Claude Haagen im Interview – «Das Problem der Bio-Landwirte ist der Markt»
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Claude Haagen im Interview«Das Problem der Bio-Landwirte ist der Markt»

LUXEMBURG – Claude Haagen erläutert als neuer Minister für Landwirtschaft und soziale Sicherheit gegenüber «L'essentiel» die Herausforderungen, die auf ihn zukommen.

Claude Haagen ist seit 5. Januar Minister für Landwirtschaft und soziale Sicherheit.

Claude Haagen ist seit 5. Januar Minister für Landwirtschaft und soziale Sicherheit.

L'essentiel/Vincent Lescaut

Claude Haagen ist am 5. Januar zum Minister für Landwirtschaft und soziale Sicherheit ernannt worden. Der ehemalige Bürgermeister von Diekirch rückte an Stelle von Romain Schneider ins Amt und stand L'essentiel für ein Interview zur Verfügung.

Landwirtschaft

Die Bio-Landwirtschaft macht fünf Prozent der Produktion aus. Die nationale Strategie sieht bis 2025 aber eine Steigerung auf 25 Prozent vor. Wie kann dieses Ziel erreicht werden?

Landwirtschaftsminister Claude Haagen: Ich glaube, dass alles auf der Ebene des Nationalen Strategieplans (NSP) stattfindet, der derzeit vom Regierungsrat vorbereitet wird. Er wird in Kürze fertiggestellt sein und mit der gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) abgestimmt sein. Wir können mit dem neuen Agrargesetz beginnen, in dem die Entwicklung des Biolandbaus, die Investitionen des Ministeriums in den Agrarsektor und die praktische Umsetzung festgelegt werden.

Ist Bio die Zukunft der Landwirte in Luxemburg?
Es muss eine Mischung aus beidem geben, wobei die Akteure zusammenkommen müssen. Die konventionelle Landwirtschaft hat – mit all ihren Bemühungen, sie umweltfreundlicher zu machen, – eine bessere Bilanz als früher. Das Problem für Bio ist der Markt: Es muss eine starke Nachfrage nach Bio-Produkten seitens der Verbraucher geben.

Ist Ernährungssouveränität ein Ziel?
Der NSP sieht dieses Ziel vor, etwa durch das Bemühen, den Gemüse- und Obstanbau zu entwickeln. Natürlich muss man realistisch sein: Wir werden nie 100 Prozent luxemburgische Lebensmittel haben. In manchen Bereichen sollte es aber möglich sein, wenn der Verbraucher lokale Produkte fördert.

Welche Strategie verfolgen Sie nach dem Verbot von Glyphosat, um den Einsatz von Pestiziden weiter zu reduzieren?
Das ist eine der Säulen unserer Politik. Es wird einen Willen seitens des Sektors geben, Pestizide zu reduzieren, da jeder auf dem Gebiet weiß, dass es so nicht weitergehen kann.

Was sind die größten Probleme der Erzeuger?
Der Agrarsektor ist ein weites Feld, das von der Produktion und den Preisen abhängt. Es gibt einige Produkte, die Preisschwankungen unterliegen, wie etwa Vieh oder Milch. Wir versuchen im Ministerium gegenzusteuern, um eine gewisse Preisstabilität zu erreichen, aber das ist nicht immer möglich.

Was würden Sie einem jungen Menschen raten, der in die Landwirtschaft einsteigen möchte?
Die Beratungen und Planungen des Ministeriums zu verfolgen und einen Geschäftsplan zu erstellen. Sich die verschiedenen Auflagen anzusehen. Wir bieten jungen Menschen, die sich auf den Weg machen, eine Begleitung an.

Soziale Sicherheit

Wie kann der Rückgang der CNS-Reserven gestoppt werden?
Die Reserven sinken, also müssen wir sowohl bei den Renten als auch bei der CNS aufpassen. Ich sage immer, dass dieser Sektor nicht wie eine Bank funktioniert, sondern dass wir für die Betreuung der Bürger bezahlen. Die Reserven sind immer noch gut, auch wenn sie vor zwei Jahren besser waren.

Wie lange wird die Gesundheitskrise die CNS noch belasten?
Wir führen eine kontinuierliche Analyse durch. Aber die Ausgaben für die Pandemie zu prognostizieren ist sehr schwierig. Vor allem, weil viele Akteure betroffen sind.

Der Staat hatte einen Teil der Ausgaben der CNS übernommen. Wird dies wieder nötig sein?
Ich habe derzeit keine Anfragen bezüglich der Sozialversicherung.

Ist mit dem CovidCheck am Arbeitsplatz eine verstärkte Kontrolle von Krankschreibungen geplant?
Gefälligkeitskrankschreibungen werden bereits kontrolliert. Es sind keine Änderungen auf gesetzlicher Ebene oder durch die CNS geplant. Wenn ein Arbeitgeber Missstände feststellt, können bereits nach geltendem Recht Schritte unternommen werden.

Ist der demografische Wandel eine große Herausforderung?
Natürlich ist es eine Herausforderung für die Sozialversicherungsbeiträge, wenn die Menschen länger leben. Daher ist der Bericht für die nächsten zehn Jahre so nützlich. Es hängt auch davon ab, wie viele Arbeitskräfte arbeiten und wie viele Beiträge eingenommen werden.

Ist die Digitalisierung eine Priorität?
Die Zwischenzahlung ist ein großes Thema, das durch die Digitalisierung gelöst werden muss. Die sofortige Erstattung vereinfacht alles für den Versicherten, da er keine Kosten vorstrecken muss. Das geschieht zwischen der Verwaltung und dem Arzt, ohne den Patienten zu belasten, was die Verfahren vereinfacht.

Sie übernehmen das Amt für nicht ganz zwei Jahre. Ist das genug Zeit, um Ihre Pläne zu verwirklichen?
Die wichtigsten Projekte werden durch den Koalitionsvertrag bestimmt, der eingehalten werden muss. Auch wenn die Pandemie das Vorankommen in einigen Bereichen erschwert. Wir müssen uns auf die wichtigsten Projekte konzentrieren, die wir bis 2023 noch abschließen können.

(Joseph Gaulier/L'essentiel)

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