Staatsschutz ermittelt – Deutscher Nazi geht mit «Arschloch-Geweih» baden

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Staatsschutz ermitteltDeutscher Nazi geht mit «Arschloch-Geweih» baden

Sie benutzen in Diskussionen des Öfteren den Ausdruck «Jedem das Seine»? Diese Geschichte lässt Sie vielleicht umdenken.

Es ist wohl eines der geschmacklosesten Tattoos, das jemals gestochen wurde. Es zeigt ein Konzentrationslager (KZ) und den Schriftzug «Jedem das Seine». Der stolze Besitzer, ein junger ostdeutscher Mann, hat deshalb nun jede Menge Ärger am Hals. Denn statt damit nur bei seinen Nazi-Freunden anzugeben, zeigte er sich am vergangenen Samstag öffentlich in einem Spaßbad im ostdeutschen Oranienburg.

Ein Badegast, dem das Tattoo aufgefallen war, informierte einen Bademeister. «Ich dachte nur: Das ist ein Skandal. Ich habe sofort einen Bademeister informiert. Doch der zeigte sich sehr gleichgültig», erzählt der Mann der B.Z.: «Aber am schlimmsten fand ich, dass kein anderer Badegast Anstoß an dem antisemitischen Tattoo genommen hatte.» Erst ein zweiter Bademeister habe reagiert und den Mann, der mit seinem Sohn schwimmen war, des Bades verwiesen.

«McDonalds Fettringe»

Ein Foto der geschmacklosen Tätowierung macht seither die Runde und empört die Internetgemeinde. In Kommentaren heißt es etwa «Arschloch-Geweih» und «wenn er wenigstens den gestählten Körper des gemeinen Vorzeigeariers hätte... stattdessen McDonalds Fettringe.»

Gleichzeitig sorgt für jede Menge Spott, dass das dumme Tattoo auch noch falsch gestochen wurde. So sind die Umrisse des KZ Auschwitz zu sehen, der Schriftzug «Jedem das Seine» stand hingegen am Haupttor des KZ Buchenwald. Perfiderweise war er, anders als in anderen Konzentrationslagern (in Auschwitz etwa «Arbeit macht frei»), von innen lesbar und richtete sich somit direkt an die Lagerinsassen. Sinngemäß: Ihr habt den Tod verdient. Allein in den beiden KZ, die das Tattoo zeigt, wurden mindestens eine Millionen Menschen ermordet.

Durch die erhöhte Aufmerksamkeit im Internet und den Medien hat mittlerweile auch der Staatsschutz von der Geschichte Wind bekommen. Ein Polizeisprecher bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass ein Verfahren wegen Volksverhetzung aufgenommen wurde. Auch die Staatsanwaltschaft sei informiert.

(Philip Weber/L'essentiel)

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