Hype-Film – Deadpool, der pansexuelle Antiheld

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Hype-FilmDeadpool, der pansexuelle Antiheld

Vom Underdog zum Kino-Liebling: «Deadpool» ist anders als jede Comicverfilmung vorher. Und das ist gut so.

Er ist super, aber kein Held

Wade Wilson ist ein Anti-Held. Vor seiner Verwandlung zum Mutanten Deadpool verdingt er sich als Söldner und kümmert sich vor allem um sich selbst. Zur ersten Mission kommt er im Taxi statt im Superschlitten – und gibt dem Fahrer Tipps, wie er dessen Nebenbuhler gewaltsam aus dem Weg räumen kann.

Deadpool ist total meta

Deadpool weiß, dass er einem Comicbuch entstammt. Er weiß sogar, dass er in einem Film ist. Und so nimmt er bei jeder Gelegenheit die Genre-Konventionen auf die Schippe und richtet sich direkt ans Publikum. Das könnte leicht in die Hose gehen. Tut es aber nicht.

Nicht jungendfrei

Comicbuch-Verfilmungen wollen die breite Maße ansprechen. «Deadpool» nicht: Die dreckigen Witze, Fluchereien und überbordende Gewalt sind nicht jungendfrei. Klar gabs ein R-Rating in den USA – für unter 17-Jährige nicht ohne Begleitung Erwachsener. Beispiel? Als ein Freund Wade erstmals als völlig entstellten Deadpool sieht, sagt er: «Du siehst aus wie Freddy Kruger, nachdem er eine topografische Landkarte von Utah mit seinem Gesicht gevögelt hat.»

Ein bisschen bi

Deadpools sexuelle Orientierung ist nicht eindeutig. Bereits im Vorfeld sagten Reynolds und seine Co-Stars, dass er «pansexuell» sei. In einer Szene sieht es so aus, als ließe sich Wade mit einem Strap-on-Dildo penetrieren. Eine Grenzüberschreitung in einem Genre, das von Geschlechter-Klischees dominiert wird.

Sein Girl ist kein Mäuschen

Wade Wilson ist kein Schwiegersohn-Typ, und das schlägt sich auch in seiner Partnerwahl wieder. Er verliebt sich in die taffe Vanessa – nicht obwohl sie eine Prostituierte ist, sondern gerade deswegen. Wie sich ihre Beziehung entwickelt, sehen wir als Zusammenschnitt aus Sex in verschiedensten Stellungen an verschiedenen Feiertagen. Zum Totlachen.

Rot ist das bessere Grün

Mit «Deadpool» hat sich Ryan Reynolds offiziell rehabilitiert. 2011 war sein Auftritt als Superheld in «Green Lantern» arg verrissen worden. Der rote Overall steht ihm besser – mehr noch, Deadpool könnte die definierende Rolle seines Lebens werden.

Die Action knallt richtig

Wenn man keine Rücksicht auf eine Jugendfreigabe nehmen muss, kann man sich viel erlauben. Entsprechend hart geht es in «Deadpool» zu und her.

Die Sidekicks sind genial

Die X-Men Collosus und Negasonic Teenage Warhead – ein phlegmatischer Stahlberg und ein mies gelaunter Teenager – versuchen Deadpool auf Kurs zu bringen. Zusammen mit dem kindischen Witzbold Deadpool eine tolle Kombination. Über die Tatsache, dass nur zwei der X-Men verwendet werden durften, macht sich der Film gleich selbst lustig. Deadpool zu Collosus vor Xaviers Mutantenschule: «Das ist ein ziemlich großes Haus, aber irgendwie sehe ich immer nur euch beide.»

Schwere Geburt

Elf Jahre lang kämpfte Ryan Reynolds, der auch als Produzent amtet, dafür, den Film machen zu dürfen. Das Studio glaubte nicht an den Erfolg eines solchen Projektes. Nach einer 180-Grad-Wende steht Fox jetzt voll hinter dem Streifen.

Kein Geld, kein Problem

Der Film wurde für einen Bruchteil des Budgets eines «Iron Man» oder «Avengers» gedreht. Das sieht man ihm aber nicht an. Und dass der finale Showdown auf einem Schrottplatz stattfindet ist eine erfrischende Abwechslung zu den gigantischen Zerstörungsorgien in Metropolen, die wir aus anderen Superhelden-Filmen kennen.

«Deadpool» läuft ab kommenden Mittwoch, 10. Februar, in den Luxemburger Kinos.

(L'essentiel)

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