Scuderia-Fans: Der Papst mit dem Ferrari – und andere Fakten zur Auto-Legende

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Scuderia-FansDer Papst mit dem Ferrari – und andere Fakten zur Auto-Legende

Warum Lamborghini ein guter Ferrari-Kunde war. Oder welches Ford-Modell wir Ferrari zu verdanken haben: Hier gibts zehn Fakten zum italienischen Supersportwagenhersteller, die du vermutlich noch nicht gehört hast.

Der F40 zählt zu den kultigsten Ferraris aller Zeiten.

Der F40 zählt zu den kultigsten Ferraris aller Zeiten.

Ferrari

10 – Der erste Ferrari war kein Ferrari

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Okay, der Titel stimmt nicht ganz, aber: In den 20er- und 30er-Jahren arbeitete Enzo Ferrari für Alfa Romeo. Der Mann aus Modena war zuerst als Fahrer, später als Leiter der «Scuderia Ferrari»-Rennabteilung tätig. 1939 drehte ihm Alfa den Rücken zu. Mit einer finanziellen Abfindung sowie einer für vier Jahre geltenden «Ferrari»-Namensunterlassungserklärung im Gepäck baute Enzo den AAC 815 Tipo. Ferraris erstes Werk verfügte über acht Zylinder und 1,5 Liter Hubraum. Nur zwei Exemplare (020 und 021) wurden gebaut. Beide rollten beim Großen Preis von Brescia 1940 an den Start und erlitten einen Motorenschaden. Das Fahrzeug mit der Seriennummer «020» wurde 1958 versehentlich zerstört. Der «021er» zählt heute zu den Hauptattraktionen der Righini-Kollektion – Italiens exklusivster privaten Autosammlung.

09 – Ferrari-Rot heißt «Rosso Corsa»

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Noch heute hebt der Ferrari-Farbkatalog vor allem das ikonische «Rosso Corsa» hervor, was übersetzt so viel wie «Rennrot» bedeutet. Die Farbe findet seinen Ursprung in den Vorschriften des Internationalen Automobilverbands. Diese besagten, dass alle italienischen Grand-Prix-Rennwagen rot lackiert sein mussten. Daraufhin entschied sich Ferrari dafür, künftige Serienmodelle in der Rennfarbe zu lancieren. Verkaufsdaten aus den frühen 1990ern zufolge verließen 85 Prozent der Ferraris die Werkshallen in Rot. Neuere Statistiken zeigen, dass trotz alternativer Farboptionen immer noch 40 Prozent der Ferrari-Kunden «Rosso Corsa» wählen.

08 – Ferrari hat eigenen Themenpark

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Ferrari ist nicht nur eine der wenigen Automarken mit einer eigenen Rennstrecke, sondern hat in Abu Dhabi auch den größten Indoor-Themenpark der Welt errichtet. Die Ferrari World Abu Dhabi wurde 2010 eröffnet und beherbergt die schnellste Achterbahn mit einer Geschwindigkeit von ca. 150 km/h. Zudem punktet der Freizeitpark mit der steilsten Achterbahn der Welt, der Flying Aces, welche Francesco Baracca gewidmet ist. Neben drei weiteren Achterbahnen bietet der Themenpark zahlreiche Familienattraktionen und eine Ferrari Driving Experience.

07 – Tailor-Made für noch mehr Exklusivität

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Wem ein Ferrari «ab der Stange» zu wenig exklusiv ist, der kann auf das «Tailor-Made»-Programm zurückgreifen. Im Rahmen dieses Konzepts haben die Käufer und Käuferinnen die Möglichkeit, ihr Ferrari-Modell individuell zu gestalten. Im «Atelier Ferrari» kann die Kundschaft Reifenprofile, Innenverkleidungen, Zubehör, Oberflächen und Farben auswählen. Der Sportwagenhersteller bietet dabei drei Kategorien an: «Scuderia» umfasst vom Rennsport beeinflusste Optionen, «Classica» bietet eine moderne Interpretation des Ferrari GT, während «Inedita» für unkonventionelle Kombinationen steht. Nach den Wunschäußerungen müssen die Kunden und Kundinnen mit einer Wartezeit von bis zu zwei Jahren rechnen.

06 Enzo Ferrari – eine Zitat-Goldgrube

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Enzo Ferrari ist der Mann, welcher Träumen ein Lenkrad und aufmüpfigen Journalisten eine verbale Ohrfeige verpasste. Denn so schnell wie seine Sportwagen war seine Zunge. Kein Wunder also, gilt er als personifizierte Zitat-Goldgrube. Von einem Journalisten auf die unstimmigen Spaltmassen seiner ersten Fahrzeuge angesprochen, soll er mit: «Es ist mir egal, ob die Türspalten gerade sind. Wenn er aufs Gaspedal tritt, soll er sich in die Hose scheißen», geantwortet haben. Auch zum Thema der Windschlüpfrigkeit hatte Ferrari seine eigene Meinung: «Aerodynamik ist etwas für Leute, die keine Motoren bauen können.» Übrigens: Ferrari fuhr nur selten eines seiner eigenen Autos. «Ich kann mir das nicht leisten», sagte er gerne. Stattdessen bewegte er in Modena und Maranello während Jahrzehnten ein Motorrad der englischen Marke Rudge.

