Müller, Klose, Özil – Deutschlands magisches Dreieck

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Müller, Klose, ÖzilDeutschlands magisches Dreieck

Nach der Gala-Vorstellung gegen die Niederlande träumt Deutschland vom EM-Titel. Nicht zu Unrecht: Die DFB-Elf hat Einzelkönner, die ein Spiel entscheiden können.

«Oh, wie ist das schön», hallte es durch das Hamburger Imtech-Stadion. Mit mitreißendem Tempofußball, spielerischer Brillanz und erstaunlicher Effizienz hatte Deutschland den ungeliebten Nachbarn aus Niederlande soeben mit 3:0 gedemütigt. Während die Fans auf den Rängen jubelten und Wesley Sneijder seinen Ärger im Spielertunnel am Türrahmen ausließ, versuchten Jogi Löw und seine Spieler, die Euphorie etwas zu dämpfen. Ganz gelingen wollte ihnen dies allerdings nicht.

«Nah an der Perfektion», meinte Sami Khedira zum Auftritt der DFB-Elf. «Aber wir reden noch nicht vom EM-Titel», versuchte Miroslav Klose, der in seinem 113. Länderspiel das 63. Tor erzielte und nur noch fünf Treffer hinter Rekordtorschütze Gerd Müller liegt, zu intervenieren. Thomas Müller sagte nach dem ersten Heimsieg gegen den Erzrivalen seit 25 Jahren sichtlich stolz: «Das fühlt sich richtig gut an. Man weiß eigentlich nicht, welcher Treffer am schönsten war. Alle drei Tore kann man ins Lehrbuch eintragen.»

Özil: «Die hatten keine Chance»

Wie wahr: Die drei deutschen Treffer waren vom neuen «magischen Dreieck», wie Özil, Müller und Klose nach der Gala-Vorstellung in Anlehnung an Stuttgarts Trio Balakov, Elber und Bobic genannt wurden, herrlich herausgespielt worden. Zunächst legte Klose beim 1:0 nach einer weiten Flanke direkt für Müller auf, der ebenfalls direkt und eiskalt einnetzte. Zehn Minuten später schickte Müller Özil auf den Flügel. Dessen Flanke fand in der Mitte Klose, der in bekannter Manier per Kopf aus 11 Metern zum 2:0 traf. In der zweiten Halbzeit schob der überragende Özil schließlich nach wunderschönem Direktspiel mit Müller und Klose zum 3:0 ein.

Wie einfach die Deutschen den Vize-Weltmeister von 2010 austanzen konnten, war schon etwas überraschend. Nicht Oranje zeigte «Voetbal totaal», sondern das Team von Jogi Löw. «Die hatten überhaupt keine Chance», frohlockte Mesut Özil nach der Partie sichtlich zufrieden und mit einem Lächeln auf den Lippen. Auch der Bundestrainer war angetan von der Leistung seines Teams. «Wir können zufrieden sein. Ich denke, dass wir Spielfreude und Leichtigkeit gezeigt haben, das hat die Niederländer auch ein bisschen überfordert», so Löw.

Unglaubliche Breite im Kader

Deutschland überzeugte auf der ganzen Linie. Nicht nur Tempodribbler Müller, der überragende Özil und der emsige und torgefährliche Klose zeigten eine Klasseleistung. Hinter dem magischen Dreieck waren Khedira und Kroos in Abwesenheit von Schweinsteiger für den Spielaufbau zuständig. Die Abwehr um Mertesacker und Badstuber stand bis auf einige Probleme zu Beginn der Partie bombensicher und im Tor hielt Neuer, was auf ihn zukam.

Doch damit nicht genug. Jogi Löw hat auf fast allen Positionen eine fast gleichwertige Alternative. Im Sturm stellt sich die Frage Mario Gomez oder Klose, für Özil könnte Dortmunds Supertalent Mario Götze einspringen. Neben Schweinsteiger fehlte gegen die Niederlande auch noch Captain Philipp Lahm. In der Innenverteidigung ist Mats Hummels eine Alternative für den eher schwerfälligen Mertesacker. Der Kader der Deutschen ist im Moment so gut besetzt wie schon lange nicht mehr. Auf der europäischen Bühne kann da im Moment nur Spanien mithalten.

Van Marvijk macht DFB-Elf zum EM-Favoriten

Hollands Trainer Bert van Marwijk, dem Robben, van der Vaart und van Persie schmerzlich fehlten, erklärte Deutschland nach der Partie unvermittelt zum EM-Favoriten. «Die Deutschen haben zurzeit viel mehr Potenzial als wir», sagte der Bondscoach. Dass sie ihre Qualitäten darin hätten, schnell von der Abwehr in den Angriff umzuschalten, das habe man ja immer schon gewusst.

«Aber jetzt können sie auch noch Fußball spielen. Mit Mesut Özil haben sie einen der besten Fußballer der Welt. Neben Spanien ist Deutschland sicherlich der Topfavorit auf den EM-Titel.» Das hört man in Deutschland natürlich gern. Die einzige Sorge bei unserem Nachbarn ist nun, dass es noch sieben Monate bis zum Turnier in Polen und der Ukraine dauert.

L'essentiel Online/pre

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