Arbeitskampf – Deutscher Poststreik lässt Luxemburg kalt

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ArbeitskampfDeutscher Poststreik lässt Luxemburg kalt

Die Streiks bei der Deutschen Post weiten sich aus: Immer mehr Zusteller lassen ihre Arbeit ruhen. Noch halten sich die Folgen für die Kunden in Grenzen.

Die Post-Beschäftigte streiken unbefristet für bessere Arbeitsbedingungen.

Die Post-Beschäftigte streiken unbefristet für bessere Arbeitsbedingungen.

DPA/Nico Pointer

Der Arbeitskampf bei der Deutschen Post wird härter - und Postkunden könnten die Auswirkungen der Streiks bald mit voller Wucht zu spüren bekommen. Bis jetzt funktioniert die internationale Logistik jedoch noch. «Wir haben Maßnahmen im Programm, um die Auswirkungen auf eingehende und ausgehende Briefe und Pakete in andere Länder in Grenzen zu halten», sagt Anne Motz von der Deutschen Post. Das Unternehmen könne jedoch nicht garantieren, dass es überhaupt keine Verzögerungen gebe. «Das kommt auf jeden Tag an, an dem weiter gestreikt wird», sagt Motz. Momentan würde am internationalen Paketzentrum in Frankfurt sowie das Briefzentrum in Berlin noch gearbeitet. «Das kann sich aber jederzeit ändern», erklärt Motz.

Am Mittwoch schickte die Gewerkschaft Verdi erstmals mehrere Tausend Briefträger und Paketboten in den Ausstand. Inzwischen befänden sich 14 500 Beschäftigte des Bonner Konzerns - darunter 6500 Zusteller - im Dauerstreik, teilte Verdi mit. Die Post nannte jedoch nur eine Zahl von 11 000 Mitarbeitern. Die Auswirkungen für die Kunden hätten erneut in Grenzen gehalten werden können. Bestreikt werden derzeit bundesweit 83 Briefverteilzentren. Darüber hinaus rief Verdi vor allem Beschäftigte in der Paket- sowie in der sogenannten Verbundzustellung zu Arbeitsniederlegungen auf.

Hohe Erwartungen an den Vorstand

In der Verbundzustellung werden Briefe und Pakete gleichzeitig durch den Postboten ausgeliefert. Die Beschäftigten «erwarten vom Vorstand, dass er willens und in der Lage ist, den Konflikt zu befrieden», erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende und Verhandlungsführerin Andrea Kocsis. In dem Tarifstreit geht es vor allem um 49 regionale Paketgesellschaften, die die Post ausgegründet hatte und die Verdi in den Haustarifvertrag zurückholen will. Dieser sieht höhere Bezüge vor. Mit der wachsenden Zahl streikender Postmitarbeiter droht die Quote der pünktlichen Zustellungen zu schrumpfen. «Zum jetzigen Zeitpunkt können wir die Auswirkungen für unsere Kunden aufgrund unserer Ausgleichsmaßnahmen gering halten», erklärte das Unternehmen.

Details wollte die Post nicht nennen. Eine Sprecherin verwies lediglich auf Beschäftigte in der Verwaltung und auf externe Dienstleister, die eingesetzt würden. «Auch unsere 38 000 Beamten arbeiten nach wie vor», sagte sie, ohne einen Hinweis auf deren möglichen Einsatz auf bestreikten Arbeitsplätzen zu geben. Erst vor wenigen Wochen war Verdi vor Gericht mit dem Versuch gescheitert, der Post genau das verbieten zu lassen. Solange Beamte nicht dazu gezwungen würden, gebe es an dem Vorgehen des Konzerns nichts zu beanstanden, hatte das Bonner Arbeitsgericht geurteilt. Anfang der Woche hatte Verdi unbefristete Streiks bei der Post gestartet, um dem Arbeitgeber in dem festgefahrenen Tarifstreit weitere Zugeständnissen abzuringen. Zuvor war in sechs Verhandlungsrunden keine Annäherung erzielt worden.

(sen/L'essentiel/dpa)

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