05 – Ferrari – Il Cavallino Rampante

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Das schwarze, sich aufbäumende Pferd auf gelbem Grund – das Cavallino Rampante – zählt zu den bekanntesten Logos der Welt. Es steht für ein Top-Team der Formel 1 und wunderschöne Sportwagen – oder eben Emotion pur! Auch die Entstehung des Ferrari-Logos ist gefühlsintensiver als bei den meisten Konkurrenten. Enzo Ferrari, der Vater der weltbekannten «Scuderia», soll selbst nur einmal öffentlich über die Entstehung des Wappens gesprochen haben: «Im Jahr 1923 traf ich den Grafen Enrico Baracca, den Vater des Helden, und dann seine Mutter, Gräfin Paolina, die zu mir sagte, ich solle das tänzelnde Pferd ihres Sohnes auf meinen Autos anbringen. Es werde mir Glück bringen.» Der gemeinte Held ist Francesco Baracca, ein Fliegerass der italienischen Luftwaffe, welcher nach mehr als dreißig gewonnen Luftkämpfen im ersten Weltkrieg fiel.

04 – Ferrari verdanken wir den Ford GT40

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1963 stand bei Ferrari eine Übernahme durch den US-Konzern Ford im Raum. Doch die Verhandlungen mit Enzo zogen sich in die Länge. Schlussendlich lehnte der Firmenpatriarch ab. Henry Ford II, Enkel des Firmengründers, war so erzürnt, dass er entschied: «Wenn wir Ferrari nicht kaufen können, dann schlagen wir sie auf der Rennstrecke.» Ford entwickelte daraufhin den legendären GT40. Der Bolide gewann ab 1966 viermal in Folge das 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

03 – Ferruccio Lamborghini war ein guter Ferrari-Kunde

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Nicht nur die Ford-Historie ist Ferrari-belastet. Ferruccio Lamborghini besaß einen 250 GT, mit welchem er 1962 Ärger mit der Kupplung hatte. Er fuhr immer wieder nach Maranello, wo der Wagen dann für mehrere Stunden in der Werkstatt verschwand. Doch das Problem konnte nie zur Zufriedenheit von Lamborghini gelöst werden. Zu seinem Unmut fand er heraus, dass Ferrari seine Kupplung beim gleichen Hersteller bezog, wie er jene für seine Traktoren. Lamborghini maßte sich folglich nicht nur an, eine stärkere Kupplungsvariante in seinen Ferrari einzubauen, sondern diese auch noch in Maranello vorführen zu wollen. Aufbrausend und stolz wie Enzo Ferrari war, soll er seinem guten Kunden dann persönlich mitgeteilt haben, dass dieser vielleicht Traktoren bauen könne, aber Autofahren anscheinend nicht.

02 – Der Papst war Ferrari-Besitzer

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Fun-Fact: Paps Johannes Paul II war kurzzeitig Besitzer eines Ferrari Enzo. Nach einer anfänglichen Produktionsserie von 349 Fahrzeugen, die nur mittels Einladung an Ferraris beste Kunden gekauft werden konnten, beschloss das Unternehmen, die Serie auf 399 Fahrzeuge zu erhöhen. Alle Fahrzeuge waren auf Anhieb verkauft. Ferrari-Chef Luca di Montezemolo aber fand keinen Gefallen an der ungeraden Verkaufszahl. Er beschloss einen weiteren Wagen als Geschenk für Seine Heiligkeit zu bauen – inkl. Widmung: «Dieser Enzo, einzigartig in der Geschichte von Ferrari, soll als Zeichen der Solidarität für die Leidenden dienen, inspiriert von einem großen Papst, Johannes Paul II.» Im Januar 2005 bedankte sich der Papst für dieses großzügige Geschenk und schlug in seiner typischen Bescheidenheit vor, den Wagen zu versteigern und den Erlös den Opfern des Tsunamis zukommen zu lassen. So kehrte Ferrari mit einem Scheck von über 1,1 Millionen Dollar in den Vatikan zurück. Der Käufer verschiffte den Wagen nach Übersee, wo er im August 2015 (mit nur 179 km auf der Uhr) für über sechs Millionen Dollar erneut verkauft wurde.

01 – Enzo Ferraris letztes Vermächtnis

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Der F40 zählt zu den kultigsten Ferraris aller Zeiten. Er wurde anlässlich des 40-jährigen Firmenjubiläums entwickelt. 1987 galt er als eines der schnellsten, teuersten und stärksten Autos überhaupt. Der 2,9-Liter-Twin-Turbo-V8 erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 324 km/h und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,1 Sekunden. Die Produktionsmenge von 400 Fahrzeugen wurde zwischen 1987 und 1992 auf insgesamt 1315 erhöht. Viele Autojournalisten hielten ihn für das aerodynamischste Auto seiner Zeit. Übrigens gilt der F40 als letztes Vermächtnis von Enzo Ferrari. Der V8 war das letzte Auto, das von Il Commendatore persönlich genehmigt wurde.

(L'essentiel/Fabio Simeon/A&W Verlag)

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