Streit mit Vermieter – Der Unmut der Händler in Belval wächst

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Streit mit VermieterDer Unmut der Händler in Belval wächst

ESCH-BELVAL – Weniger Kunden als erhofft und steigende Nebenkosten: Jetzt haben die Händler im Einkaufszentrum Belvalplaza genug. Sie wollen vor Gericht ziehen.

Das Shoppingcenter zieht pro Tag rund 200 000 Kunden an - für manche Händler zu wenig.

Das Shoppingcenter zieht pro Tag rund 200 000 Kunden an - für manche Händler zu wenig.

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Rund 60 Händler, die im Einkaufszentrum Belvalplaza angesiedelt sind, wollen Klage einreichen. Sie sind unzufrieden mit den Umsätzen in der Shopping-Passage. «Die alltägliche Realität ist weit entfernt von den Versprechungen, die gemacht wurden, als wir hier eingezogen sind», erklärt David Mancini, Betreiber eines Textiliengeschäfts. «Abgesehen davon, dass wir ständige Bauarbeiten in Kauf nehmen müssen, ist die Frequentierung weit unter den Erwartungen geblieben und die Mietverträge sind nebulös. Wir wehren uns vor allem gegen den vom Inhaber vorgesehenen Anstieg der Nebenkosten.» Die Umsätze seien in den ersten Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um etwa die Hälfte zurückgegangen.

Patrick Relecom, der Belvalplaza betreibt, zeigt sich von dem juristischen Vorhaben der Händler überrascht: «Der Inhaber verhandelt derzeit mit verschiedenen Mietern, um die Miete an deren Einnahmen anzupassen.» Der Anstieg der Nebenkosten sei durch die «Komplexität des Gebäudes» gerechtfertigt. «Generell können wir nicht sagen, dass die neuen Tarife außerhalb der Normen in Luxemburg wären», erklärte er auf Anfrage von «L’essentiel Online». 200 000 Besucher kämen pro Monat ins Shoppingcenter. Damit sei das Ziel noch nicht erreicht. Dies liege unter anderem daran, dass die Universität noch nicht nach Belval umgezogen sei. «Die Ergebnisse, die die meisten Händler uns übermitteln, machen allerdings Mut», sagte er.

Es handelt sich nicht um das erste Mal, dass es bei den Händlern zu Unmut kommt. Der Buchhändler MPK und der Sportartikelanbieter Asport hatten ihre Geschäfte bereits 2009 bzw. 2010 aufgegeben. Bei den anderen Mietern war die Kritik verstummt, nachdem Bauherr Dev Immo die Mieten um die Hälfte gesenkt hatte.

Bei der Konvertierung des Belval-Geländes handelt es sich um eine Partnerschaft zwischen Privatwirtschaft und Staat. Letzterer will hier 1,5 Milliarden Euro investieren, unter anderem für die Ansiedlung der Uni sowie von Recherchezentren. Abgesehen von der Einkaufspassage, der Bank RBC und einem Hotel hat noch kein privater Investor zugesagt, sich in Belval anzusiedeln. Zudem sind die staatlichen Bauvorhaben in Verzug.

Nach Angabe des Fonds Belval und Agora, die mit der Konvertierung des ehemaligen Industriegebiets beauftragt sind, werden 2014 die neue Bibliothek und das nationale Zentrum für Industriekultur sowie zwei weitere Gebäude (Maison du savoir und Maison des sciences humaines) zugänglich sein. Bis dahin müssen sich die Händler wohl noch gedulden. In einigen Jahren sollen dann 6 000 Studenten und 2 000 Angestellte das Viertel bevölkern.

(Jmh/L'essentiel Online)

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