Echternach, Remich & Co. – Das sagen Händler zu den neuen Öffnungszeiten

Publiziert

Echternach, Remich & Co.Das sagen Händler zu den neuen Öffnungszeiten

LUXEMBURG - Die Geschäfte in der Hauptstadt dürfen sonntags bis 19 Uhr öffnen. Bringt das mehr Kunden? Wir haben uns dort umgehört,wo heute schon länger auf ist.

Remich setzt vor allem auf seine schöne Lage an der Mosel.

Remich setzt vor allem auf seine schöne Lage an der Mosel.

Editpress

«Theoretisch dürften wir jeden Sonntag öffnen – aber wir nutzen die Sondergenehmigung nur an bestimmten Sonntagen im Jahr», erzählt Tess Burton, Präsidentin des Einzelhandelsverbands Union Commercial et Artisanale (UCA) Grevenmacher. «Wir müssen das mit einer Attraktion verbinden», sagt die Besitzerin eines Deko- und Geschenkeladens. Jeden Sonntag bis 19 Uhr geöffnet haben – das lohnt sich für die kleinen Geschäfte im Ortszentrum kaum.

Anders beim Match-Supermarkt an der N1 kurz vor dem Ortseingang von Grevenmacher – der hat auch sonntags bis 18 Uhr auf: «Die Kunden sind froh, wenn sie sonntags einkaufen können», sagt Direktor Jean Diwo. «Früher war nur bis 13 Uhr geöffnet. Es waren dann noch so viele Leute im Geschäft, denen das nicht gefallen hat.» Seine Firma habe extra mehr Leute eingestellt, um den Wünschen der Kunden nachzukommen. Angst davor, dass ihm die Händler aus der Hauptstadt eben die wegschnappen, hat Diwo nicht. «Wir haben hier ein ganz anderes Einzugsgebiet», sagt er. «Und wir sind auch nicht weit von der Grenze, vom Tourismus und der schönen Mosel entfernt.»

«In Luxemburg-Stadt gibt es keine Mosel»

Auch in Remich sieht man den Grenzfluss als schlagendes Argument, wenn es um die neue Konkurrenz in der Kapitale geht: «In Luxemburg-Stadt gibt es keine Mosel», sagt Gemeindebürgermeister Henri Kox. «Die Menschen kommen nach Remich, weil es ihnen gefällt.» Den ersten Sonntag mit langen Öffnungszeiten hätten Händler und Gastronomen wegen des schönen Wetters extra vorgezogen: Jetzt werden schon am 8. März die Terrassen aufgesperrt. «Sie werden sehen – die Tische werden voll sein», sagt Kox.

Die Pläne der Hauptstadt stoßen aber nicht überall auf Gegenliebe. Auch in Echternach haben viele Händler sonntagnachmittags geöffnet. Steven Wagner, bis vor zwei Wochen Präsident der örtlichen UCA, befürchtet, dass die Einzelhändler sehr leiden werden. «Auch die kleinen Geschäfte in Luxemburg-Stadt werden es merken, wenn die großen Shopping Malls auch sonntags geöffnet haben», sagt er. Für die kleinen Läden sei vor allem die Personalsituation viel schwieriger. «Die haben zwei oder drei Angestellte, die Shopping Malls haben 50. Sie können rotieren und Stunden wechseln.»

Paul Zenners vom luxemburgischen Wirtschaftsministerium sagt dazu: «Wir entscheiden nicht nach geografischer Lage.» Jede Gemeinde oder UCA in Luxemburg dürfe eine Anfrage zur Erweiterung der Öffnungszeiten stellen – auch die Hauptstadt. «Diese Anfragen müssen nicht begründet sein – aber wieso sollte ein Geschäftsverband anfragen, wenn es keinen Sinn machen würde?» Die meisten Gemeinden, die die Ausnahmeregelung nutzten, lägen an der Grenze. «Ich glaube nicht, dass Ulflingen oder Winseler Konkurrenten für Luxemburg-Stadt sind.»

(Tobias Senzig/L'essentiel)

Deine Meinung