Krieg in Libyen – Den libyschen Rebellen geht das Geld aus

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Krieg in LibyenDen libyschen Rebellen geht das Geld aus

Libyens Aufständische beklagen, viele Länder hätten ihre Hilfszusagen nicht eingehalten. Doch die Lage sei ernst.

Der Finanzminister der libyschen Regimegegner, Ali Tarhuni, beklagte, die finanzielle Unterstützung aus dem Ausland bleibe aus. Viele Länder hätten ihre Hilfszusagen nicht eingehalten und hofften stattdessen auf lukrative Geschäfte mit dem ölreichen Land.

«Ich glaube, sogar unsere Freunde verstehen nicht die Dringlichkeit der Lage», erklärte Tarhuni am Samstag in Bengasi. «Entweder sie verstehen das nicht, oder es ist ihnen egal.» Er lobte Katar und Kuwait für ihre großzügige Hilfe, nannte aber keine Einzelheiten. Lob zollte er auch Frankreich und bezeichnete das Land als die treibende Kraft hinter der Durchsetzung der Flugverbotszone. Die anderen redeten nur, sagte Tarhuni. Ihm gehe rasch das Geld aus.

Tarhuni betonte, der Nationale Übergangsrat der Rebellen werde keine langfristigen Verträge unterschreiben. Die Rebellen wollten bereits bestehende Vereinbarungen einhalten, eine neue demokratisch gewählte Regierung werde das möglicherweise nicht tun, deutete er an.

Soldaten flüchten nach Tunesien

In Tunesien kamen nach einem Bericht der tunesischen Nachrichtenagentur TAP 22 libysche Soldaten an. Sie seien in zwei Booten aus Misrata geflohen, berichtete eine Gewährsperson, die mit ihnen gesprochen hatte. In Tunesien gab die Gruppe, der auch Offiziere angehörten, ihre Waffen ab.

Die Nato griff am Samstag erneut ein Kommandozentrum des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi an. Ein Nato-Sprecher sagte, Ziel der Angriffe am frühen Morgen sei das Gelände Bab al Asisijah in der Hauptstadt Tripolis gewesen. Dabei sei auch ein Fahrzeugdepot getroffen worden. Gaddafi sei aber nicht das Ziel gewesen. Es gebe keine Möglichkeit zu wissen, ob er sich zum Zeitpunkt des Angriffs in dem Komplex aufgehalten habe, sagte der Sprecher.

Der Komplex war schon vor 25 Jahren bei Angriffen amerikanischer Kampfflugzeuge schwer beschädigt worden. Der Angriff damals war eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf die Berliner Diskothek «La Belle», bei dem zwei US-Soldaten getötet worden waren.

Der britische Verteidigungsminister Liam Fox räumte unterdessen ein, dass der Einsatz von Kampfhubschraubern in Libyen ein Risiko darstelle. Die Gefahr für die Piloten sei in die Überlegungen einbezogen worden, sagte Fox am Sonntag dem Rundfunksender BBC. Es handele sich jedoch keinesfalls um eine Eskalation des Konflikts, sondern nur um einen anderen Weg, Gaddafis Möglichkeiten einzuschränken und die Zivilbevölkerung zu schützen.

Mehr als 250 Frauen vergewaltigt

Eine Kinderpsychologin stieß bei der Befragung libyscher Flüchtlinge auf zahlreiche Fälle, in denen Anhänger Gaddafis Frauen vergewaltigt haben. Insgesamt hätten 259 Frauen angegeben, vergewaltigt worden zu sein, sagte die in London ausgebildete Ärztin Seham Sergewa. Sie kam in die Flüchtlingslager, um mit Kindern zu arbeiten und zu untersuchen, wie sich der Konflikt auswirkt. Doch vor zwei Monaten habe ihr eine Frau berichtet, sie sei vergewaltigt worden. Weitere Frauen berichteten über ähnliche Vorfälle.

Sergewa sagte, sie habe sich entschieden, die Frage nach einer Vergewaltigung in die Fragebögen aufzunehmen, die sie in den Lagern verteile. Von 70 000 befragten Familien hätten 59 000 die Fragebögen zurückgegeben. 259 Frauen hätten angegeben, Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein. Die Dunkelziffer sei aber vermutlich um ein Vielfaches höher, da viele Frauen Angst hätten, über die Übergriffe zu sprechen.

Einige Frauen hätten die Fragebögen nicht unterschrieben, damit sie nicht zurückverfolgt werden könnten, oder nur ihre Initialen notiert, sagte Sergewa. Andere Frauen hätten auf der Rückseite ihre Leidensgeschichte aufgeschrieben.

Auch der Chefankläger des internationalen Strafgerichtshofs, Luis Moreno-Ocampo, teilte bereits mit, er habe Beweise dafür, dass das Gaddafi-Regime Menschenrechtsverbrechen begangen habe, darunter auch sexuelle Übergriffe.

L'essentiel Online/dapd

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