Luxemburg: Debatte um Umgang mit Wohnungskrise entbrannt

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LuxemburgDebatte um Umgang mit Wohnungskrise entbrannt

LUXEMBURG – Die Regierung will Immobilienspekulationen eindämmen, indem sie das Steuerinstrument der beschleunigten Abschreibung einschränkt. Die Stiftung Idea ist der Ansicht, dass diese Maßnahme unsinnig ist.

von
Olivier Loyens
Laut Statec wird Luxemburg bis 2026 voraussichtlich mehr als 700.000 Einwohner beherbergen, das sind 50.000 mehr als heute . (Symbolbild)

Laut Statec wird Luxemburg bis 2026 voraussichtlich mehr als 700.000 Einwohner beherbergen, das sind 50.000 mehr als heute . (Symbolbild)

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Um die Spekulation mit Immobilien einzudämmen, darf jeder Steuerzahler nur zweimal im Leben Steuervorteile für vermietete Wohnungen in Anspruch nehmen. Das von der Regierung im Rahmen des Haushaltsplans 2023 erklärte Ziel ist, «die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt zu dämpfen». Dies verkündete Xavier Bettel am 11. Oktober in seiner Rede zur Lage der Nation 2022. Die Ankündigung dieser Reform ist für die von der Handelskammer 2013 gegründete «Fondation Idea» allerdings verwirrend. «Wir denken, dass das Prinzip einer Reduzierung der Fördermaßnahmen für Mietinvestitionen zwar Vermögensungleichheiten bekämpft und dem Staat finanziell in die Karten spielt», aber dennoch sei die Situation unsinnig.

Für die «Fondation Idea» liegt eine breite Palette an Gründen vor, weshalb es gerade jetzt Zeit ist, Anreize für Investitionen in neue Wohnungen zu schaffen. «Wir müssen sehen, dass der Wohnungsbausektor aktiv bleibt, um die neu ansässigen Haushalte anständig unterbringen zu können.» Dabei bezieht sich die Stiftung auf eine aktuelle Veröffentlichung des Statec, laut der Luxemburg bis 2026 voraussichtlich mehr als 700.000 Einwohner haben wird. Dies wären 50.000 mehr als heute. Zudem gebe es in Luxemburg ohnehin schon zu wenige Wohnungen, der Erwerb von Wohneigentum für Erstkäufer würde immer schwieriger werden, es gebe für die potenzielle Nachfrage noch nicht genügend erschwinglichen Wohnraum, aber Luxemburg, das eigentlich ein Land der Hausbesitzer ist, sei dabei, sich nun zu einem Land zu entwickeln, in dem immer mehr gemietet wird.

Fondation Idea

Da der Steuervorteil künftig auf zwei Gebäude oder Teile von Gebäuden, die für Mietwohnungen genutzt werden, beschränkt sein soll, würde die Regierung außerdem de facto eine steuerliche Ungerechtigkeit zwischen vermietenden Investoren schaffen. «Nach der geplanten neuen Regelung kann jemand, der in zwei (neu gebaute) Einzimmerwohnungen im Wert von 200.000 und 250.000 Euro investiert – die an Studenten oder Geringverdiener vermietet werden sollen –, nicht mehr von der Steuervergünstigung profitieren, wenn er eine seiner Einzimmerwohnungen verkauft und beschließt, in eine neue zu reinvestieren», erklärt der Wirtschaftswissenschaftler Michel-Edouard Ruben.

Der Eigentümer aus Rubens Rechenbeispiel könne somit in seinem ganzen Leben von einer Abschreibungsbasis von maximal 360.000 Euro profitieren. Im Vergleich dazu könnte jemand, der in eine (neu gebaute) Wohnung im Wert von 1 Million Euro investiert, später wieder von der beschleunigten Abschreibung profitieren, wenn er eine neue Wohnung im Wert von 1 Million Euro kauft, was einer Abschreibungsbasis von 1,6 Millionen Euro entspricht. Die angestrebte Reform wird also demjenigen, der über eine große unmittelbare Kaufkraft für Immobilien verfügt, einen Vorteil verschaffen, der demjenigen, der geduldig ein Vermögen aufbaut, rechtlich nie zugänglich sein wird.

Situation in Deutschland

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