USA: Der verlogene Abgeordnete – die sechs größten Märchen des George Santos

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USADer verlogene Abgeordnete – die sechs größten Märchen des George Santos

Er hat in seinem Lebenslauf gelogen, auch seine Familiengeschichte ist nicht so, wie er sie darstellte – nach und nach werden die Lügen des US-Kongressabgeordneten George Santos aufgedeckt.

von
Karin Leuthold
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Wie lange wird George Santos noch so herzhaft lachen können? Der republikanische Kongressabgeordnete steht im Visier der Behörden, nachdem wegen seines erfundenen Lebenslaufs, verdächtiger Wahlkampffinanzierung und möglicherweise krimineller Aspekte seiner persönlichen Geschichte ermittelt wurde.

Wie lange wird George Santos noch so herzhaft lachen können? Der republikanische Kongressabgeordnete steht im Visier der Behörden, nachdem wegen seines erfundenen Lebenslaufs, verdächtiger Wahlkampffinanzierung und möglicherweise krimineller Aspekte seiner persönlichen Geschichte ermittelt wurde.

IMAGO/USA TODAY Network
Der 34-Jährige war im November 2022 bei den Kongresswahlen erstmals ins Repräsentantenhaus gewählt worden.

Der 34-Jährige war im November 2022 bei den Kongresswahlen erstmals ins Repräsentantenhaus gewählt worden.

IMAGO/ZUMA Press
Doch als die «New York Times» seinen Lebenslauf unter die Lupe nahm, stellte sich heraus, dass Santos einen Großteil des Dokuments gefälscht hatte, um seinen Sitz zu gewinnen. 

Doch als die «New York Times» seinen Lebenslauf unter die Lupe nahm, stellte sich heraus, dass Santos einen Großteil des Dokuments gefälscht hatte, um seinen Sitz zu gewinnen. 

IMAGO/ZUMA Press

Lügen, betrügen, tricksen – der New Yorker Abgeordnete George Santos sieht sich mit zahlreichen Rücktrittsforderungen konfrontiert. Nachdem der 34-Jährige letzten November bei den Kongresswahlen erstmals ins Repräsentantenhaus gewählt worden war, nahm die Zeitung «New York Times» den Lebenslauf des Republikaners unter die Lupe. Es stellte sich heraus, dass er einen Großteil seines Lebenslaufs gefälscht hatte, um seinen Sitz zu gewinnen. Aber das war noch nicht alles. Ein Überblick.

«Investor an der Wall Street»

So behauptete Santos etwa, ein «erfahrener Investor an der Wall Street» gewesen zu sein. Auf Anfrage der Zeitung teilten jedoch die angeblichen Arbeitgeber Citigroup und Goldman Sachs mit, Santos sei nie bei ihnen beschäftigt gewesen.

«Studium am Baruch College»

Auch seinen Uni-Abschluss konnte die Zeitung nicht verifizieren. In einem Radiointerview hatte Santos im Jahr 2020 behauptet, er habe das Baruch College mit einem Volleyball-Stipendium besucht und sei Teil eines Teams gewesen, das Harvard und Yale «erschlagen» habe. Er lobte dabei Baruch als eine «großartige Uni». Ende Dezember gab er schließlich gegenüber der «New York Post» zu, dass er «ganze Teile seines Lebenslaufs gefälscht» hatte – darunter seine Ausbildung.

«Jüdisch»

Santos log auch über seine Familiengeschichte und einen angeblichen jüdischen Hintergrund. Während des Wahlkampfes bezeichnete er sich selbst als «stolzer amerikanischer Jude». Anfang Januar räumte der Politiker jedoch ein, dass er seinen Glauben falsch dargestellt habe. Eher habe er gemeint, dass er sich «jüdisch fühle», nachdem er erfahren habe, dass seine Familie mütterlicherseits einen jüdischen Hintergrund habe.

Veteran betrogen

Anfang Woche wandte sich Rich Osthoff, ein Veteran der US-Marine aus New Jersey, an US-Medien und erzählte, dass George Santos ihm versprochen hatte, Geld für eine lebensrettende Operation für seine Hündin im Jahr 2016 zu sammeln. Osthoff war zu dieser Zeit obdachlos und lebte in einem Zelt, nachdem er seinen Job und sein Haus verloren hatte. 

Santos rief zu einer Spendenaktion für Osthoffs Pitbull auf Gofundme auf, es kamen 3000 Dollar zusammen. Als der Veteran Santos fragte, ob er nun seine Hündin zum Tierarzt bringen könne, machte sich der heutige Abgeordnete mit dem Geld aus dem Staub.

«Mutter war bei 9/11 dabei»

George Santos hat immer wieder behauptet, dass seine Mutter Fatima Devolder während der Anschläge vom 11. September 2001 in einem Büro im Südturm des World Trade Centers gearbeitet habe. Nun widersprechen offizielle Einwanderungsdokumente, die der «New York Times» vorliegen, dieser Behauptung.

In einem 2003 eingereichten Antrag auf ein Visum für die Einreise in die USA hatte Fatima Devolder angegeben, sie habe das Land im Juni 1999 in Richtung Brasilien verlassen und sei seitdem nicht zurückgekehrt.

Dragqueen in Brasilien

Vor 15 Jahren soll George Santos als Dragqueen an brasilianischen Schönheitswettbewerben teilgenommen haben, wie die Künstlerin Eula Rochard am Mittwoch bekannt gab. Sie habe sich mit dem heutigen Kongressabgeordneten angefreundet, als er sich 2005 bei der ersten Gay Pride Parade in Niteroi, einem Vorort von Rio de Janeiro, verkleidete. Drei Jahre später soll Santos an einem Drag-Contest in Rio teilgenommen haben, erzählte Rochard.

Am Donnerstag dementierte Santos – der erste bekennende schwule Republikaner – via Twitter, als Dragqueen aufgetreten zu sein. Die Geschichte zeige, dass Medien «besessen» von ihm seien und laufend «unerhörte Behauptungen über mein Leben aufstellen».

Inzwischen wird gegen George Santos auf bundesstaatlicher und internationaler Ebene wegen seines erfundenen Lebenslaufs, verdächtiger Wahlkampffinanzen und möglicherweise krimineller Aspekte seiner persönlichen Geschichte ermittelt. Trotzdem wurde der Kongressabgeordnete kürzlich in zwei Ausschüsse berufen. 

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