Wie einst Tom Hanks – Der dunkle, einsame Mann von Terminal 1

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Wie einst Tom HanksDer dunkle, einsame Mann von Terminal 1

Das ist die unglaubliche Geschichte eines Mannes, der vor drei Monaten auf dem Flughafen von Caracas gestrandet ist und seither nicht mehr nach Hause kann.

Der Mann aus Sri Lanka ist gefangen in der bürokratischen Hölle: Irgendwo zwischen Visum, Grenze und Diplomatie steckt der Mann fest. Das Gefängnis: Der internationale Flughafen in Maiquetía bei Caracas in Venezuela. Der Mann ist vor drei Monaten ohne Visum aus Damaskus eingereist. Die venezolanischen Behörden können ihn nicht nach Hause schicken, da es von Caracas aus keine Direktflüge nach Sri Lanka gibt. Irgendwo zwischenlanden kann der Mann auch nicht, dafür fehlt ihm ein Transitvisum. Und Sri Lanka hat keine diplomatische Vertretung in Venezuela.

Sein Schicksal erinnert an den Film «The Terminal» von 2004, in dem Tom Hanks Viktor Navorski spielt, einen Bürger aus dem fiktiven Land Krakosien, der auf dem New Yorker Flughafen JFK landet und wegen der Kriegswirren in der Heimat für die USA plötzlich nicht mehr existiert; sein Pass wird ungültig. Er richtet sich im Terminal vom JFK ein.

Die Realität hat nun die Fiktion eingeholt. Damit der Fall überhaupt publik wurde, brauchte es ein Video, das die argentinische Band «Los Pericos», die auf den dunklen, einsamen Mann im Terminal aufmerksam wurden, im Internet veröffentlichte.

Namenlos, dunkel, freundlich

Bis dahin wusste niemand von diesem Mann, dessen Namen niemand kennt. Für das Flughafenpersonal ist er nur der seltsame, aber freundliche dunkle Herr, der seine Tage sitzend im Transit verbringt - im Labyrinth der internationalen Bürokratie. «Wir wissen nicht, ob jemals jemand mit ihm gesprochen hat. Er spricht weder Englisch noch Spanisch», sagte ein Angestellter dem Newsportal BBC Mundo. Das Bett und das Essen werde ihm von der Airline zur Verfügung gestellt, sagen die argentinischen Musiker in ihrem Video. «Da ist jemandem ein Fehler unterlaufen», erklärte sich unbeholfen ein Flughafensprecher gegenüber den Medien.

Nun ist auch das UNHCR in Venezuela auf den Fall des Gestrandeten aufmerksam geworden. Man wisse nicht, ob es sich beim Mann um einen Flüchtling oder Asylbewerber handle. Man hat laut BBC Mundo noch keinen direkten Kontakt zu ihm gehabt. Aber man hat die venezolanischen Behörden gebeten, eine Lösung zu finden.
Für Tom Hanks gab es im Film ein Happy End. Für den Gestrandeten von Caracas bleibt dieses (vorerst) noch aus.

(L’essentiel Online / kub)

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