Kachelman-Prozess – Das Urteil rückt immer weiter in die Ferne

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Kachelman-ProzessDas Urteil rückt immer weiter in die Ferne

Der Prozess gegen Jörg Kachelmann wird zum Nervenspiel: Die Befragung des mutmasslichen Opfers könnte wegen drei neuer Gutachter noch bis nächste Woche andauern.

Der zehnte Prozesstag im Verfahren gegen Jörg Kachelmann endete am Montag, wie er begann: mit der Befragung des mutmasslichen Vergewaltigungsopfers. Zum zweiten Mal ist Sabine W. vor das Landgericht Mannheim getreten. «Die Vernehmung ist sehr ausführlich», sagte Kachelmanns Verteidiger Klaus Schroth vor den Medien in Mannheim. Bis zum Montagabend ist die 37-jährige Radiojournalistin offenbar nur zu ihrem Werdegang und der Beziehung zu Kachelmann befragt worden. Die Vernehmung zur angeblichen Vergewaltigung hat bisher noch gar nicht begonnen, wie es hiess.

Die Vernehmung der langjährigen Freundin Kachelmanns findet wie die bisherigen Befragungen von Freundinnen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Im Gegensatz zu den bisherigen Zeuginnen steht Sabine W. unter ganz besonderer Beobachtung: Mehrere Gutachter analysieren die Mimik und die Reaktionen der 37-Jährigen während der Befragung. Ziel ist es Rückschlüsse auf den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen zu machen. Darüber hinaus wird sie auf einer grossen Leinwand gezeigt.

Neun Gutachter eingeführt

Inzwischen gibt es im Kachelmann-Prozess eine Menge von Gutachtern. Das Gericht hat vier Mediziner und Psychologen bestellt, Kachelmann inzwischen fünf. Die Verteidigung führte am Montag drei weitere Sachverständige ins Verfahren ein. Die hohe Zahl der Gutachter ist darauf zurückzuführen, dass sie teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen: Während die von Kachelmann bestellten Rechtsmediziner von Selbstverletzungen der Ex-Freundin ausgehen und diese belegen sollen, hat die Staatsanwaltschaft mehrere Gutachter, die zum gegenteiligen Schluss kommen.

Punktsieg für Verteidigung

Noch nicht entschieden wurde über den Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen drei Berufsrichter. Die Verteidigung hatte den Antrag gestellt nach dem das Gericht das mutmassliche Opfer nicht über Zeugenverweigerungsrecht belehrt hat, bevor sie sie am neunten Prozesstag befragten. In der Sache hat die Strafkammer am Montag überraschend nachgegeben: Die 5. Strafkammer belehrte die Ex-Freundin, dass sie im Fall einer strafbaren Falschbeschuldigung Kachelmanns ein Schweigerecht habe, um sich nicht selbst zu belasten. Beobachter werteten es als Punktsieg für die Verteidigung, dennoch zog diese den Befangenheitsantrag allerdings nicht zurück nach der Belehrung, was zur Folge hat, dass nun andere Richter bis spätestens Mittwoch entscheiden müssen, ob Richter Michael Seidling und seine zwei Berufskollegen befangen sind oder nicht.

(L'essentiel online)

Falsche Notiz:«Er schläft mit ihr»

Sabine W., die Ex-Freundin Kachelmanns, hatte bei der Polizei angegeben, die Kopie eines Flugtickets mit dem Namen Kachelmanns und dem einer anderen Frau im Briefkasten vorgefunden zu haben. Beigelegen habe die Notiz «Er schläft mit ihr». Nach mehreren Vernehmungen räumte sie jedoch ein, dass der Satz von ihr selbst geschrieben war. Sie hatte im Vorfeld Mail-Kontakt zu der Frau auf dem Ticket hergestellt und unter einem Vorwand von ihr erfahren, dass sie mit Kachelmann zusammen ist. Die Verteidigung sieht die selbst geschriebene Notiz als Beleg, dass auch die Vergewaltigung von ihr erfunden wurde. Die Staatsanwaltschaft verweist dagegen auf ihre von Anfang an gleich bleibende Schilderung der Tat. Die falsche Angabe zu der Notiz mache die Kernaussage nicht unglaubhaft.

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