Fahrbericht Rivian R1T: Der vollelektrische R1T will die Pick-up-Szene aufmischen

Publiziert

Fahrbericht Rivian R1TDer vollelektrische R1T will die Pick-up-Szene aufmischen

Seit fast 80 Jahren dominieren riesige Pick-ups den US-Automarkt. Rivian läutet nun zur Revolution.

Das drei Tonnen schwere Topmodell absolviert den Spurt von 0 auf 100 km/h in 3,3 Sekunden. 

Das drei Tonnen schwere Topmodell absolviert den Spurt von 0 auf 100 km/h in 3,3 Sekunden. 

Rivian

In den USA ist er nun zu haben, bei uns wird er allenfalls via Direktimport erhältlich sein: Der vollelektrische Pick-up Rivian R1T, der aktuell zu Preisen ab 85.000 Dollar angeboten wird, soll den meistgekauften Automodellen in Amerika Konkurrenz machen. Denn seit fast 80 Jahren geben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten der Ford F-150, der Chevrolet Silverado und der Ram 1500 den Ton an. Geht es nach Rivian, soll sich das bald ändern.

Denn noch vor Tesla hat das kalifornische Start-up den ersten elektrischen Pritschenwagen in den Handel gebracht und damit den archaischsten Autotypus des Marktes fit gemacht für die Zukunft. Für einen Pick-up mag der Rivian teuer sein, denn die Preise für Ford F-150, Ram 1500 und Chevrolet Silverado starten schon um die 30.000 Dollar. Doch für ein E-Auto ist er ein Schnäppchen, schließlich hat der Rivian nicht nur größere Akkus als ein Porsche Taycan, sondern auch mehr Leistung und beschleunigt erst noch besser als die meisten Tiefflieger aus Stuttgart: Von 0 auf 100 km/h in kaum mehr als drei Sekunden, und das in einem Koloss von drei Tonnen, knapp zwei Meter über dem Boden – da fühlt sich der Kick-Down an wie ein Katapultstart auf einem Flugzeugträger.

Riesen-Akku zum Schnäppchenpreis

Der R1T hat nämlich vier Motoren, deren Leistung sich auf rund 835 PS summiert und deren kollektive Drehmomentkurve ihr Maximum jenseits von 1200 Nm erreicht. Der Akku ist weitgehend konkurrenzlos: Die ersten Exemplare werden mit einer 135 kWh-Batterie ausgeliefert und kommen in der offiziellen Norm auf eine Reichweite von 505 Kilometern. Später soll es eine Version mit 180 kWh und einem Aktionsradius von mehr als 600 Kilometern geben. Selbst das ab 2024 geplante Einstiegsmodell ab 67.500 Dollar kann noch imponieren: Mit dann nur noch jeweils einem Motor pro Achse leistet es noch immer über 600 PS, und mit 105 kWh bietet auch der kleinste Akku so viel Energie wie das Top-Modell des Mercedes EQS.

Zwar genügt ein Kick-Down, um das Weltbild jedes Porsche-Fahrers ins Wanken zu bringen, doch ist das nicht das Wesen des R1T. Wie jeder Pick-up ist auch der Rivian von der gelassenen Sorte, man thront über den Dingen und schwimmt gelassen durch den Verkehr und erlebt dabei einen Komfort, wie es ihn in klassischen Pick-ups selten gegeben hat. Die leise und mühelose Beschleunigung und die Luftfederung machen ihn zur Limousine unter den Lastenträgern. Deshalb positioniert ihn Rivian auch nicht als «Workhorse», sondern als Spielzeug für die klimabesorgte Freizeitgesellschaft.

1 / 5
Der R1T ist zwar ein echter Geländegänger, doch positioniert wird er als Spielzeug für die klimabesorgte Freizeitgesellschaft.

Der R1T ist zwar ein echter Geländegänger, doch positioniert wird er als Spielzeug für die klimabesorgte Freizeitgesellschaft.

Rivian
Die Kabine will mit großen, kahlen Flächen und noch größeren Bildschirmen eher Cockpit als Maschinenraum sein.

Die Kabine will mit großen, kahlen Flächen und noch größeren Bildschirmen eher Cockpit als Maschinenraum sein.

Rivian
Die ausziehbare Camping-Küche ist im praktischen «Gear Tunnel», jenem durchgehenden Staufach zwischen Kabine und Pritsche, untergebracht.

Die ausziehbare Camping-Küche ist im praktischen «Gear Tunnel», jenem durchgehenden Staufach zwischen Kabine und Pritsche, untergebracht.

Rivian

Entsprechend gibt es für den R1T allerlei Outdoor-Zubehör: Von der ausziehbaren Camping-Küche im praktischen «Gear Tunnel» – jenem durchgehenden Staufach zwischen Kabine und Pritsche, das erst möglich wird, weil der Rivian eben keinen Tank mehr hat und keine Kardanwelle – über das Hauszelt auf der Pritsche bis hin zum Kleiderschrank im «Frunk» unter der Fronthaube, der schon allein größer ist als der Kofferraum der meisten Kleinwagen.

Zwar wissen sie auch bei Rivian, dass es bis zur Elektrifizierung der Farmer und Förster im dünn besiedelten mittleren Westen noch weit ist und nehmen das Land deshalb erst einmal von den Küsten aus in die Zange. Doch dass der R1T keine Angst vor der Pampa hat und die Infrastruktur dort weiter ist als gedacht, haben sie im letzten Jahr mit einer spektakulären Rekordfahrt bewiesen: Als erstes Elektroauto überhaupt hat der Rivian den Trans America Trail bewältigt und damit den gesamten Kontinent durchquert, ohne irgendwo eine Straße zu benutzen.

(L´essentiel/Benjamin Bessinger)

Deine Meinung

1 Kommentar