Gesicherte Grüne Zone: Demonstranten stürmen Parlament im Irak

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Gesicherte Grüne ZoneDemonstranten stürmen Parlament im Irak

In der irakischen Hauptstadt Bagdad sind Demonstranten in das Parlament eingedrungen. Kurz zuvor hatte die Menschenmenge die hoch gesicherte Grüne Zone gestürmt, wie die staatliche irakische Nachrichtenagentur INA am Mittwoch berichtete.

Hunderte Demonstranten sind am Mittwoch in das irakische Parlament in der Hauptstadt Bagdad eingedrungen. Die Protestteilnehmer skandierten Flüche gegen den Iran, um unter anderem gegen die Nominierung des früheren Ministers Mohammed al-Sudani durch vom Iran unterstützte Parteien für das Amt des Ministerpräsidenten zu protestieren. Zuvor waren sie in die schwer gesicherte Grüne Zone eingedrungen, in der auch zahlreiche ausländische Botschaften untergebracht sind. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, konnte eine große Zahl Demonstranten jedoch nicht aufhalten.

Bei vielen der Protestteilnehmer handelte es sich um Anhänger des einflussreichen Predigers und Schiitenführers Muktada al-Sadr. Einige liefen über Tische und schwenkten irakische Flaggen. Abgeordnete waren nicht vor Ort. Die im Gebäude anwesenden Sicherheitskräfte schienen den Demonstranten wenig entgegenzusetzen.

Das Eindringen ereignete sich vor dem Hintergrund der größten Proteste seit den Parlamentswahlen im Oktober. Der geschäftsführende Regierungschef Mustafa al-Khadimi rief zu Besonnenheit und Zurückhaltung auf. Von den Demonstranten forderte er den unverzüglichen Abzug aus dem Gebiet.

Viele von ihnen trugen Bilder Al-Sadrs bei sich. Al-Sadr hatte sich im Juni nach acht Monaten eines politischen Patts aus der Regierungsbildung zurückgezogen. Die Abgeordneten seiner Liste traten seinen Anweisungen gemäß zurück. Al-Sadr hatte versucht, mit sunnitischen und kurdischen Verbündeten eine Mehrheitsregierung zu bilden, die vom Iran unterstützte Parteien unter Führung seines Langzeit-Rivalen, dem früheren Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki, ausschloss. Bereits im Jahr 2016 hatten Anhänger des Geistlichen das Parlament gestürmt und politische Reformen gefordert.

(L'essentiel/dpa)

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