Interne Konflikte – Die ADR-Spitze zerbricht

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Interne KonflikteDie ADR-Spitze zerbricht

LUXEMBOURG – Jacques-Yves Henckes und Marc Gatti verlassen die ADR. Ihr Parteifreund Jean Colombera äußerte ähnliche Absichten. «Schade», findet ADR-Präsident Kartheiser.

Henckes sagte gegenüber Radio 100,7, es gebe unüberbrückbare Differenzen auf politischer Ebene zwischen ihm und dem ADR-Parteipräsidenten Fernand Kartheiser.

Henckes sagte gegenüber Radio 100,7, es gebe unüberbrückbare Differenzen auf politischer Ebene zwischen ihm und dem ADR-Parteipräsidenten Fernand Kartheiser.

Editpress

Jacques-Yves Henckes und Vizepräsident Marc Gatti verlassen die ADR. Henckes kündigte seinen Austritt am Freitag in einem Interview mit Radio 100,7 an. Er wolle bis zu den kommenden Landeswahlen als unabhängiger Abgeordneter weiter im Parlament bleiben. Am Nachmittag kündigte ADR-Vizepräsident Marc Gatti ebenfalls seinen Austritt an.

Henckes sagte gegenüber Radio 100,7, es gebe unüberbrückbare Differenzen auf politischer Ebene zwischen ihm und dem ADR-Parteipräsidenten: «Seit Herr Kartheiser Vorsitzender der Partei geworden ist, wird der Gegner nicht mehr außerhalb, sondern innerhalb der Partei gesucht.» Es gebe fundamentale Meinungsverschiedenheiten, was Themen wie die Trennung von Kirche und Staat, die Europapolitik und Gesellschaftsfragen betreffe. Ein Teil der Parteimitglieder vertrete zunehmend erzkonservative und euroskeptische Positionen.

Konfliktsituation würden aufgebaut, statt Kompromisse gefunden. «Ich habe das nicht mehr nötig», so Henckes.
Innerhalb der Partei gebe es Streit zwischen einer wertekonservativen und einer eher sozialliberalen Strömung. Da Fernand Kartheiser dem konservativen Flügel angehöre, nehme er seine Rolle als Vermittler nicht wahr, sondern dränge Parteimitglieder mit liberaleren Ansichten in die Ecke.

Colombera als Nächster?

Der Ankündigung von Jacques-Yves Henckes am Freitag, die ADR zu verlassen, könnte in einem Monat die seines Parlamentskollegen und bisherigen Parteifreundes Jean Colombera folgen. Er gebe Präsident Kartheiser einen Monat Zeit, sich auf einer Pressekonferenz für die Wertneutralität seiner Partei auszusprechen, sagte der Nordabgeordnete Colombera Tageblatt.lu. Andernfalls werde er wie sein Freund Henckes ebenfalls die ADR verlassen.

Abtreibungsfrage als Vorspiel

Der Parteisaustritt von Jacques-Yves Henckes kommt nicht unvermittelt, hatte die Position des ADR-Präsidenten Fernand Kartheiser in Sachen Abtreibung doch bereits Ende November für einen offenen Konflikt gesorgt. Jacques-Yves Henckes, der die Liberalisierung der Abtreibung befürwortet, hatte seinen Parteivorsitzenden in einem Schreiben offen angegriffen.

Der 67-jährige Henckes sitzt seit 1984 im Parlament, zunächst als Abgeordneter der DP. Ein Jahr nach der Gründung der ADR trat er 1994 in die damals als «Aktionskomitee für Demokratie und Rentengerechtigkeit» gegründete Bewegung ein.

(L'essentiel Online/mth)

Das sagt ADR-Präsident Kartheiser

ADR-Präsident Fernand Kartheiser erklärte am Freitagabend auf Anfrage von «L'essentiel», noch nicht persönlich mit Gatti und Henckes über deren Ausstiegsabsichten gesprochen zu haben. Daher habe er auch noch keine Bestätigung für den Austritt aus der Partei. «Ich finde es schade, dass Jacques-Yves Henckes die Partei verlasst, aber ich respektiere seine Entscheidung», erklärte Kartheiser. Er hoffe, im Parlament weiter mit Henckes zusammenarbeiten zu können, auch wenn dieser künftig als unabhängiger Abgeordneter in der Kammer sitze.

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