Die Megaupload-Misere – Das Schicksal der Daten ist ungewiss
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Die Megaupload-MisereDas Schicksal der Daten ist ungewiss

Das Drama um 25 Millionen Gigabyte an gesperrten Daten der Megaupload-Nutzer ist noch immer nicht beendet. Die US-Regierung ist mit dem Löschen der Dateien einverstanden.

Das Megaupload-Hauptquartier in einem Hotel in Hongkong wurde nach einer Razzia stillgelegt. (Bild: Keystone/AP/Government Information Service)

Das Megaupload-Hauptquartier in einem Hotel in Hongkong wurde nach einer Razzia stillgelegt. (Bild: Keystone/AP/Government Information Service)

Als der Speicherdienst Megaupload.com im Januar quasi über Nacht von der US-Polizeibehörde FBI geschlossen wurde und die Manager des Unternehmens wegen illegaler Machenschaften angeklagt wurden, lagerten Millionen von Dateien auf angemieteten Servern. Seitdem wird darüber gestritten, was mit diesen Daten geschehen soll. Eine Anhörung vor dem zuständigen US-Gericht in Alexandria im Staat Virginia zeigte jetzt, dass eine Lösung nicht so einfach ist.

Fünf verschiedene Parteien, darunter auch die US-Regierung und der Verband der US-Filmindustrie (MPAA), äußerten vor Gericht ihre zum Teil gegensätzlichen Vorstellungen, was nun geschehen soll. Richter Liam O'Grady forderte alle Beteiligten auf, in den kommenden zwei Wochen eine Lösung zu finden, die für alle akzeptabel sei.

Gegenwärtig lagern rund 25 Millionen Gigabyte an Daten auf 1100 abgeschalteten Servern in einem klimatisierten Lagerhaus in Harrisonburg in Virginia. Die Firma, der die Rechner gehören, Carpathia Hosting, bat das Gericht zu klären, was sie nun tun soll. Da mit der Schließung der Website auch die Konten von Megaupload gesperrt wurden, bezahlt derzeit niemand die Rechnungen für die Server. Allein der Unterhalt der Maschinen kostet Carpathia aber nach eigenen Angaben einige Tausend Dollar pro Tag.

Bürgerrechtler fordern Rückgabe an rechtmäßige Nutzer

Die US-Regierung und die MPAA sind der Ansicht, dass es sich beim größten Teil des Materials, das auf den Servern liegt, um illegale Raubkopien handelt. Diejenigen, die dieses Material bei Megaupload gespeichert hätten, dürften darauf keinen Zugriff mehr bekommen, fordern sie.

Aber Megaupload wurde auch von Menschen und kleineren Firmen genutzt, die dort völlig legale Daten abgelegt und gegen kein Gesetz verstoßen hatten. Bürgerrechtsgruppen wie die Electronic Frontier Foundation fordern deshalb, dass es eine Möglichkeit geben müsse, damit diese Nutzer wieder an ihre Daten kommen. Die Kosten dieses Verfahrens müsse die Regierung tragen, da sie mit der kompletten Abschaltung der Website das Problem erst geschaffen habe, erklärte die Anwältin Julie Samuels. Auch der Anwalt von Megaupload, Ira Rothken, möchte die Daten erhalten haben, damit seine Mandanten, darunter Firmengründer Kim Dotcom, ihre Unschuld beweisen können, wie er erklärte.

Regierung wäre auch mit Datenlöschung einverstanden

Davon hält die US-Regierung aber wenig. Es würde Millionen Dollar an Steuergeldern kosten, die Daten zu sortieren, erklärte Staatsanwalt Jay Prabhu. Wenn jemand die Kosten dafür tragen müsse, dann sei es Carpathia, deutete er an. Die Firma sei nicht so unschuldig wie sie tue. Carpathia habe in den vergangenen Jahren 35 Millionen Dollar von Megaupload bekommen und auch tausende Hinweise erhalten, dass möglicherweise illegales Material auf den Servern liege, sagte Prabhu. Es könne also nicht sein, dass die Firma von der Polizeiaktion so überrascht worden sei, wie sie jetzt erkläre.

Die Regierung hätte keine Probleme damit, wenn die Daten gelöscht und die Server wieder anderweitig verwendet würden. Es sei zwar unglücklich, dass einige rechtmäßige Nutzer nicht auf ihre Daten zugreifen könnten, aber in den Nutzungsbedingungen von Megaupload seien sie ja darauf hingewiesen worden, dass sie Sicherungskopien an einem anderem Ort erstellen sollten. Als Beweismaterial würden die Daten nicht mehr gebraucht, man habe genügend Beispiele gesammelt, hieß es. Diese Daten könne man auch Megaupload im Rahmen eines Verfahrens zur Verfügung stellen.

Noch liegen also die Meinungen dazu, was mit den Daten geschehen soll, weit auseinander. Richter O'Grady setzt aber zunächst auf eine konsensfähige Einigung. Wenn das nicht gelingt, will er selbst entscheiden - wie, sagte er nicht.

(L'essentiel Online/Matthew Barakat/ap)

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