«Doom» im Dreierpack – Die «Big Fucking Gun» ist zurück
Publiziert

«Doom» im DreierpackDie «Big Fucking Gun» ist zurück

Knapp 20 Jahre nach dem ersten «Doom» ist der Game-Oldie zurück. Alle drei Teile wurden auf eine DVD gepresst. Wie hält sich der Kult-Shooter?

Popelige Pixelgrafik, dafür ein Heidenspaß: «Doom» und «Doom 2: Hell on Earth» schrieben Egoshooter-Geschichte.

Popelige Pixelgrafik, dafür ein Heidenspaß: «Doom» und «Doom 2: Hell on Earth» schrieben Egoshooter-Geschichte.

Als 1993 der erste 3D-Egoshooter «Doom» für PCs erschien, nahm ich gerade eine längere Game-Auszeit. Auch der Nachfolger «Doom 2: Hell on Earth», der nur ein Jahr später erschien, ging unbemerkt an mir vorbei. Als zehn Jahre später das von Fans lange ersehnte «Doom 3» herauskommt, bin ich zurück im Gamegeschäft und kenne den Hype um den Übershooter der 90er Jahre – nachvollziehen kann ich ihn verständlicherweise nicht.

Noch schwerer fällt es mir, «Doom 3» zu testen: Das Game kommt mir flach vor, die Figuren wirken wie aus Plastik und die Monster, die immer wieder unversehens hinter einer Ecke hervorspringen, verlieren bald ihren Schrecken. In einer Zeit, in der Egoshooter das Gameuniversum überschwemmen, wie die Flood die Schlachtfelder in «Halo», ist «Doom 3» nur ein weiteres Ballergame unter vielen.

Ein Segen für Gamefans

Dass nun die Sammlung «Doom BFG-Edition» erschienen ist, auf der sich alle drei Teile befinden, kommt hingegen einem Segen gleich. Nicht nur lässt sich nachvollziehen, wieso «Doom» eine stilbildende Rolle in der Entwicklung des Shooter-Genres zukommt. Auch Skeptiker, die bemängeln, dass Games heute zuvorderst über die Grafik und weniger über den Inhalt verkauft werden, sehen sich bestätigt. Egal ob «Crysis», «Battlefield 3» oder das aktuelle «Medal of Honor: Warfighter» - sie alle warten mit atemberaubender Grafik auf. Aber wird man sich ihrer auch in zwanzig Jahren noch erinnern?

Das erste «Doom» jedoch ist auch heute noch präsent. Und bei der Erinnerung alleine bleibt es nicht: Dank der Big-Fucking-Gun-Edition «Doom 3: BFG» lässt sich leicht feststellen, dass die beiden ersten «Doom»-Games nicht nur den dritten Teil, sondern auch manchen jüngeren Egoshooter in den Schatten stellen.

Spielfluss trotz Taktik

Der Spielspaß entsteht primär durch die Spielmechanik: Die Knarre lässt sich in «Doom» und «Doom 2» zwar nur horizontal bewegen, die Geschwindigkeit des Games und die Kadenz, in der immer schwierigere Gegner auftauchen, sorgen aber für einen Rhytmus, der den Spieler unweigerlich mit sich zieht. Zusätzlich motiviert das taktische Element, bei dem der Spieler stets auch ein Auge auf die Munition und die Lebensenergie werfen muss. Einmalig, wie sich der Gesundheitszustand auch im immer demolierteren Gesicht abzeichnet. Dem Spielfluss schadet dies nicht.

HD-Grafik ist kein Garant für die Zukunft

Die reduzierte Grafik unterstützt das Spielvergnügen. Das Furchterregende der Feinde erahnt der Spieler mehr, als dass es sich ihm offensichtlich präsentiert. Seinen Teil des Grauens muss sich der Spieler im Kopf vorstellen. Selbst das «Big Fucking Gun» sieht im Pixelchaos popelig aus – doch in der Fantasie wird es zur mächtigsten Wumme des Egoshooter-Universums.

Doch zugegeben, auch HD-Grafik bereitet Freude: Mich begeistern die Staubeffekte eines «Battlefield 3» ebenso wie die Lichtspiegelungen in «Gears of War» oder der Detailreichtum der «Crysis»-Games. Die Gefahr aber besteht, dass man sich von diesem Wow-Effekt zu sehr blenden lässt und darüber den Spielinhalt vergisst.

Die beeindruckende Grafik dient vor allem als Verkaufsargument. In dem Moment, wo das nächste schillernde Game am Spielhorizont auftaucht, verliert das Spiel seinen Glanz. Die wahre Strahlkraft ist indessen anderswo zu finden – in der einzigartigen Spielidee und deren Umsetzung. Diesbezüglich können die ersten beiden «Doom»-Spiele nach wie als Vorbilder dienen.

Das Orginal-«Doom»

«Doom 3: BFG Edition»

(Jan Graber/L'essentiel Online)

Doom

«Doom» aus der Egoshooter-Schmiede id Software («Quake», «Rage») erschien 1993 erstmals für DOS-PCs und gilt als stilbildend im Genre der Egoshooter. «Doom» wurde in der Folge auf zahlreiche Computerplattformen wie Mac, Unix, oder Solaris sowie auf die meisten Konsolen portiert. «Doom» leistete Pionierarbeit in der 3D-Grafik und enthielt als eines der ersten Spiele Multiplayer-Funktionen fürs Zocken im Netzwerk. Während «Doom» auf dem Mars spielte, wurde die Action in «Doom 2: Hell on Earth» ein Jahr später auf die Erde verlagert. Obwohl sich auch «Doom 3» erfolgreich verkaufte und das Grundprinzip des «run and gun» übernahm, fehlte die Innovationskraft der beiden ersten Teile.

Deine Meinung