Raphaël Liégeois: Der neue ESA-Astronaut – Vom kleinen Dorf in den Weltraum

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Raphaël LiégeoisDer neue ESA-Astronaut – Vom kleinen Dorf in den Weltraum

LUXEMBURG – Raphaël Liégeois, Luxemburger mit belgischen Wurzeln, hat L'essentiel von seinen ersten Eindrücken als Astronaut erzählt. Die ESA hatte am vergangenen Dienstag sechs neue Astronauten vorgestellt.

von
Nicolas Martin
(aus Paris)
Raphaël Liégeois, neben Josef Aschbacher, dem Direktor der Europäischen Weltraumorganisation.

Raphaël Liégeois, neben Josef Aschbacher, dem Direktor der Europäischen Weltraumorganisation.

afp

Können Sie sich denjenigen vorstellen, die Sie noch nicht kennen?

Ich komme aus Belgrade, in der Nähe von Namur, wo ich zur Schule gegangen bin. Anschließend habe ich in Lüttich Ingenieurwesen studiert, wo ich promovierte und fast zehn Jahre lebte. Ich habe mehrere Jahre als Neurowissenschaftler in den USA, Asien und jetzt in der Schweiz gearbeitet.

Sie haben die doppelte Staatsbürgerschaft. Können Sie uns ein wenig über Ihre Verbindungen zum Großherzogtum erzählen?

Ich bin gebürtiger Belgier, aber meine Eltern stammen aus der Provinz Luxemburg in Belgien und unsere Familiengeschichte ist sehr eng mit Luxemburg verbunden. Ich erinnere mich, dass meine Großmutter aus Luxemburg mir als Kind immer luxemburgische Lieder vorgesungen hat. Mein Vater hat das Luxemburger Konservatorium besucht und meine Eltern arbeiten seit etwa zwanzig Jahren dort.

Haben Sie selbst dort gelebt?

Da ich mein Studium begann, als meine Eltern nach Luxemburg gingen, habe ich dort noch nicht sehr viel Zeit verbracht. Aber meine Eltern arbeiten dort und das verbindet mich mit dem Großherzogtum.

L'essentiel/Nicolas Martin

Wie haben Sie sich gefühlt, als Ihr Name für die Stelle als Berufsastronaut bekannt gegeben wurde?

Es war ein Kindheitstraum. Ich war sehr stolz und glücklich, dabei sein zu dürfen. Umgeben von all diesen außergewöhnlichen Astronauten aus allen Ländern Europas. Ich bin stolz, Teil dieses Prozesses zu sein, der eine Generation von Europäern zusammengebracht hat, die sich für den Weltraum begeistern und zu einer besseren Welt beitragen wollen.

Waren die Sporttests schwer?

Nein, darauf musste ich mich nicht explizit vorbereiten. Etwa die Hälfte der 22.500 Kandidaten haben sie bestanden. Ich bin kein Athlet., zehn Kilometer laufe ich nicht sehr schnell. Es ging eher darum, zu sehen, ob es Probleme gebe. Vor allem sollte man gesund sein und normale Werte haben.

Was können Sie aus Ihrer Karriere bei der ESA einbringen?

Ich bin Wissenschaftler, ich habe im Bereich der bildgebenden Verfahren gearbeitet. Eine der Hauptbeschäftigungen der Astronauten ist, wissenschaftliche Studien durchzuführen, etwa auf der Internationalen Raumstation. Oder, innerhalb der nächsten Jahre, darüber hinaus. Um zu verstehen, wie man weiterkommen kann. Der technische Hintergrund wird es mir ermöglichen, leichter mit Wissenschaftlern in verschiedenen Bereichen zu interagieren. Ich versuche besser zu verstehen, wie Experimente durchgeführt werden sollten. Im Allgemeinen bin ich überzeugt, dass die Wissenschaft ein Schlüssel zur kollektiven Lösung der Probleme ist, mit denen sich die Welt gerade konfrontiert sieht. Diese Botschaft habe ich als Neurowissenschaftler vertreten und ihr möchte ich auch in meiner Karriere als Astronaut folgen.

L'essentiel/Nicolas Martin

Können Sie sich vorstellen, den jungen Luxemburgern das Interesse am Weltraum zu vermitteln?

Natürlich möchte ich das Interesse am Weltraum allen Generationen vermitteln, insbesondere der Jugend. Diese gestalten schließlich die Welt von morgen. Wenn ich der luxemburgischen Jugend eine kleine Botschaft mit auf den Weg geben soll, dann würde ich sagen: Versucht, eure Träume zu erkennen, kümmert euch um sie und gebt ihnen einen Sinn, um zu etwas Besserem beizutragen. In diesem Zusammenhang sind Naturwissenschaften großartig.

Wie haben Ihre Eltern auf die Bekanntgabe dieser großartigen Neuigkeiten reagiert?

Sie waren natürlich sehr stolz und sprachlos. Sie haben es live im Internet verfolgt. Ich glaube, ich habe viele Nachrichten bekommen (lacht).

Wie geht es nun für Sie weiter?

Ich werde mit meiner Familie nach Köln ziehen. Anfang April beginnt das Training. Danach warten wir auf die Einteilung zu einer Mission. Für die dann zwei Jahre sehr intensives Training ansteht. Damit käme ich frühestens 2026 zu einer Mission. Wir sind zu fünft und da nicht jeden Monat ein Flug stattfindet, kann es länger dauern.

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