Chaos im Irak – Der Isis-Terror bedroht auch Europa

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Chaos im IrakDer Isis-Terror bedroht auch Europa

Die Extremisten im Irak scheinen weit weg zu sein. Doch Experten vor Anschlägen in Europa, wie zum Beispiel im Jüdischen Museum in Brüssel.

In nur drei Jahren entstand aus dem Al-Kaida-Ableger im Irak die eigenständige Terrororganisation Isis (Islamistischer Staat im Irak und der Levante) unter der Leitung von Abu Bark al-Baghdadi. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, im Irak und der Levante einen islamistischen Staat zu errichten.

Das Gebiet ist weit weg – und doch reicht der Arm der Isis-Terroristen bis nach Europa. Das zeigte beispielsweise der Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel, bei dem ein Mann vier Menschen erschoss. Kurz darauf stellte sich heraus, dass es sich beim Attentäter um einen Franzosen handelte, der vom Isis ausgebildet worden war.

«Erhebliche Gefahr» durch Rückkehrer

Solche Vorfälle könnten sich durchaus wiederholen, rekrutiert der Isis doch unzählige Kämpfer aus dem europäischen Raum, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. Diese werden in Syrien oder dem Irak radikalisiert und ausgebildet, sie sammeln Kampferfahrung – und kehren vermutlich irgendwann wieder in ihre Herkunftsländer zurück. So warnte etwa der Präsident des deutschen Bundesamts für Nachrichtenschutz erst vergangene Woche vor einer «erheblichen Gefahr», die von solchen Rückkehrern ausgeht. Allein in Deutschland und Frankreich soll es sich um hunderte solcher Personen handeln.

Nur wenige Tage, nachdem der irakische Geheimdienst Computerdateien mit ausländischen Isis-Mitgliederlisten entdeckt hatte, wurden am Montag in Spanien und Deutschland die ersten Personen festgenommen. Alle neun Verhafteten stehen unter Terrorverdacht – konkret: unter dem Verdacht, für die Terrororganisation Isis zu arbeiten.

Anschläge sind auch Publicity-Aktionen

Außerdem schwillt die Zahl der Menschen, die vor dem Terror fliehen, mit jeder Kampfaktion des Isis weiter an. Allein aus der irakischen Stadt Mossul flohen mindestens 500'000 Menschen. Bis nach Europa schaffen es die wenigsten dieser Menschen. Sie landen in den Flüchtlingslagern der Nachbarstaaten des Iraks. Dort schließen sie sich den Hunderttausenden an, die bereits vor dem Krieg in Syrien geflüchtet sind. Die Masse der vertriebenen Menschen bedroht in kleinen Ländern wie Jordanien und dem Libanon den sozialen Frieden, wie dw.de schreibt. Dadurch entsteht weiterer Nährboden für eine Radikalisierung, Terrorgruppierungen dürften weiteren Zulauf erhalten.

Schließlich gibt es ganz konkrete Interessen des Isis an Terroraktionen in Europa. Anschläge dienen in der Terrorbranche auch der Publicity. Und daran ist dem Isis-Führer Baghdadi viel gelegen. «Isis will die gesamte dschihadistische Bewegung übernehmen. Baghdadi will Bin Laden beerben. Dafür muss er spektakuläre Anschläge im Westen verüben», sagte Terror-Experte Guido Steinberg in der Taz.

(L'essentiel/kmo)

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