Trump und Putin – Die Bewunderung war bisher ziemlich einseitig
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Trump und PutinDie Bewunderung war bisher ziemlich einseitig

Trump und Putin mögen sich, so meint man. Was sie bisher über einander sagten, ergibt ein leicht anderes Bild: Der eine schwärmt, der andere berechnet.

Selten wurde ein Gipfeltreffen so gespannt erwartet wie die für Freitag geplante Zusammenkunft von Donald Trump mit Wladimir Putin. Wird der US-Präsident den russischen Gegenpart auf die Beeinflussung der letztjährigen Präsidentschaftswahlen ansprechen? Kann der kühl kalkulierende Kreml-Herrscher den Novizen in Washington um den Finger wickeln? Kommt es zur Kooperation, zur Lockerung von Sanktionen gar?

Die bisherigen Äußerungen der beiden Politiker über einander erlauben keine klare Voraussage. Dafür sind die Wortmeldungen Putins über Trump zu vereinzelt, und jene von Trump über Putin zu widersprüchlich. Klar wird nur: Der russische Präsident erkannte früh Trumps politisches Potenzial, und der amerikanische Präsident bewundert Putin, auch wenn er vor ihm warnt.

Hier eine Liste der wichtigsten Etappen einer vorerst bloß potenziellen Partnerschaft:

Oktober 2007: Trump preist Putin

Schon viele Jahre vor seiner Kandidatur für die Präsidentschaft war Trump vom starken Mann im Kreml fasziniert. In einem Interview mit Larry King, damals noch bei CNN, sagte Trump: «Schau dir Putin an – was er mit Russland tut. Dieser Typ hat etwas vollbracht. Ob du ihn magst oder nicht – er leistet Großes beim Wiederherstellen von Russlands Ruf und auch beim Wiederherstellen von Russland.»

Dezember 2011: Trump kontrastiert Putin mit Obama

In seinem Buch «Time to Get Tough» (Zeit für Härte) schreibt Trump positiv über Putins «Intelligenz» und seine «no nonsense»-Vorgehensweise. «Putin will die Nachbarn austricksen, um die Öllieferungen nach ganz Europa zu dominieren.» – «Ich respektiere Putin und die Russen, kann aber nicht glauben, dass unser Anführer [Obama] bei ihnen so viel durchlässt. Hut ab vor den Russen.»

Juni 2013: Trump fragt, ob Putin sein Freund werde

Im Vorfeld eines von Trump organisierten Schönheitswettbewerbs in Moskau twittert Trump: «Glaubst du, Putin wird an den Miss-Universe-Schönheitswettbewerb im November in Moskau kommen – wenn ja, wird er mein neuer bester Freund?»

Oktober 2013: Trump will Putin einmal getroffen haben

Im Interview mit David Letterman behauptet Trump, «mit den Russen viele Geschäfte gemacht» zu haben. Er nennt Putin einen «harten Kerl» und sagt: «Ich habe ihn einmal getroffen.»

März 2014: Trump fordert Härte gegen Putin

Im Zug der russischen Aggression gegen die Ostukraine macht Trump auf Härte. In der Sendung «Fox and Friends» sagt er, der ehemalige Präsidentschaftskandidat Mitt Romney habe 2012 mit seiner Aussage recht gehabt, dass Russland ein «geopolitischer Gegner» Amerikas sei. Im gleichen Monat sagt er auf NBC, die USA sollten «bestimmt Sanktionen» gegen Russland verhängen. «Wir müssen Stärke zeigen. Ich meine, Putin hat Obama über den Tisch gezogen, während langer Zeit.»

Mai 2014: Trump behauptet erneut, Putin zu kennen

Im Nationalen Presseklub sagte Trump: «Ich war kürzlich in Moskau und sprach, indirekt und direkt, mit Präsident Putin, der nicht netter hätte sein können, und wir hatten enormen Erfolg.»

Juli 2014: Trump traut Putin noch viel zu

In einem Radiointerview sagt Trump bewundernd: «Ich wurde viel reicher, weil ich Menschen verstehen und Menschen lesen kann. Putin ist nicht fertig. Putin hat noch einen langen Weg vor sich.»

Dezember 2014: Trump warnt vor «verwundetem» Putin

Auf Fox News sagt Trump, Putin sei von den Handlungen Obamas verletzt worden. «Verwundete Menschen und verwundete Tiere können seltsame Dinge tun, und wir sollten lieber ein bisschen vorsichtig sein.»

Juli 2015: Trump sagt, er werde mit Putin gut auskommen

Nachdem er im Juni seine Kandidatur für die Präsidentschaft angekündigt hat, erklärt Trump auf seinem Golfplatz in Schottland: «Ich glaube, ich werde mit Wladimir Putin sehr gut auskommen, das denke ich einfach.» Zusätzlich sagt er, Putin «hasst Obama, und Obama hasst ihn. Wir haben unglaublich schlechte Beziehungen.»

Oktober 2015: Trump behauptet, er sei Putins Stallgefährte

Trump hatte einen Auftritt in der Sendung «60 Minutes», die auch ein separates Segment über Putin enthielt. Danach sagt er: «Wir waren zusammen in <60 Minutes>, und wir hatten fantastische Quoten.» – «Also das war gut, nicht? Wir waren Stallgefährten.»

