Gesundheit in Luxemburg – Dialysepatienten wollen zu Hause behandelt werden

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Gesundheit in LuxemburgDialysepatienten wollen zu Hause behandelt werden

LUXEMBURG – Im Gegensatz zu einigen Nachbarländern müssen sich nierenkranke Patienten in Luxemburg der Dialyse im Krankenhaus unterziehen.

Die 450 bis 500 Nierenkranken im Großherzogtum müssen sich aktuell für eine Dialyse-Behandlung ins Krankenhaus begeben.

Die 450 bis 500 Nierenkranken im Großherzogtum müssen sich aktuell für eine Dialyse-Behandlung ins Krankenhaus begeben.

AFP

Während es in unseren Nachbarländern schon seit einigen Jahren möglich ist, Dialysen mit ärztlicher Unterstützung zu Hause durchzuführen, werden Patienten in Luxemburg fast ausschließlich in Krankenhäusern behandelt. Die Rede ist von 450 bis 500 Nierenkranken, die sich aktuell für ihre Behandlung in eines der vier «Centre Hospitaliers» in Luxemburg begeben müssen: Centre hospitalier Emile Mayrisch (CHEM), Centre hospitalier de Luxembourg (CHL), Hôpitaux Robert Schuman (HRS) und Centre hospitalier du Nord (CHdN).

Eine Situation, die das Leben der Patienten zusätzlich einschränkt und sie oft zwingt, ihren Beruf sogar aufzugeben. «Wir sind uns des Problems bewusst», gesteht Dr. Jean-Claude Schmit, Direktor der Gesundheitsbehörde, gegenüber L'essentiel. «Ich habe die Ärzte der Kurativmedizin aufgefordert, mir Vorschläge zu unterbreiten, die das Dossier weiterbringen können.» Bis dato gebe es noch keinen klar definierten Rechtsrahmen, der die Dialyse zu Hause zulasse.

Nur ein Patient wird zu Hause behandelt

«Für einen Großteil der Patienten würde sich die Heimhämodialyse nicht als Option herausstellen, weil sie ein hohes Maß an Verantwortung, Selbstständigkeit, Übung und Geschicklichkeit erfordert», erklärt Professor Claude Braun, Ärztlicher Direktor der Bohler-Klinik (HRS). «Dennoch wollen wir Patienten, die sich all dessen bewusst sind und auch die nötigen Voraussetzungen der Behandlung erfüllen, die Möglichkeit geben diese Methode anzuwenden.»

Derzeit wird diese Art der Dialyse nur bei einem 19-jährigen Patienten in Luxemburg angewandt. Dies ist allerdings nur wegen einer Ausnahmeregelung möglich: Hierbei handelt es sich um eine spezielle Vereinbarung und ein Programm, das von einer Klinik in Belgien überwacht wird. Der Teenager hat eine seltene Erbkrankheit (Hyperoxalurie Typ 1 - HP1), die die Nieren angreift und wird jeden Tag zu Hause dialysiert. Im Gespräch mit L'essentiel hofft sein Vater «sehr, dass auch andere Patienten eines Tages von der Behandlung zu Hause profitieren können.»

(pp/L'essentiel)

15 bis 20 Transplantationen pro Jahr

Etwa 15 bis 20 Patienten pro Jahr bekommen im Ausland, nach Belgien (Brüssel, Lüttich), Deutschland (Heidelberg, Homburg) und Frankreich (Nancy) eine Nierentransplantation. Aktuell sind wegen der Pandemie Reisen in ausländische Kliniken fast unmöglich. Derzeit sind etwa 60 bis 70 Patienten aus dem Großherzogtum auf der Warteliste.

Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) ist die Ausnahme

Die Heimdialyse ist im Großherzogtum nicht völlig inexistent. «Die Peritonealdialyse wird derzeit bei etwa 7 Prozent der Patienten mit Nierenversagen im Endstadium durchgeführt», präzisiert Professor Claude Braun.

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