Siegeszug ist vorbei – Der Fotokopierer wird 75

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Siegeszug ist vorbeiDer Fotokopierer wird 75

1938 erfand ein amerikanischer Patentanwalt den Kopierer. Die «Xerographie» galt als größte Erfindung seit der Fotografie – doch heute werden kaum noch Fotokopierer hergestellt.

Ausrangierte Kopiergeräte in Japan. (Bild: Keystone/AP/Koji Sasahara)

Ausrangierte Kopiergeräte in Japan. (Bild: Keystone/AP/Koji Sasahara)

Am 22. Oktober 2013 wird der Fotokopierer 75 Jahre alt - und sein Siegeszug scheint beendet. Fotokopierer werden kaum noch produziert und in den Industrieländern sind die Umsätze mit Druckgeräten in Büros rückläufig. Die Digitalisierung gefährdet das Milliardengeschäft.

Erfunden wurde der Fotokopierer 1938 durch einen amerikanischen Patentanwalt, der es leid war, ständig Dokumente abzuschreiben. Rund zehn Jahre später, 1949, brachte die Firma Xerox, die damals noch Haloid hieß, den Fotokopierer auf den Markt.

Heute hat Xerox das Produkt ausgemustert: «Den reinen Kopierer haben wir nicht mehr im Angebot», sagte eine Xerox-Sprecherin gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur DPA. Der grösste Feind des Fotokopierers ist die Digitalisierung, genauer: das transportable Dokumenten-Format - kurz PDF - und die digitale Archivierung. Die mobilen Endgeräte sorgen zusätzlich dafür, dass vieles nicht mehr ausgedruckt wird.

Sich selbst und der Welt etwas Gutes tun

Papierlos, binnen Sekunden in die ganze Welt verschickt und nebenbei vervielfältigt - so weit hatte der Kopierer-Erfinder Chester Carlson (1906-1968) noch nicht gedacht, als er der Welt einen großen Dienst erwies.

Der amerikanische Patentanwalt und Physiker Carlson hatte in den 1930er-Jahren vor allem seine eigenen Mühen im Blick: Er war es leid, jedes seiner Dokumente wie ein Mönch im Mittelalter mühsam abzuschreiben, wenn er ein Duplikat brauchte. Er träumte von einer Maschine, die auf Knopfdruck die Kopie eines Originals ausspuckt.

Geruch nach faulen Eiern

Seine Idee: Zeichen sollten sich mit Hilfe von elektrischen Ladungsunterschieden vervielfältigen lassen. Der Physiker experimentierte mit Schwefel und umgab sich damit zur Empörung seiner Nachbarn in der eigenen Küche mit dem Geruch von faulen Eiern.

«Ich dachte», schrieb Carlson später, «wenn ich eine Erfindung machen würde, könnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Der Welt etwas Gutes tun und mir selbst auch.»

Vier Trillionen Seiten fotokopiert

Am 22. Oktober 1938 glückte Carlson die «Elektrophotografie»: Ein Verfahren, mit dem sich weltweit erstmals Schriftzeichen auf elektrostatischem Weg kopieren liessen. Carlson nannte das Verfahren Xerographie, aus den griechischen Wörtern «xeros» für trocken und «graphein» für schreiben.

Das Datum der Erfindung in US-Schreibweise ziert auch die erste Kopie: «10-22-38 ASTORIA» ist darauf zu lesen. Carlson legte so den Grundstein für einen Markt mit einem Volumen von mittlerweile 600 Milliarden Dollar.

Mit seinem Verfahren sind inzwischen hochgerechnet weit über vier Trillionen Seiten fotokopiert worden. Und die Technologie der Fotokopierer lebt auch in den modernen Digitaldruckern weiter: Allein im Jahr 2011 wurden einer Studie zufolge mehr als drei Billionen Seiten auf xerografierenden digitalen Druckern ausgedruckt. In Europa und Nordamerika sank das Druckvolumen 2011 aber um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

39 Schritte für eine Kopie

Nach der Erfindung Ende der 1930er-Jahre sollte es bis zum weltweiten kommerziellen Durchbruch aber noch einige Jahre dauern. Während des Zweiten Weltkriegs wollte niemand den Kopierer bis zur Marktreife entwickeln. Erst 1949 brachte Xerox das erste Gerät auf den Markt. Für eine Kopie benötigte man damals noch 39 Schritte und mehrere Minuten.

Nach Jahren des Desinteresses wurde Carlsons «Xerographie» nun aber als grösste Erfindung seit der Fotografie gefeiert. Zehn Jahre später begann der Siegeszug des weitgehend automatisierten Xerox-914. Er schaffte sieben Kopien pro Minute.

Diktatoren witterten derweil Gefahr, denn sie wussten, was einige Jahrhunderte zuvor der Buchdruck angerichtet hatte: Copy-Shops blieben im Ostblock verboten. Die Kopierer sollten nicht zur «Druckpresse des kleinen Mannes» und zum Instrument der Opposition werden. Doch auch als Werkzeug der Revolution ist der Fotokopierer von den sozialen Netzwerken des Internets inzwischen in den Ruhestand geschickt worden.

(L'essentiel Online/sda)

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