WM-Kampf im Schwergewicht – Der König der Kuchen möchte die Welt schocken
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WM-Kampf im SchwergewichtDer König der Kuchen möchte die Welt schocken

Am Samstag kommt es im Schwergewicht zum WM-Kampf zwischen Anthony Joshua und Joseph Parker. Beide sind noch ungeschlagen, haben sonst aber wenig gemeinsam.

Beide steigen mit viel Selbstvertrauen in den Ring: Anthony Joshua und Joseph Parker.

Beide steigen mit viel Selbstvertrauen in den Ring: Anthony Joshua und Joseph Parker.

Bereits vor dem großen Kampf fliegen die Fäuste – wenn auch nur im metaphorischen Sinne. Spöttisch äußerte sich der Engländer Anthony Joshua über seinen Gegner. Joseph Parker sei der «König der Kuchen», nachdem der Neuseeländer offen über seine Vorliebe für die süßen Gebäcke sprach. Das Lager von Parker konterte sogleich mit der Aussage, Joshua habe ein Glaskinn, was wiederum vom Engländer als «Fake News» betitelt wurde.

Die verbalen Reibereien zeigen: Es geht um viel in der Nacht auf Sonntag. Joshua will sich gegen Parker zum Dreifach-Champion im Schwergewicht krönen. Der WBA-Super- und IBF-Weltmeister sowie Inhaber des (unbedeutenden) IBO-Gürtels gilt gegen den WBO-Titelhalter als klarer Favorit. 80.000 Zuschauer werden das Duell der beiden Boxer in Cardiff vor Ort verfolgen.

Beide Champions sind bisher ungeschlagen. Der 28-jährige Joshua musste noch in keinem seiner 20 Profikämpfe über die angesetzte Distanz gehen, um den Ring als Sieger zu verlassen. Stets setzte sich der Olympiasieger von 2012 vorzeitig durch. Der 26-jährige Parker wiederum steht bei 24:0 Siegen (18 vorzeitig). «Parker ist schnell und kann einen Schlag wegstecken», weiß Joshua vom Videostudium her.

Kleiner und weniger austrainiert, aber relaxter

Parker wirkt indes aufgrund seines Körperbaus deutlich weniger austrainiert als der muskulöse Joshua (1,98 m). Dem um fünf Zentimeter kleineren Neuseeländer Parker (1,93 m) ist dies egal. Er hat einen Fast-Food-Giganten als Hauptsponsor, der einen «Parker-Burger» zum Kassenmagneten machte. Und trotz seiner Vorliebe für Kuchen macht er sich keine Sorgen um seine Fitness: «Ich werde die Welt schocken!»

Er fühle sich nicht als Treppenstufe für Joshua: «Natürlich kann er geschlagen werden. Er ist kein Gott. Und ich bin jung, schnell, stark und entschlossen. Ich bin zuversichtlich und viel relaxter als Joshua.»

Harte Titelfights

Parkers Zuversicht wird sich nach Ansicht von Joshuas Trainer Rob McCracken im Ring in Luft auflösen. «Er kann noch so entspannt und siegessicher in den Kampf gehen. Im Ring wird er getroffen. Dann wird er nicht mehr wissen, weshalb er getroffen wurde.»

Parker verzeichnete als Amateur keine nennenswerten Erfolge. Auch konnte er sich nicht für die Olympischen Spiele 2012 qualifizieren. Im Profilager wurde der rund 112 Kilo schwere Hüne behutsam aufgebaut. Parker boxte Gegner von deutlich geringerer Qualität als Joshua. Schließlich gewann er auch seine drei Titelfights als WBO-Weltmeister jeweils nur nach Punkten.

Fury könnte Joshua gefährlich werden

Joshua kassiert rund 12 Millionen Euro für den Fight gegen Parker, der Neuseeländer die Hälfte. Der favorisierte Engländer strebt nach seinem letztjährigen Sieg gegen Wladimir Klitschko eine lange Regentschaft mit noch höheren Gagen im Schwergewicht an. Nächstes Ziel ist eine weitere Titelvereinigung mit einem ungeschlagenen Champion, jene gegen den WBC-Titelhalter Deontay Wilder aus den USA.

Joshua würde auch in diesem Fight als Favorit gelten. Wirklich gefährlich könnte ihm wohl Landsmann Tyson Fury werden, wenn dieser wieder das Level seines Punktsieges von 2015 gegen den damaligen Langzeit-Weltmeister Wladimir Klitschko erreichen sollte.

Fury in der Warteschleife

Der 29-jährige Fury muss sich allerdings nach überwundenen Problemen (Depressionen, Drogenkonsum, Übergewicht) erst wieder nachhaltig in Form bringen. Dann könnte der 2,06-Meter-Gigant eine echte Herausforderung für Joshua sein, nimmt man seine Leistung gegen Klitschko zum Maßstab. Damals hatte er die Absichten des Ukrainers zwölf Runden lang problemlos «gelesen» und diesen teilweise selbst einhändig vorgeführt.

Der letzte «unbestrittene Schwergewichts-Weltmeister» war übrigens Lennox Lewis. Der Landsmann von Fury und Joshua hielt 2000 die wichtigsten drei Schwergewichts-WM-Titel (WBA, IBF und WBA) gleichzeitig.

(L'essentiel/nry/sda)

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