Jacques-Yves Henckes – «Die ADR täte gut daran sich sofort aufzulösen»

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Jacques-Yves Henckes«Die ADR täte gut daran sich sofort aufzulösen»

LUXEMBURG – Nicht erst seit dem Austritt des Abgeordneten Jacques-Yves Henckes und des Vize-Partei-Chefs Marc Gatti befindet sich die ADR-Spitze in einer schweren Krise. Interview.

Aus Protest gegen die Linie von Parteichef Fernand Kartheiser (rechts) verlässt der Abgeordnete Jacques-Yves Henckes (Mitte) die ADR und wird unabhängiger Parlamentarier.

Aus Protest gegen die Linie von Parteichef Fernand Kartheiser (rechts) verlässt der Abgeordnete Jacques-Yves Henckes (Mitte) die ADR und wird unabhängiger Parlamentarier.

Editpress

«L’essentiel»: Warum genau verlassen Sie die ADR?

Jacques-Yves Henckes: «Die Differenzen sind zu spüren seit Fernand Kartheiser (im März) zum Vorsitzenden gewählt wurde. Es ist seither quasi unmöglich geworden ein Programm zur Europa-Politik zu erarbeiten.»

Besonders in der Gesellschaftspolitik scheinen die Differenzen innerhalb der Partei unüberwindbar…

«Der Widerstand der ADR gegen die Homo-Ehe und die Abtreibung ist radikal. Dies entspricht aber nicht der Position, die wir gemeinsam ausgearbeitet haben. Fernand Kartheiser hält sich nicht an das Parteiprogramm. Es gibt bei allen wichtigen Fragen zwei völlig widersprüchliche Positionen. Mein größter Feind ist seither die Meinung meines eigenen Parteivorsitzenden geworden und nicht etwa die anderer Parteien. Er formuliert intern Standpunkte und erzählt im Parlament dann etwas völlig anderes.»

Inwiefern spiegelt der Streit in der Partei-Spitze die Meinung der Mitglieder wider?

«Die Mehrheit unserer Mitglieder sind keine Erzkonservativen! Rund um Kartheiser gibt es einige erzkatholische Grüppchen, die anti-feministische und fanatische Positionen vertreten, die ins Mittelalter gehören. Diese Konfliktsituation hat lange genug gedauert. Normalerweise ist ein Parteichef dazu da, einen Kompromiss zwischen verschiedenen Strömungen in der Partei herzustellen. Bei uns war es andersherum, er hat seine Linie durchgeboxt.»

Steht die Existenz der ADR auf dem Spiel?

«Macht auch Jean Colombera ernst und verlässt die Partei, ist das zu 100 Prozent ihr Tod. Und auch so täte die ADR gut daran sich sofort aufzulösen.»

Wie gehen Sie nun an die Wahlen 2014?

«Ich habe nicht die Absicht, eine eigene Partei zu gründen. Zunächst werde ich unabhängiger Abgeordneter und kann dann auch im Parlament Redezeit beanspruchen, in der ich mich deutlich von der ADR absetzen und meine eigene sozial-liberale Linie darstellen kann.»

(L'essentiel Online/Jérôme Wiss)

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