Pure Not – Deshalb lässt der König die Frauen jetzt fahren

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Pure NotDeshalb lässt der König die Frauen jetzt fahren

Als letztes Land der Welt erlaubt Saudi-Arabien Frauen das Autofahren. König Salman hat ein entsprechendes Dekret erlassen. Der Zeitpunkt kommt nicht von ungefähr.

Über 25 Jahre lang hatten Frauen gegen das Fahrverbot im Land gekämpft, jetzt überraschte König Salman sein Volk und die ganze Welt mit der Aufhebung des Verbotes. Der 81-jährige Herrscher tat das aber nicht einfach aus einer Laune heraus, sondern aus wirtschaftlicher Not.

Und er ließ sich offensichtlich von seinem Sohn beeinflussen. Der 32-jährige Mohammed Bin Salman will den Wüstenstaat mit einem radikalen Reformprogramm retten und zum arabischen Powerhouse umbauen.

In 20 Jahren droht die Staatspleite

Der Prinz ist der wahre starke Mann im Lande und er ist sich bewusst: Ohne tiefgreifende Veränderungen ist der Staat, dessen Bewohner diesen Frühling zum ersten Mal überhaupt Steuern zahlen mussten, in 20 Jahren bankrott.

Zwei der Hauptgründe für die drohende Staatspleite sind sinkende Ölpreise und steigende Ausgaben. Im vergangenen Jahr klaffte im saudischen Haushalt ein Minus von fast 100 Milliarden Dollar, auch das war ziemlich neu für das Land. Und während die Einnahmen schrumpfen, wächst die Bevölkerung – wobei zwei Drittel der Saudis unter 30 Jahre alt sind.

Unabhängigkeit vom Öl angestrebt

Deswegen will Prinz Mohammed im Rahmen des Projekts «Vision 2030» Wirtschaft und Gesellschaft umfassend modernisieren. Dass er dabei die Erhaltung der absolutistischen Monarchie im Auge hat, versteht sich von selbst. In 20 Jahren will der Wüstensohn vom Öl unabhängig sein.

So fällt auch die Aufhebung des Fahrverbots unter den Aspekt der Wirtschaftlichkeit: Da Frauen bislang nicht ans Steuer durften, mussten sie von Männern ihrer Familie zur Arbeit gefahren werden oder in einen privaten Fahrer investieren, was sich immer weniger Frauen leisten können. Selbst fahren zu können, eröffnet Frauen viele neue Arbeitsmöglichkeiten.

Zum ersten Mal Zutritt zum Sportstadion

Das Ende des Fahrverbots fällt in eine Reihe weiterer gesellschaftlicher Lockerungen. Erst am vergangenen Wochenende begingen Männer wie Frauen den Nationalfeiertag erstmals gemeinsam tanzend auf der Straße.

Frauen wurde dabei zudem zum ersten Mal Zutritt zu einem Sportstadion gewährt, wo sie in Begleitung ihrer Familien die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag verfolgen konnten. Im Juli erlaubte das Bildungsministerium die Teilnahme von Mädchen am Sportunterricht staatlicher Schulen.

Im Ausland wird das Ende des Fahrverbots für Frauen durchwegs begrüßt. Einige Experten sprechen aber auch von einem PR-Coup. Sie werfen Riad vor, mit den revolutionären Ausweitungen von Frauenrechten nur vom scharfen Vorgehen der Regierung gegen Kritiker ablenken zu wollen. Im September waren mehr als 20 Menschen festgenommen worden, unter ihnen einflussreiche Kleriker und Aktivisten.

(L'essentiel/gux)

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