Tod von Lou Pearlman – Der Erfinder der Backstreet Boys ist tot

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Tod von Lou PearlmanDer Erfinder der Backstreet Boys ist tot

Mogul Lou Pearlman starb letzten Freitag im Gefängnis. Er galt als genialer Erfinder von Boybands — und als dubioser Geschäftsmann.

Als streitbarer Pop-Impresario machte sich Lou Pearlman in den 1990er Jahren einen Namen, an dem das Etikett des Erfolgs zu haften schien. Zu seinen Schützlingen gehörten Bands wie *NSYNC oder die Backstreet Boys. Insgesamt 14 Firmen, darunter die Fluggesellschaft Trans Continental Airlines, hatte Pearlman bis 2008 unter sich. Dann kam der Abstieg: Klagen in Millionenhöhe, Flucht nach Bali, Festnahme und Verurteilung zu 25 Jahren Knast. Am Freitag verstarb Pearlman im Alter von 62 Jahren im texanischen Gefängnis Texarkana, die Todesursache ist unbekannt.

Aufgewachsen in New York City, tritt der Spät-68er — und Cousin der Folklegende Art Garfunkel — Louis «Lou» Jay Pearlman das erste Mal als Gitarrist einer unbekannten Rockband aus Flushing, einem Stadtteil von Queens, in Erscheinung. Aufgrund des ausbleibenden Erfolgs aber entdeckte Lou die Luftfahrt als wegweisende Leidenschaft für sich. Als gewiefter Kommunikator gewann der schon damals übergewichtige Pearlman Anfang der 1980er Jahren reiche Investoren für die Gründung einer Charter-Airline namens Trans Continental.

Sexuelle Nötigung

Mit der TransCon vertreibt Pearlman fortan Flüge für Stars wie Michael Jackson oder Madonna und gerät dabei in Kontakt mit der Musikszene. Euphorisiert durch den Erfolg von Bands wie den New Kids On The Block entscheidet sich Pearlman ein zweites Mal dafür, ins Musikgeschäft einzusteigen — diesmal als Investor. Mit dem Gespür für geschickte Vermarktung gründet das Schwergewicht aus New York erfolgreich die Backstreet Boys und *NSYNC, die in kürzester Zeit Millionen von Platten verkaufen. Pearlman wird reich, stinkreich, während er seine Schützlinge ins enge Korsett diverser Knebelverträge zwingt. Der Manager wird zum Boygroup-Papst und es folgen weitere Bands wie US5 und O-Town.

Konfliktfrei war diese Zeit freilich nicht: Skandalumwittert ist Pearlmans Ruf spätestens, als ihm die Mutter von Backstreet Boy Nick Carter sexuelle Belästigung von Bandmitgliedern vorwirft. Seinen Kopf aber zieht er immer wieder aus der Schlinge, trotz der schlechten Presse.

Talent-Shows und Pizzerias

Innerhalb von nur zehn Jahren gründet Big Poppa, wie Pearlman von seinen Schützlingen genannt wird, weitere Firmen. Kredite holt er sich nicht nur von Banken, sondern auch von Privatinvestoren — meist Rentnern. Filmstudios und Talent-Wettbewerbe gehören nun zu seinem stetig wachsenden Firmenregister, er organisiert Chippendales-Anlässe, kauft Steakhäuser und Pizza-Restaurants.

Im Gegenzug erlaubt es Pearlman Anlegern, sich an seinen Firmen beteiligen. Das Geld aber steckte der Manager damals nicht in seine Unternehmen, sondern nutzte es privat. 2008 übernehmen Gerichtsvollzieher in Florida seine Firmen, ein Jahr zuvor klagten ihn mehrer Banken wegen ausbleibender Kreditrückzahlungen in Millionenhöhe ein. Seine dubiosen Geschäfte schienen Big Poppa einzuholen, der Vorwurf des systematischen Betrugs macht die Runde. Der Verdacht drängt sich auf, dass Pearlman seine Partner mithilfe eines Schneeballsytsems um 300 Millionen Dollar brachte.

Flucht nach Bali

Als immer mehr Klagen ins Haus flattern, setzt sich der Pop-Mogul nach Bali im Indischen Ozean ab. Der Zufall will es, dass ihn beim Frühstück in einer Bar zwei Touristen aus Deutschland erkennen und die Polizei rufen. Es kommt zur Festnahme und Pearlman wird von den indonesischen Behörden ans FBI ausgeliefert. Im März 2008 gesteht der Unternehmer vor Gericht; noch einmal steht der Name des für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannten Scharlatans in allen Zeitungen. In Florida macht man ihm dann den Prozess: Pearlman wird zu 25 Jahren Knast verurteilt.

Den letzten großen Erfolg konnte Pearlman 2005 verbuchen, als er mit der Popband US5 vor allem in den deuschtsprachigen Ländern abräumte. Unvergessen ist seine Antwort auf die Frage einer Journalistin, wann das «Phänomen Boyband» denn ausgedient habe: «Wenn Gott aufhört, kleine Mädchen zu machen», lautete Big Poppas Antwort.

Die Skandale um Lou Pearlman sowie die Reaktionen zu seinem Tod finden Sie in der Bildstrecke.

(L'essentiel)

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