Steuerstreit – «Die Ära des Schwarzgeldes ist vorbei»

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Steuerstreit«Die Ära des Schwarzgeldes ist vorbei»

LUXEMBURG - Mit einem neuen Abkommen sagen Deutschland und die Schweiz Steuerbetrügern den Kampf an. Ein Modell zum Nachahmen auch für Luxemburg?

Das Kriegsbeil zwischen Deutschland und der Schweiz im Streit um Schwarzgelder scheint begraben zu sein. Am Mittwoch haben beide Länder ein entsprechendes Abkommen paraphiert, nach dem deutsche Bürger künftig für ihre Kapitalerträge an den Schweizer Banken eine Abgeltungssteuer bezahlen müssen. «Die Ära des Schwarzgeldes ist vorbei», meint Jean-Jacques Rommes, Direktor der Luxemburger Bankenvereinigung ABBL gegenüber L’essentiel Online. Zum ersten Mal habe ein europäisches Mitgliedsland ein Abkommen mit einem nicht europäischen Mitgliedsland zur grenzüberschreitenden Besteuerung der Kapitalerträge auf Basis einer Quellensteuer unterzeichnet, so Rommes weiter.

Dabei hätten Deutschland und die Schweiz statt eines automatischen Informationsaustausches die Einführung einer Abgeltungssteuer nach deutschem Modell vorgezogen. Bei einem automatischen Informationsaustausch teilt die Bank alle Informationen über die Spareinkommen eines ausländischen Anlegers sofort an die Steuerbehörde seines Heimatlandes mit. Nach dem neuen Abkommen zwischen Deutschland und der Alpenrepublik müssen nun deutsche Kunden eine Steuer auf ihr Vermögen an den Schweizer Banken von 26 Prozent bezahlen.

Politische Bedeutung für Luxemburg

Ob das deutsch-schweizerische Steuerabkommen auch Auswirkungen auf Luxemburg hat? «Für das Großherzogtum wird das Abkommen direkt nichts ändern. Aber es hat eine politische Bedeutung», erklärt Rommes. Die Steuerbehörden anderer EU-Staaten können bis jetzt Informationen über die Kapitalerträge auf Luxemburger Konten nur auf Anfrage bekommen.

EU-Kapitalanleger mit Wohnsitz außerhalb des Großherzogtums müssen bis zu 35 Prozent Quellensteuern auf ihr Sparvermögen an den luxemburgischen Banken zahlen. Eine Regelung, die in Luxemburg noch offenbar lange bleibt, wie ABBL-Direktor bestätigt: «Wir wollen keinen automatischen Informationsaustausch. Das würde den Privatbereich unserer Kunden gefährden.»

(if/ L'essentiel online)

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