Stagnation im Frühjahr: Deutsche Wirtschaft wächst nicht mehr

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Stagnation im FrühjahrDeutsche Wirtschaft wächst nicht mehr

Energiepreissprünge heizen die Inflation an, Lieferengpässe belasten die Industrie. Der Ukraine-Krieg verschärft bestehende Probleme Deutschlands. Europas größte Volkswirtschaft gerät unter Druck.

ARCHIV - 16.06.2022, Niedersachsen, Oldenburg: Ein Verkäufer greift an einem Obst- und Gemüsestand auf dem Wochenmarkt in eine Kiste mit Erbsen. Die schnell steigenden Preise in fast allen Lebensbereichen machen den Menschen in Deutschland zurzeit größere Sorgen als alles andere. (zu dpa "Umfrage: Inflation bleibt größte Sorge - weit vor Corona") Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Containerschiffe liegen im Waltershofer Hafen am Container Terminal Burchardkai (CTB) der HHLA (Hamburger Hafen und Logistik AG). Lieferengpässe und die Folgen des Ukraine-Krieges bremsen Ökonomen zufolge die deutsche Wirtschaft.

Hauke-Christian Dittrich/dpa

Lieferengpässe und die Folgen des Ukraine-Krieges haben die deutsche Wirtschaft im Frühjahr ausgebremst. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Vierteljahr 2022, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Zu Jahresbeginn war Europas größte Volkswirtschaft nach den jüngsten Daten noch um 0,8 Prozent gewachsen.

Ukraine-Krieg hat schon vorhandene Probleme verschärft

Die schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit der Corona-Pandemie, gestörten Lieferketten, steigenden Preisen und dem Krieg in der Ukraine schlügen sich deutlich in der Konjunktur nieder, erklärte die Wiesbadener Behörde. Gestützt wurde die Konjunktur demnach vor allem von den privaten und staatlichen Konsumausgaben, während der Außenbeitrag das Wirtschaftswachstum dämpfte.

Der Ukraine-Krieg verschärft Probleme, die der deutschen Wirtschaft schon zuvor zu schaffen machten. Steigende Energiepreise und anhaltende Lieferengpässe belasten die Industrie. Zugleich bremst die höchste Inflation seit Jahrzehnten den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur ist.

Konsumverhalten in Deutschland spürbar verändert

Nach Angaben der GfK-Konsumforscher hat sich das Ausgabeverhalten der Menschen in Deutschland mittlerweile spürbar verändert. Bei Gütern des täglichen Bedarfs wie Lebensmitteln oder Körperpflegeprodukten schnallen Verbraucherinnen und Verbraucher demnach den Gürtel enger. Die Konsumlaune sank zuletzt auf ein Allzeittief. «Zu den Sorgen um unterbrochene Lieferketten, den Ukraine-Krieg und stark steigende Energie- und Lebensmittelpreise, kommen nun Befürchtungen um eine ausreichende Gasversorgung von Wirtschaft und privaten Haushalten im nächsten Winter», erläuterte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Zugleich hat sich die Stimmung in den Unternehmen deutlich verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima, für das etwa 9000 Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate beurteilen, sank im Juli auf den niedrigsten Stand seit gut zwei Jahren. «Deutschland steht an der Schwelle zur Rezession», sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. «Hohe Energiepreise und drohende Gasknappheit belasten die Konjunktur.»

«Käme es zu einem kompletten Stopp der Gaslieferungen, wäre eine tiefe Rezession unvermeidlich»

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer geht davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft bereits in einem Abschwung befinden dürfte. Wie schlimm es am Ende komme, liege vor allem in den Händen von Russlands Präsident Wladimir Putin. «Käme es zu einem kompletten Stopp der Gaslieferungen, wäre eine tiefe Rezession unvermeidlich.» Das bedeutet, dass die deutsche Wirtschaft nicht mehr wachsen, sondern schrumpfen würde.

Nach Einschätzung der EU-Kommission wird Europas größte Volkswirtschaft dieses Jahr voraussichtlich nur um 1,4 Prozent zulegen. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einem Wirtschaftswachstum

(DPA)

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