Antiklerikaler Einzelkämpfer – Der Antichrist ist ein texanischer Schulleiter
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Antiklerikaler EinzelkämpferDer Antichrist ist ein texanischer Schulleiter

In Texas hat sich ein Schulleiter unbeliebt gemacht, als er den Schülern verbat, biblische Sprüche auf Sportbanner zu schreiben. Nun steht er vor Gericht.

Einer gegen alle: Schulleiter Kevin Weldon will keine christliche Symbole auf seinem Schulgelände.

Einer gegen alle: Schulleiter Kevin Weldon will keine christliche Symbole auf seinem Schulgelände.

In all seinen Jahren als Schulleiter hat Kevin Weldon vieles erlebt. Darum nimmt er die Sache recht entspannt, denn, wie er selber sagt, «die Leute kennen mich und wissen, wer ich bin.» Trotzdem muss der 53-Jährige vor Gericht. Er muss erklären, wieso er seinen Schülern – vor allen den Cheerleadern – verboten hat, christliche Verse auf Spruchbändern innerhalb des Schulareals zu schreiben. In einer Kleinstadt wie Kountze im US-Bundesstaat Texas, der zu den konservativsten im Land gehört, ist dies eine sehr gewagte Entscheidung.

Das Ganze hatte begonnen, als ein Bewohner des 2100-Einwohner Städtchens einen anonymen Brief an die «Freedom from Religion Foundation», eine Stiftung von Atheisten und Agnostikern in Wisconsin, geschickt hatte. Der Absender war der Meinung, dass die Spruchbänder mit Aufschriften wie «Danke Gott, dass du uns durch unseren Herrn Jesus Christus zum Sieg verholfen hast», die die Fans an den Fußballspielen wogen, verfassungswidrig seien. Schulleiter Weldon war der gleichen Meinung und – nach einer Beratung mit seinem Anwalt – ließ die religiösen Banner verbieten.

Keiner unterstützt Weldon

Die Reaktionen kamen unverzüglich: Schüler und Eltern waren empört und eine Gruppe verklagte gar den Schulleiter. Auf Unterstützung von oben durfte dieser allerdings nicht zählen: Weder der Gouverneur noch der Generalstaatsanwalt waren auf seiner Seite. Der Fall kam vor Gericht und bald diskutierte das ganze Land über die komplexe Frage: Gelten die religiösen Anschriften als Redefreiheit oder sollten die Inhalte zensiert werden, weil es sich um einen schulischen Rahmen handelt, in dem die Aussagen reguliert und zensiert werden können?

Das Oberste Gericht hörte vergangene Woche Kevin Weldon an. Der 53-Jährige, selbst ein Christ, musste unter Eid klarstellen, ob er gegenüber dem Christentum oder der Bibel Feindseligkeiten hege. Schließlich erwirkte der Richter eine einstweilige Verfügung gegen das Verbot: Solange der Prozess noch am Laufen sei, dürften die Spruchbänder mit religiösen Symbole und Texte versehen sein.

Ost Texas ist nicht Kalifornien

Inzwischen spielt sich die Debatte auch außerhalb des Gerichtssals ab. Auf Facebook führten Weldon-Gegner ihre Kampagne weiter – und sie waren erfolgreich: Innerhalb von 24 Stunden brachten sie es auf 34'000 «Likes». Auf den Straßen von Kountze bekundeten die Bewohner ebenfalls ihren Unmut gegen Weldons Ansicht der Verfassungswidrigkeit der Plakate: «Apostelgeschichte 5:29 – Man muss Gott mehr gehorchen denn den Menschen», schrieben sie am Eingang der Baptisten-Kirche.

Wer sich bisher am schärfsten über den kniffligen Fall äußerte, ist der selbst ernannte «wiedergeborene Christ» und Kandidat auf einen Abgeordnetensitz Steve Stockman: «Das Religionsverbot ist ein direkter Angriff auf unsere Prinzipien. Das hier ist Osttexas, nicht San Francisco», sagte er gegenüber der «New York Times». Weldon solle sein Verbot zurückziehen oder seinen Posten räumen.»

Etwas weniger dramatisch sehen das allerdings einige von Weldons Schülern: «Wir verstehen, dass er in einer sehr schwierigen Lage ist», meint die 17-jährige Rebekah Richardson.

(L'essentiel Online/kle)

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