Luxleaks-Prozess – Deltour erklärt: «Das war meine Pflicht als Bürger»

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Luxleaks-ProzessDeltour erklärt: «Das war meine Pflicht als Bürger»

LUXEMBURG – Der Whistleblower Antoine Deltour und der Journalist Edouard Perrin haben an diesem Dienstag vor dem Bezirksgericht in Luxemburg ausgesagt.

Der französiche Whistleblower Antoine Deltour hat an diesem Dienstag im Luxleaks-Prozess über seine Karriere bei PwC ausgesagt. Nach der Einarbeitungszeit bei dem globalen Netzwerk für Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung bot man Deltour im September 2008 einen festen Vertrag an. «Ich stellte die Korrektheit der Firmenkundenkonten sicher», sagte Deltour laut eines Berichts in Le Monde dem Richter. Zunächst gefiel es Deltour in Luxemburg, wo er in einer WG lebte. Doch dann wurde «der Arbeitsdruck ziemlich hoch und ich habe mich nicht in der Lage gefühlt, darüber hinaus zu gehen.»

Der Franzose reichte im Oktober 2010 seine Kündigung ein. Damit hätte alles enden und der Skandal weiter verborgen bleiben können. Doch am Vorabend seiner Abreise lud Deltour noch Schulungsunterlagen herunter, um am Auswahlverfahren des öffentlichen Dienstes in Frankreich teilzunehmen (Deltour arbeitet heute beim staatlichen Statistikamt INSEE, Anmerkung). Dabei fiel dem Whistleblower das berüchtigte Steuerabkommen Advance Tax Agree (ATA) in die Hände. Die Dokumente stehen im Zentrum des Skandals. Nach Angaben des Richters hat Deltour «400 Dokumente in 29 Minuten» heruntergeladen. Der Richter scheint sich schwer mit der Vorstellung zu tun, Deltour habe ohne Vorsatz gehandelt.

«Er hat nie eine Bezahlung verlangt»

Deltour lernte den Journalisten Edouard Perrin über einen Kommentar zu einem Blog der Zeitung Libération kennen. Deltour erklärte, wie multinationale Unternehmen dank ATA Steuersätze «sehr nahe an null Prozent» erhalten. Nach einem Wechsel von E-Mails trafen sich die beiden in Nancy. «Er hat nie eine Bezahlung verlangt und das kam auch nicht in Frage. Das war meine Pflicht als Bürger.»

Schließlich wollte der Vorsitzende Richter wissen, warum Deltour nicht einen Abgeordneten oder einen Anwalt kontaktiert hat. Der Whistleblower erklärt, er habe Angst vor der Veröffentlichung der Dokumente gehabt. Er habe den Journalisten auch gebeten, weder seinen Namen noch den der Prüfungsgesellschaft oder der Kunden zu nennen. Er sei von der Veröffentlichung durch das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) «überrascht» gewesen. Auch ein Punkt, in dem er überhaupt nicht mit Perrin einverstanden ist, welcher an diesem Dienstag ebenfalls vor Gericht zu hören war. Doch nach Angaben des Journalisten sei es immer klar gewesen, dass die Dokumente verwendet werden würden.

Am kommenden Mittwoch folgen im Luxleaks-Prozess bereits die Plädoyers.

(L'essentiel)

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