experten.

Holen sich die Banken die Kosten für die Strafzinsen bei den Kunden wieder rein?
Natürlich besteht die Möglichkeit, dass der Sparzins künftig noch magerer ausfallen wird oder sich Banken das Geld über höhere Gebühren wieder hereinholen. Geldhäuser wie die BIL schließen jedoch auf Nachfrage von L'essentiel dezidiert aus, dass Kunden nun die Zeche für die Strafzinsen der EZB zahlen müssen.

Hilfe
Bankkunden, die unabhängigen Rat suchen, können sich an den Luxemburger Konsumentenschutz «Union Luxembourgeoise des Consommateurs » (ULC) oder an die Luxemburger Bankenvereinigung (ABBL) wenden. Informationen für Verbraucher finden sich auch auf der Website der «Commission de Surveillance du Secteur Financier» (CSSF).

(Jörg Tschürtz und Laurence Bervard/L'essentiel)

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