Jugendkriminalität – «Die Anzahl und Brutalität der Fälle nimmt zu»

Publiziert

Jugendkriminalität«Die Anzahl und Brutalität der Fälle nimmt zu»

LUXEMBURG – Die Zahlen des Ministeriums für Innere Sicherheit zeigen eine steigende Tendenz, bei der Lehrer-Vereinigung Agess ist man besorgt.

Für die Lehrer-Vereinigung Agess spielt die fehlende Aufsicht zu Hause eine große Rolle bei den Kriminalitätsproblemen.

Für die Lehrer-Vereinigung Agess spielt die fehlende Aufsicht zu Hause eine große Rolle bei den Kriminalitätsproblemen.

«Der Tod des Schülers, der Ende Januar erstochen wurde, war ein Schock, aber die Wahrheit ist, dass es andere Vorfälle im ganzen Land gegeben hat. Wir haben nur nicht darüber gesprochen, weil das Ergebnis weniger dramatisch war», erzählen Daniel Reding und Alain Kieffer von der Agess (Vereinigung der Hochschul- und Sekundarschullehrer).

Das Ministerium für Innere Sicherheit hat diese Woche seine Zahlen zur Gewalt gegen Personen durch Minderjährige veröffentlicht und beschreibt die Entwicklung als «ziemlich stabil». Teilweise sprechend die Zahlen aber eine andere Sprache. So wurden im Jahr 2020 24 Fälle von Körperverletzung von den Gerichten bearbeitet, so viele wie seit 2012 nicht mehr (28). 2019 waren es lediglich zwölf, 2018 sogar nur vier. Auch bei Diebstählen und Erpressung mit Gewalt sind die Fallzahlen deutlich angestiegen (23 bearbeitete Fälle im Jahr 2020). Das Justizministerium weist darauf hin, dass zwischen dem Zeitpunkt der Tat und der Verurteilung eine «Zeitspanne» liegen kann.

Reding und Kieffer von der Agess zeigen sich dennoch besorgt: «Die Anzahl und die Brutalität der Fälle nimmt zu». Gleichzeitig warnen beide davor, alle Jugendlichen über einen Kamm zu schweren. Die große Mehrheit der Schüler seien vollkommen friedlich. Wie die Behörden lehnt auch die Agess die Idee von Gangs ab. «Was wir manchmal sehen, ist das Dinge innerhalb einer Gruppe von Freunden passieren». Für sie «spielt die fehlende Aufsicht zu Hause eine große Rolle». Gleichzeitig fühlen sich die Lehrer mit dem Problem allein gelassen. Teilweise werden in den Schulen Jugendliche aufgenommen, von denen nicht bekannt ist, dass sie eine Straftat begangen haben.

(Séverine Goffin/ L'essentiel)

Deine Meinung