Tiere gehortet – Déireschutzveräin rettet 184 Tiere nach Hilferuf
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Tiere gehortetDéireschutzveräin rettet 184 Tiere nach Hilferuf

LUXEMBURG – Von Hunderten Kleintieren bis zum geschützten Wildtier lebten diverse Tierarten in dem verwahrlosten Haus. Der Präsident hat uns von dem Einsatz erzählt.

Der Serval (links) und über 30 Katzen lebten mit der Frau frei im Haus zusammen.

Der Serval (links) und über 30 Katzen lebten mit der Frau frei im Haus zusammen.

APAS Schifflange

Zehn Pythons, zwei Boas, neun Chinchillas, ein Staffordshire Terrier und Wellensittich, über 30 Katzen, eine Krabbe, mehr als 100 Mäuse, Ratten und schließlich noch ein Serval, eine geschützte Wildkatze aus Afrika: Was nach einem artenreichen Kleinzoo klingt, sind die insgesamt 184 Tiere, die der Schifflinger Déireschutzveräin (APAS) vergangene Woche aus dem Haushalt einer Luxemburgerin befreit hat. Doch wie kam es zu dem außergewöhnlichen Einsatz?

Die Frau habe auf Social Media selbst um Hilfe mit ihren Katzen gebeten, erzählt APAS-Präsident Sacha Andre L'essentiel. Auf den Post sei der Verein Häerz fir Streuner aufmerksam geworden und habe dann den Tierschutzverein wegen seiner Erfahrung um Unterstützung gebeten. Daraufhin habe man einen Termin mit der betroffenen Frau vereinbart. Erst vor Ort sei klar geworden, dass es um viel mehr als Katzen ging. «Wir hatten keine Ahnung von dem, was wir vorgefunden haben», so Andre. Schon bei Betreten sei den Helfern ein seltsamer Geruch entgegengeschlagen. «Wie es da ausgesehen hat! Wir hatten gar keine andere Wahl als zu intervenieren. Das waren ganz klar Verstöße gegen das Tierschutzgesetz», schildert er die Situation. «Glücklicherweise hat die Bewohnerin das Problem eingesehen und kooperiert.» So sei man auch ohne Polizeihilfe ausgekommen.

«Das ist für Tier und Mensch nicht gesund»

Dennoch habe der Einsatz mehrere Stunden gedauert. Andere Vereine und Privatleute haben sich der Tiere angenommen, die Wildtierstation Düdelingen hat den Serval eingefangen – für den brauchen Halter eigentlich eine besondere Genehmigung. Die Frau habe ihn in Deutschland gekauft und über die Grenze gebracht. «Wir waren selbst überrascht, dass das so einfach geht», berichtet Andre, «man wünscht sich, dass sowas mehr kontrolliert wird, aber wenn sie niemandem von den Tieren erzählt, weiß auch keiner davon.»

Die Tiere würden aktuell noch nicht vermittelt, seien aber alle von einem Arzt untersucht worden. Dem Großteil geht es laut Sacha Andre gesundheitlich gut. Wer in diesem Fall die Absicht zu quälen vermutet, dem widerspricht der APAS-Präsident. «Die Frau hat sich gekümmert. Die Tiere hatten alle Namen und die Katzen sind zum Teil richtige Schmusekatzen.» Offenbar sei sie aber der Masse an Tieren nicht mehr gewachsen gewesen, was zu den verwahrlosten Zuständen im Haus geführt habe, die schließlich die artgerechte Haltung unmöglich machten. «Das ist dann für Tier und Mensch nicht gesund.» Warum es zum krankhaften Horten von Tieren – auch «Animal Hoarding» genannt – komme, habe unterschiedlichste Gründe. «Oftmals sind Menschen mit diesem besonderen Messie-Syndrom einsam oder versuchen Verluste zu kompensieren». Das Haus wird nun in Absprache mit der Besitzerin gereinigt und das Veterinäramt ist eingeschaltet worden.

(Miriam Meinecke/L'essentiel)

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