Ausländischer Investor – Dexia BIL wird verkauft

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Ausländischer InvestorDexia BIL wird verkauft

LUXEMBURG - Die Luxemburger Tochter der strauchelnden Bankengruppe wird von einem internationalen Investor übernommen. Der Staat bleibt ebenfalls Minderheitsaktionär.

Bei der Dexia BIL sind 3 640 Mitarbeiter beschäftigt.

Bei der Dexia BIL sind 3 640 Mitarbeiter beschäftigt.

L'essentiel/sb

Bis zum Monatsende wird die Dexia BIL von einem internationalen Investor übernommen. Das bestätigte Finanzminister Luc Frieden am Donnerstagmorgen gegenüber der Presse. Die Luxemburger Tochter der franzöisch-belgischen Bankengruppe wird demnach als eigenständige Einheit aus der Dexia-Gruppe herausgelöst.

Der Staat steigt als Minderheitsaktionär ein. Dies begründet die regierung in einem Schreiben mit der «systemrelevanten Stellung» der Dexia BIL auf auf dem Finanzplatz.

Verhandlungen «weit vorangeschritten»

Die Verhandlungen seien bereits «weit vorangeschritten», teilte Luc Frieden mit. Die Übernahme soll bis zum Monatsende abgeschlossen sein, wenn «die Exklusiv-Verhandlungen mit dem Investor abgeschlossen» sind, wie die Dexia in einem Schreiben mitteilte.

Über die Folgen der Übernahme für die 3 640 Beschäftigten der Dexia BIL ist derzeit nichts bekannt. Ob der verkauf auch die beiden luxemburgischen Dexia-Filialen RBC Dexia und Dexia Asset Management betrifft, muss Pierre Mariani, CEO der Dexia-Gruppe, bekannt geben.

Nach belgischen Medienberichten sind die niederländische Bankengruppe ING sowie eine regionale Tochter der französischen Bank Crédit Mutuel (CIC), die ebenfalls Anteile an der Banque de Luxembourg hat, an einer Übernahme der luxemburgischen Dexia-Tochter interessiert. Zuvor wurde auch der Name der Versicherungsgruppe Foyer genannt. Unbestätigte Gerüchte sprechen von einem Investor aus dem Mittleren Osten.

Eine Milliarde Euro abgehoben

Über das Schicksal der gesamten Bankengruppe soll der Verwaltungsrat am Samstag in Paris entscheiden. Dann geht es darum, wie die belgisch-französische Bankengruppe aufgespalten wird. Ramschpapiere der Bank sollen in eine «Bad Bank» ausgegliedert werden, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Aus Furcht vor einem Zusammenbruch der Bank haben Privatanleger nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga im September bereits eine Milliarde Euro abgehoben. Zunächst war von 300 Millionen Euro die Rede gewesen.

(L'essentiel Online)

Woher kommen die Probleme der Dexia?

Als Hauptgrund für die Schieflage der Dexia-Gruppe gelten Liquiditätsprobleme. Weil die Bank problematische Wertpapiere für 95 Milliarden Euro hält, gilt sie an den wegen der Schuldenkrise misstrauischen Märkten als Risikofaktor und hat große Schwierigkeiten, sich frisches Kapital zu besorgen.

Die Sorgen sind nicht neu. Bereits 2008 musste die Bank mit staatlichen Milliardenhilfen aus Frankreich, Belgien und Luxemburg vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Die neue Eurokrise ließ aber offensichtlich zu wenig Zeit für die Umsetzung der danach entwickelten Umbaupläne.

(dpa)

Belgien will Dexia verstaatlichen

Die belgische Regierung hat sich am Donnerstagmorgen für eine Verstaatlichung der belgischen Einheit der Dexia-Gruppe DBB ausgesprochen, wie die Wirtschaftszeitung L'Echo berichtet.

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