Dezember 2015: Putin preist Trump

In seiner Jahrespressekonferenz gibt Putin Trump Bestnoten. «Es ist ein außerordentlicher Mann, sehr talentiert, ohne Zweifel», sagt Putin. «Es ist nicht unsere Sache, ihn nach seinen Verdiensten zu beurteilen, das müssen die Wähler in den Vereinigten Staaten tun.» Trump, sagt der russische Präsident, «ist ein absoluter Anführer des Präsidentschaftsrennens, wie wir es zur Zeit beurteilen. Er sagt, er wolle die Beziehungen mit Russland vertiefen. Wie kann uns das nicht willkommen sein? Natürlich heißen wir das willkommen.»

Dezember 2015: Trump verdankt Putins Lob

«Es ist immer eine große Ehre, ein so nettes Kompliment von einem Mann zu erhalten, der in seinem Land und darüber hinaus so respektiert wird», sagt Trump in Erwiderung von Putins Lob. «Ich glaube schon lange, dass Russland und die Vereinigten Staaten zur Zusammenarbeit fähig sein sollten, um den Terrorismus zu besiegen und den Weltfrieden wiederherzustellen.»

Dezember 2015: Trump spielt Journalistenmorde herunter

In der Sendung «Morning Joe» nimmt Trump Putin gegen den Vorwurf in Schutz, er habe Journalisten ermorden lassen. «Er regiert sein Land, und immerhin ist er ein Leader, im Unterschied zu dem, was wir in unserem Land haben.» Zu den Mordvorwürfen sagt er: «Ich finde, unser Land tötet auch viele Menschen.»

März 2016: Trump sagt, er bewundere Putin nicht

In einer Wahlkampfveranstaltung weist Trump die Charakterisierung seiner Haltung zu Putin zurück. «Ich bewundere ihn nicht. Ich habe gesagt, er sei ein starker Leader, und das ist er. Vielleicht ist er böse, vielleicht ist er gut. Aber er ist ein starker Leader.»

Mai 2016: Trump weicht der Frage nach Direktkontakten aus

Ein Fox-News-Moderator will wissen, ob Trump je mit Putin gesprochen habe. Die Antwort: «No comment.»

Juli 2016: Trump verneint Direktkontakte

Nachdem die Rolle Russlands bei den Hackerangriffen bekannt geworden ist, nimmt Trump noch mehr zurück. «Ich habe mit Russland nichts zu tun», sagt er auf CBS. «Ich habe Putin nie getroffen. Ich habe überhaupt nichts mit Russland am Hut.»

September 2016: Trump lobt Putin erneut als Leader

«Wenn er Gutes über mich sagt, dann sage ich Gutes über ihn», sagt Trump an einer Wählerveranstaltung. «Der Mann hat eine sehr starke Kontrolle über sein Land. Natürlich ist es ein sehr anderes System. Ich mag dieses System nicht. Aber in diesem System ist er ein Leader, viel mehr, als unser Präsident es ist.»

Oktober 2016: Trump lässt alles offen

An einer Veranstaltung sagt er über Putin: «Ich liebe ihn nicht, ich hasse ihn nicht. Wir werden sehen, wie es herauskommt. Vielleicht werden wir ein gutes Verhältnis haben. Vielleicht haben wir ein schreckliches Verhältnis. Vielleicht haben wir ein Verhältnis in der Mitte.»

Dezember 2016: Putin kritisiert die US-Demokraten

Nach Trumps Wahlsieg rät Putin in seiner Pressekonferenz dazu, den neuen Präsidenten zu akzeptieren. «Die Demokraten verlieren auf allen Fronten», sagt er, und «Reagan wäre glücklich, dass Vertreter seiner Partei überall siegen.» Zu Trumps Triumph meint Putin: «Außer uns hat niemand an seinen Sieg geglaubt.»

Januar 2017: Trump anerkennt Russen-Hacking im Wahlkampf

«Ich glaube, es war Russland.» Mit dieser Bemerkung akzeptiert Trump die Erkenntnis der US-Geheimdienste, dass die Hacker-Angriffe auf E-Mail-Server der Demokraten von der Kreml-Führung verordnet und von russischen Akteuren durchgeführt worden sind. Künftig werde Putin dies jedoch unterlassen, sagt Trump. «Russland wird viel mehr Respekt vor unserem Land haben als damals, als andere Leute es führten.»

Februar 2017: Trump zieht eine Trennlinie zu Russland

An einer Pressekonferenz sagt Trump: «Ich kann Ihnen sagen, das ich kein Eigentum in Russland habe. Ich habe keine Schulden in Russland. Ich habe keine Deals in Russland. Präsident Putin rief mich sehr nett an, um mir zum Wahlsieg zu gratulieren.» Künftig sei sein Erfolg nicht gesichert: «Es ist möglich, dass ich mit Putin nicht auskommen werde.»

Mai 2017: Putin bittet um Schonung für Trump

Die USA litten an politischer Schizophrenie, sagt Putin nach dem Besuch des Außenministers und des Botschafters Russlands im Weißen Haus. Damit spielt er auf die aus seiner Sicht absurde Idee an, Trump habe den Russen Geheimnisse verraten. Über Trumps erste Monate im Amt sagt Putin, es sei Sache des amerikanischen Volks, nicht Russlands, seine Leistung zu beurteilen. «Aber man sollte ihm erlauben, seine Arbeit zu verrichten.»

Juli 2017: Trump spricht von «destabilisierendem» Verhalten

Kurz vor dem G-20-Gipfel hat Trump den Ton gegenüber Russland deutlich verschärft. Er warf Moskau bei seinem Besuch in Warschau ein «destabilisierendes» Verhalten vor. Trump äußerte sich einen Tag vor seinem ersten persönlichen Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er verwies insbesondere auf das russische Vorgehen in der Ukraine und die russische Unterstützung für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad.

(L'essentiel/sut)

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