Armenien-Resolution – Deutschland fürchtet die Rache der Türkei

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Armenien-ResolutionDeutschland fürchtet die Rache der Türkei

Die Armenien-Resolution des Bundestags erzürnt die Gemüter am Bosporus. Deutschland sieht nun die Militärkooperationen der beiden Länder gefährdet.

Die Beziehung zwischen Deutschland und der Türkei ist angespannter denn je. Besonders die Militärkooperation im Kampf gegen den Islamischen Staat sieht Deutschland nach der Armenien-Resolution gefährdet.

Wie «Spiegel Online» berichtet, fliegen seit einiger Zeit deutsche Aufklärungs-Tornados ab der Luftwaffenbasis Incirlik im Süden der Türkei, um Luftbilder von Syrien und dem Irak zu schießen. Künftig, so fürchtet das Verteidigungsministerium, sei mit Behinderung oder schlimmstenfalls Torpedierung der Projekte zu rechnen.

Laut Bericht stünde auch die Nato-Operation gegen die Geschäfte der Flüchtlingsschlepperbanden in der Ägäis auf der Kippe. Da Deutschland die Operation anführe, dürften die Verhandlungen mit der Türkei über eine Ausweitung des Einsatzgebietes nun noch schwieriger sein als vorhin.

Für die Allianz steht fest, dass ohne Ankara die Ägäis-Mission zum Scheitern verurteilt ist. Das wäre ein schwerer Schlag besonders für Deutschland und die USA, welche den Kampf gegen die Schlepperbanden als symbolischen Erfolg beim Nato-Gipfel im Juli feiern wollen.

Türkische Medien zeigen Merkel mit Hitlerschnauz

Die Resolution zum Armenier-Genozid hat in den türkischen Medien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Laut «FocusOnline» hat etwa die AKP-feindliche Zeitung «Sözcü» ein Bild der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Hitlerschnauz und Nazi-Uniform gezeigt und den deutschen Titel «Schämen Sie sich!» gesetzt.

Deutschland hat Angst um Militärkooperation mit TürkeiAuch der türkische Justizminister Bekir Bozdag habe Deutschland das Recht auf die Völkermordresolution abgesprochen. «Erst verbrennst du die Juden im Ofen, dann stehst du auf und klagst das türkische Volk mit Genozidverleumdungen an», sagte Bozdag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Türkei leugnet Völkermord

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach der Resolutions-Verkündung gesagt, die Entscheidung werde ernste Auswirkungen auf die türkisch-deutschen Beziehungen haben. Mit nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung hat der Deutsche Bundestag die Tötung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern während des Ersten Weltkrieges im damaligen Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet.

Diese Einschätzung wird von vielen Historikern geteilt. Die Türkei hält die Zahlen dagegen für übertrieben und betont, die Toten seien Opfer von Aufruhr und Bürgerkrieg gewesen. Sie leugnet den Völkermord kategorisch und droht und interveniert heftig, wenn ausländische Politiker öffentlich von einem Verbrechen am armenischen Volk sprechen.

(L'essentiel/kat)

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