5586 Milliarden – Deutsche reich wie nie – jedenfalls im Durchschnitt
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5586 MilliardenDeutsche reich wie nie – jedenfalls im Durchschnitt

Nie hatten Deutsche mehr Geld als derzeit: Das Vermögen der privaten Haushalte stieg auf den Höchstwert von 5586 Milliarden Euro. Aber der Reichtum ist sehr ungleich verteilt.

Der eine reist mit dem Privatjet, der andere eher nicht: Wie ungleich der Reichtum in Deutschland verteilt ist, zeigt sich aber nicht immer so offensichtlich.

Der eine reist mit dem Privatjet, der andere eher nicht: Wie ungleich der Reichtum in Deutschland verteilt ist, zeigt sich aber nicht immer so offensichtlich.

DPA/Bernd Settnik

Das Geldvermögen der Menschen in Deutschland ist Ende vergangenen Jahres auf ein Rekordniveau gestiegen. Das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen an Versicherungen legte gegenüber dem dritten Quartal deutlich um 98 Milliarden Euro beziehungsweise 1,8 Prozent auf den Höchstwert von 5586 Milliarden Euro zu, wie die Deutsche Bundesbank am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

Das Plus erklärte die Notenbank vor allem mit gestiegenen Börsenkursen. Allein gut 53 Milliarden Euro resultierten danach aus Bewertungsgewinnen insbesondere bei Aktien und Anteilen an Investmentfonds.

Aber: Der seit Jahren anhaltende wirtschaftliche Aufschwung kommt nach Einschätzung der sozialdemokratischen Sozialministerin Andrea Nahles den Reichen zugute, während die Armen mehr oder weniger leer ausgehen.

«Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre», sagte Nahles am Mittwoch in Berlin. Zuvor hatte das Kabinett nach einigem Hin und Her den von ihr erstellten Fünften Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung verabschiedet.

Reichstes Zehntel besitzt mehr als die Hälfte

Der Bericht, den die deutsche Regierung alle vier Jahre erstellt, enthüllt zudem große Unterschiede beim Vermögen der Deutschen. «Die reichsten zehn Prozent der Haushalte besitzen mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens. Die untere Hälfte nur ein Prozent», erläuterte die Ministerin.

Nahles legte in ihrem Bericht erstmals ein besonderes Augenmerk auf den Reichtum in Deutschland. Zuvor sei dieser in Statistiken unzureichend erfasst gewesen. Unter anderem diese Entscheidung hatte für Widerstand beim christdemokratischen Koalitionspartner gesorgt.

Gesicht der Armut ein Kindergesicht

Besonders prekär sei die Situation der Kinder. «Das Gesicht der Armut in Deutschland ist ein Kindergesicht», sagte Nahles. Fast zwei Millionen Kinder in Deutschland seien armutsgefährdet. Die Gründe dafür lägen insbesondere in eingeschränkter Erwerbstätigkeit der Eltern, heißt es in dem Bericht.

Der Bericht belegt indessen eine insgesamt positive Entwicklung der sozialen Lage in Deutschland. Anhaltendes Wirtschaftswachstum habe zur niedrigsten Arbeitslosigkeit seit der deutschen Wiedervereinigung beigetragen. Seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts hat sich die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um etwa sechs Millionen Menschen erhöht.

Die Schere bei den Einkommen habe sich zudem seit Einführung des gesetzlichen Mindestlohns 2015 wieder ein Stück geschlossen, sagte Nahles. Einen ähnlichen Effekt erhofft sie sich auch von der Eindämmung von Leiharbeit und Werkverträgen.

(L’essentiel/dpa/fgg)

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