«Pôle européen» – Das sagen Luxemburger Autofans zur Polizei-Razzia
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«Pôle européen»Das sagen Luxemburger Autofans zur Polizei-Razzia

LUXEMBURG - Die Polizei hat ein illegales Treffen von Hunderten Autotunern nahe der Grenze gestürmt. Was halten die Luxemburger Tuningfans davon?

Hunderte von Tuning-Verrückte versammeln sich jeden Freitag auf dem Parkplatz des «Pôle européen» im französischen Mont-Saint Martin unweit der Grenze zum Großherzogtum. Dort führen sie ihre aufgemotzten Wagen vor, driften über den Parkplatz des großen Einkaufszentrums – und fahren offenbar auch illegale Rennen. Am vergangenen Freitag bekamen die Auto-Fans Besuch: und zwar von Polizeibeamten aus drei verschiedenen Ländern.

Die Beamten kontrollierten 290 Personen und 170 Autos. Die Bilanz: sieben Festnahmen – zwei wegen nicht gültigen Führerscheinen, ein anderer wegen Alkohol und drei wegen Drogenbesitzes. Einer der Autotuner hatte sogar eine Waffe dabei. Was passiert da in Mont-Saint Martin?

Schwarze Schafe gibt es überall

«Am Anfang war es ein ganz normales Treffen, auf denen sich passionierte Autofreaks getroffen haben und einen guten Abend miteinander verbracht haben.» Das sagt Sandro Jorge aus Differdingen. Jorge ist selbst Autotuner und schraubt mit seinen Freunden vom Club «No Limits» an Fahrzeugen. Vor acht, neun Jahren sei es losgegangen beim «Pôle européen». Auch Luxemburger seien dorthin gegangen. «Es war cool», sagt Jorge. «Die Menschen kamen zusammen und redeten über Autos.» Niemals hätten sie etwas kaputt gemacht. Aber schwarze Schafe gebe es überall.

«Irgendwann kamen Leute, die mehr wollten. Sie gingen auf die Straße über und veranstalteten Rennen auf öffentlichen Wegen.» Der 25-Jährige ärgert sich über die Rowdys. «Wir Autotuner sind sowieso nicht sehr beliebt. Und so etwas macht es uns noch schwieriger, von den Menschen mit anderen Augen gesehen zu werden.»

Bei offiziellen Meetings ist jeder willkommen

Ähnlich sieht das auch ein Autofan aus Reckingen: «Bei offiziellen Treffen würde es so etwas nicht geben», sagt er gegenüber L'essentiel. Bei den offiziellen Meetings sei auch jeder willkommen – aber man müsse sich an Spielregeln halten. «Wenn jemand das Auto nicht ausmacht und den Obermotz spielt, darf er gehen», sagt der 27-Jährige. Er ist froh, dass die Polizei in Mont-Saint Martin durchgegriffen hat. «Wenn Leute verhaftet wurden, erklärt sich von selbst, was da abgelaufen ist.»

Auch Jorge fährt mit seinem getunten Toyota Supra inzwischen lieber auf offizielle Treffen – wie das, was er und sein Club am 28. Juni bei «Autodesign.lu» in Zollwer veranstaltet. Dort gibt es Autoshow, Tanzvorführung und sogar «Sexy Car Wash» – aber keine Polizeirazzia.

(Tobias Senzig/L'essentiel)

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