Abschaffen oder nicht? – Debatte um das Schulfach Religion ist voll entbrannt
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Abschaffen oder nicht?Debatte um das Schulfach Religion ist voll entbrannt

LUXEMBURG - Vertreter der Bürgerinitiative «Fir de Choix» haben ihre Petition im Parlament eingereicht. Die Koalition will aber nicht nachgeben.

Vertreter der Bürgerinitiative «Fir de Choix» haben Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo ihre Petition übergeben.

Vertreter der Bürgerinitiative «Fir de Choix» haben Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo ihre Petition übergeben.

L'essentiel

Geht es nach der blau-rot-grünen Regierung, dann soll der Religions- bzw. Ethikunterricht in den Schulen künftig durch einen einzigen neutralen Werteunterricht ersetzt werden. Der Vorschlag erfährt in der Bevölkerung jedoch zum Teil scharfe Ablehnung. Das wurde am Dienstagnachmittag wieder deutlich: Vertreter der Bürgerinitiative «Fir de Choix» haben eine Petition bei Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo eingereicht, die von nicht weniger 25.665 Personen unterschrieben wurde. Die Unterstützer fordern darin eine öffentliche Parlamentsdebatte über die Frage des Religionsunterrichts, die unter dem Beisein des Bildungsministers stattfinden soll.

Ein Problem dabei ist, dass die Initiative noch vor der Einführung der elektronischen Petitionen im März ins Leben gerufen wurde. Rein technisch gesehen müsste also keine Parlamentsdebatte über die Papier-Petition abgehalten werden. Di Bartolomeo: «Die Initiative wird nicht wie eine E-Petition behandelt. Aber es wird eine Debatte in der Chamber geben. Die Organisatoren werden Gelegenheit bekommen, sich Gehör zu verschaffen.»

Die Einreichung der Initiative wird den Standpunkt der Regierung sicherlich nicht erleichtern. Diese plant, die Reform des Religionsunterrichts frühestens zur Rentrée 2016/2017 umzusetzen. Bildungsminister Claude Meisch (DP) will in der Sache nicht klein beigeben. «Die Inhalte der neuen Fächer sowie Personalfragen werden derzeit vorbereitet», heißt es in einer knappen Mitteilung aus dem Ministerium.

Verhandlungen laufen

In der Zwischenzeit scheinen die Fronten weiter verhärtet. «Warum einen einheitlichen Werteunterricht einführen, der vom Staat definiert wird? Warum lassen wir nicht weiterhin den Schülern die Wahl?», fragt sich Paul Galles, Ko-Initiator der Petition.

«Man darf nicht den Fehler machen, eine Petition mit einem Referendum zu verwechseln. Die Koalition wurde von den Wählern beauftragt, diese Reform umzusetzen und sie wird diesem Auftrag nachkommen», sagt LSAP-Fraktionschef Alex Bodry. «Der neutrale Werteunterricht ist eines der Hauptanliegen der LSAP. Diese Forderung geben wir nicht auf.» Für den Düdelinger Bürgermeister gibt es in dieser Frage kein Zurück mehr: «Warum sollte der katholische Religionsunterricht bevorzugt werden? Manch einer könnte sich ungleich behandelt fühlen und den Staat dafür anklagen. Der Staat müsste dann ein anderes Schulfach schaffen», so Bodry.

«Das ist ein schlichtes Argument. Ich bin dafür, für jede Religion eigene Unterrichtsmodule einzuführen. Es ist besser, die Wahlmöglichkeiten auszuweiten als sie zu beschränken», antwortet Paul Galles. «Die Verhandlungen laufen, vor allem mit der katholischen Kirche. Man könnte zum Beispiel auch über einen Religionskurs außerhalb der normalen Unterrichtszeiten diskutieren», schließt Bodry.

(Thomas Holzer/L'essentiel)

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