Augenzeugin berichtet – «Der Mörder stand mit seiner Waffe vor mir»

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Augenzeugin berichtet«Der Mörder stand mit seiner Waffe vor mir»

Annie kam zu spät zur Schule - zum Glück: Kurz zuvor hatte ein Mann auf ihre Mitschüler geschossen. Annie stand dem Toulouser Schützen genau gegenüber.

Das Mädchen kann seine Geschichte nur schwer in Worte fassen. Zu tief sitzt noch der Schock. Doch für den Ermittler sind Annies Aussagen sehr wichtig: Der Teenager stand dem Todesschützen von Toulouse nur wenige Sekunden nach der Tat gegenüber. Der französischen Zeitung «La Depeche» erzählt Annie, wie sie den Horrormoment erlebte.

«Ich kam zu spät zur Schule. Mein Vater hatte mich an der Kreuzung aussteigen lassen. Als ich mich der Schule näherte, hörte ich mehrere Schüsse. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, es seien Knallkörper. Ich lief weiter und plötzlich stand ich vor einem Mann auf einem Motorrad, der eine Maschinenpistole in der Hand hatte.» Doch Annie reagierte schnell. Sie packte ein kleines Mädchen und beide versteckten sich hinter einem Auto. Erst als der Mann weggefahren war, kamen sie heraus und liefen weiter bis zum Schuleingang.

Die Kinder wurden hingerichtet

Dort bot sich den Kindern ein Bild des Grauens an. «Ich bin direkt rauf in die Synagoge gerannt. Aus dem Fenster konnte ich beobachten, wie ein kleines Mädchen reanimiert wurde. Überall war Blut und alle schrien. Es war so viel Blut», beendet Annie ihre Aussage. Ihr Vater Pierre war wenige Minuten nach der Tat bei seiner Tochter: «Sie rief mich sofort an. Sie sagte, sie habe den Mörder direkt vor ihren Augen gehabt. Als ich ankam, sah ich die kleinen Leichen vor der Schule liegen.»

Einige Eltern der Schule Ozar Hatorah konnten am Abend die Aufnahmen der Überwachungskamera anschauen. «Wir haben den behelmten Killer unserer Kinder töten sehen», sagte ein aufgewühlter Vater. Zwei Autos hätten in dem Augenblick ein paar Schüler aussteigen lassen. Der Mörder habe gewartet, bis diese wieder weggefahren waren. «Dann eröffnete er das Feuer.» Ein Kind habe versucht zu fliehen. «Er holte es ein und schoss erneut. Wir haben gesehen, wie der Killer ein Opfer exekutierte. Es war schrecklich.» Kinder und Eltern seien vor dem Schulgelände gestanden, erzählt der Zeuge weiter. «Die Mutter des ermordeten Mädchens hat alles beobachtet.» Danach sei der Täter wieder aus den Hof gelaufen und auf seinem weissen Scooter geflüchtet.

Eltern eilen zur Schule

Eine 12-jährige Schülerin berichtet ebenfalls von der kaltblütigen Hinrichtungsaktion des Killers: «Ich wollte mich gerade für das Gebet bereit machen. Ich hörte die Schüsse, aber ich wusste noch nicht, was los war.» Sie sah ein Mädchen mit verbluteten Händen in die Schule laufen. «Danach tötete der Mann ihren Vater und richtete seine Waffe auf zwei weitere Kinder.» Die Verletzungen eines 17-jährigen Schülers wurden zunächst gar nicht wahrgenommen. Der Junge war alleine in sein Zimmer gegangen und hatte sich aufs Bett gesetzt. «Er redete nicht, er stöhnte nur», sagt die Schülerin weiter.

Nach der Schießerei seien die Kinder aufgeteilt worden. Die Mädchen wurden in die Synagoge gebracht, die Buben ins Refektorium. Viele Eltern hatten inzwischen vom Attentat gehört und waren zur Schule geeilt. «Sie begannen zu schreien, als sie die Leichen sahen. Sie hatten Angst, es seien ihre eigenen Kinder.»

(kle)

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