Tödlicher Krebs – Deshalb hielt Jobs so lange durch

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Tödlicher KrebsDeshalb hielt Jobs so lange durch

Für die meisten Bauchspeicheldrüsen-Krebspatienten bedeutet die Diagnose den sicheren Tod nach zwei Jahren. Jobs überlebte sieben Jahre - das hatte er nicht nur einer neuen Leber zu verdanken.

Er kämpfte, wollte sich sein Leiden nicht anmerken lassen. Apple Mitgründer Steve Jobs litt an der zehnthäufigsten Krebsart, die zugleich eine der tödlichsten ist: dem Bauchspeicheldrüsen-Krebs, auch Pankreas-Karzinom genannt.

«Rund 70 Prozent aller Patienten sterben innerhalb der nächsten zwei Jahre nach Diagnose-Stellung, auch wenn man erfolgreich operiert und eine Chemotherapie anwendet», erklärt Peter Bauerfeind, Professor und Leitender Arzt für Gastroenterologie am Unispital Zürich. Dem Mediziner zufolge zeigen große Studien ein ernüchterndes Bild: Fünf Jahre nach Diagnose-Stellung sterben mehr als 95 Prozent der Patienten, unabhängig davon, ob operiert wurde oder nicht.

Dass Steve Jobs sieben Jahre mit der Diagnose lebte, hat er nicht etwa einem Wunder zu verdanken: Er war von einer besonders seltenen Form, einem neuroendokrinen Tumor der Bauchspeicheldrüse betroffen. Dieser Krebs ist in der Regel weniger aggressiv als sogenannte exokrine Karzinome. Menschen, die unter dieser Tumor-Art leiden, können nach der Diagnose-Stellung bis zu 20 Jahre überleben.

Hoffnungsschimmer Organtransplantation

So mancher mag sich jetzt zu Recht fragen: Macht es da nicht Sinn, die erkrankte Bauchspeicheldrüse zu entfernen? Schließlich kann ein Mensch auch ohne das Organ leben, das in unserem Körper für die Insulinproduktion zuständig ist. «Das ist richtig», meint Bauerfeind, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass bei einer Krebsoperation dieser Art meistens nicht die ganze Bauchspeicheldrüse entfernt wird. Um die Insulin-Zufuhr weiterhin sicherzustellen, genüge es, wenn zehn Prozent des Organs im Körper belassen werden. Nur wenn die Bauchspeicheldrüse vollständig entfernt werde, müsse sich der Patient zukünftig Insulin spritzen.

Häufig befällt der Bauchspeicheldrüsen-Krebs benachbarte Organe, insbesondere die Leber. Entsprechend greifen die behandelnden Ärzte zu speziellen Therapien, die die Krebszellen in der Leber attackieren: Sie werden operativ entfernt oder mit Hitze vernichtet. In einigen Fällen versuchen es Mediziner mit einer Organtransplantation. Im Jahr 2009 unterzog sich auch Steve Jobs diesem Eingriff: Dabei wurde seine Leber durch ein Spenderorgan ersetzt. Bei der Tumorart, unter der Jobs litt, ist dieser Eingriff allerdings eher untypisch, wie der New Yorker Onkologe Graig Devoe bemerkt. An eine Transplantation sei laut Devoe nur dann zu denken, wenn andere Behandlungsoptionen keinen Sinn mehr machen oder die Leber von Metastasen befallen ist.

Hilfe aus dem Giftschrank

Leider bleibt der langfristige Erfolg einer Lebertransplantation für die meisten von Bauchspeicheldrüsen-Krebs Betroffenen, darunter auch Steve Jobs, aus: «Schätzungsweise bei neun von zehn Patienten kommt der Krebs zurück. Denkbar ist aber auch, dass Jobs die starken beziehungsweise extrem toxisch wirkenden Medikamente, die er nehmen musste, nicht vertragen hat», spekuliert Jack Jacoub vom MermorialCare Cancer Insititute in Fountain Valley, USA. Erschwerend kommt ihm zufolge hinzu, dass Transplantationspatienten immunmodulierende Medikamente einnehmen müssen, sogenannte Immunsuppressiva. Sie sollen verhindern, dass das neue Organ vom Körper des Rezipienten abgestoßen wird. Auch eine «leichte» Chemotherapie gehört meistens zur Standardtherapie eines Pankreas-Karzinom-Patienten.

«Starker Gewichtsverlust … ein schlechtes Zeichen»

Im August trat Jobs zurück. Sein Erscheinungsbild ließ bereits Monate zuvor nichts Gutes vermuten: Der Amerikaner war besorgniserregend abgemagert. «Starker Gewichtsverlust in einem fortgeschrittenen Krebsstadium ist grundsätzlich ein schlechtes Zeichen», kommentierte Jack Jacoub im Chicago Tribune den letzten öffentlichen Auftritt des großen Apple-Visionärs.

L'essentiel Online/Runa Reinecke

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