Marokkanische Drogenringe: Das mafiöse Treiben vor den Toren Luxemburgs

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Marokkanische DrogenringeDas mafiöse Treiben vor den Toren Luxemburgs

LUXEMBURG/BRÜSSEL/AMSTERDAM – Die marokkanische Mafia bedroht die Regierung und königlichen Familien in Belgien und den Niederlanden. Das Großherzogtum blieb bisher verschont, ist aber von indirekten Auswirkungen betroffen.

von
Thomas Holzer
Der Prozess gegen Ridouan Taghi, einen der Paten der marokkanischen Mafia, fand in Amsterdam statt.

Der Prozess gegen Ridouan Taghi, einen der Paten der marokkanischen Mafia, fand in Amsterdam statt.

Der belgische Justizminister Vincent van Quickenborne ist im vergangenen Jahr um ein Haar Opfer einer Entführung geworden, die niederländische Kronprinzessin Amalia verschanzte sich im Palast, weil sie bedroht wurde. Die marokkanische Mafia verbreitet im Herzen Europas Angst. Ein Zusammenschluss mafiöser Organisationen, die sich auf den Drogenhandel in Belgien und den Niederlanden spezialisiert haben. Seit mehreren Monaten nimmt die Bedrohung zu. Erklärter Wille der Organisationen ist es, die Staatsobrigkeiten ins Visier zu nehmen.

Wenn man die Nähe zu Luxemburg bedenkt, stellt sich die Frage, ob das Großherzogtum vom Ausmaß dieser Netzwerke beunruhigt sein sollte. Alle Behörden, sei es die Police Grand-Ducale, die Zoll- und Verbrauchssteuerverwaltung und das Innenministerium teilen auf L'essentiel-Anfrage mit, dass es keine Hinweise gebe, dass derartige Netzwerke auf luxemburgischem Staatsgebiet tätig seien. Das heißt jedoch nicht, dass das Großherzogtum nicht indirekt vom Treiben der kriminellen Gruppierungen betroffen ist.

«Es ist sehr wahrscheinlich, dass die auf dem luxemburgischen Markt erhältlichen Rauschgifte aus Ländern kommen, in denen Strukturen existieren, die man als ‹mafiös › bezeichnen könnte», sagt die Polizei. «So richten sich alle Blicke auf die Niederlande. Selbst Paul Felten, dem Leiter der Inspektion für Drogen und sensible Produkte beim Zoll, zufolge, versorgt sich ein Großteil der Drogendealer dort.» Es handelt sich ausschließlich um Produkte vom Schwarzmarkt, nachdem die Produktion der kolumbianischen Kartelle über die Häfen von Rotterdam und Antwerpen (BE) importiert wurde.

Die Polizei beobachtet das Problem

Es handelt sich also um Warenverkehr in großem Stil, in dessen Rahmen große Mengen bestimmter Rauschgifte durchs Großherzogtum geschleust werden. Luxemburg zahlt damit den Preis für seine geographische Lage und die Nähe zu den genannten «Hubs». Bisher blieb das Land verschont, aber die Polizei verfolgt nach eigener Aussage die Entwicklung der Geschehnisse, die sich im Ausland abspielen.

Das passiert vor allem in Form der Zusammenarbeit seitens der Benelux-Staaten. Die habe sich, der Polizei zufolge, verstärkt. Die Zoll- und Verbrauchssteuerverwaltung findet, dass sie «sehr gut» funktioniere. Es brauche jedoch eine angemessene, politische Antwort. Eine gezielte Reaktion auf die genannten Bedrohungen sei bisher jedoch nicht nötig geworden. Die genannten Bedrohungen seien «Gegenstand regelmäßiger Austauschgespräche zwischen Minister Henri Kox (Déi Gréng) und dessen belgischen und niederländischen Amtskollegen», wie das Ministerium für innere Sicherheit wissen lässt.

«Drogen vom Schwarzmarkt herunternehmen»

Charles Goerens, Europaabgeordneter

Diese mafiösen Netzwerke «kümmern sich nicht um Grenzen», merkt Paul Felten an. Nur etwa zehn Prozent der Menge an geschleusten Drogen werden beschlagnahmt. Kann die Lösung auf europäischer Ebene gefunden werden? Der Europaabgeordnete Charles Goerens (DP) äußert auf Anfrage mehrere Ideen: «Die Drogen vom Schwarzmarkt herunternehmen, indem man einen ‹kontrollierten› Konsum erlaubt. Einen unerbittlichen Kampf gegen das organisierte Verbrechen führen, aber gleichermaßen mit den Produktionsländern zusammenarbeiten.»

Grenzüberschreitende Kooperation

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