Corona in Luxemburg – «Die Botschaften werden immer aggressiver»

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Corona in Luxemburg«Die Botschaften werden immer aggressiver»

LUXEMBURG – Santé-Direktor Jean-Claude Schmit spricht über die Maßnahmen, die derzeit geprüft werden, und die Spannungen, die die Pandemie mit sich gebracht hat.

Santé-Direktor Jean-Claude Schmit spricht über den aktuellen Stand der Pandemie in Luxemburg.

Santé-Direktor Jean-Claude Schmit spricht über den aktuellen Stand der Pandemie in Luxemburg.

Editpress/Julien Garroy

L'essentiel: Welche Maßnahmen sind geplant, wenn sich die Corona-Situation verschlechtert?

Jean-Claude Schmit: Es gibt verschiedene Überlegungen. Über das Tragen von Masken, das sehr wirksam ist, den CovidCheck, bis hin zu Telearbeit oder einer eventuellen Verallgemeinerung des CovidChecks in der Berufswelt. Es gibt viele Möglichkeiten, aber noch ist nichts entschieden. Wir passen uns der Situation an, bis zur letzten Minute. Das Gesetz ändert sich am 18. Dezember.

Ist Luxemburg zu diesem Zeitpunkt von der ganz großen vierten Welle verschont geblieben?

Neben den Impfungen gibt es dafür mehrere Erklärungen. Die Beibehaltung von Maßnahmen wie Masken in Verkehrsmitteln und Geschäften, die andere Länder abgeschafft hatten, der CovidCheck oder die regelmäßigen Tests in den Schulen. Dadurch können wir Infektionen bei Kindern, in denen das Virus stark zirkuliert, frühzeitig erkennen. In vielen Ländern wird das nicht entdeckt. All das führt dazu, dass wir die Situation noch relativ gut unter Kontrolle haben. Aber auch bei uns kann es aus dem Ruder laufen.

In vielen Ländern wird über die Auffrischungsimpfung diskutiert. Wird sie alle sechs Monate nötig sein?

Ich denke nicht. Bei zwei Impfungen, vor allem bei älteren Menschen, nahm die Immunität mit der Zeit ab, weshalb die Auffrischungsimpfung vorgeschlagen wurde. In vielen Fällen (Tetanus, Hepatitis B) umfasst die Grundimmunisierung drei Injektionen. Das ist ziemlich banal. Es ist nicht überraschend, dass man auch bei dieser Krankheit drei Injektionen braucht, um eine Immunität zu entwickeln, die dann länger anhalten kann.

Werden die Impfstoffe an die vorherrschenden Varianten angepasst?

Das ist eine laufende Diskussion. Die Firmen arbeiten an Impfstoffen, die besser an den derzeit zirkulierenden Virusstamm angepasst sind. Sie beschäftigen sich auch mit den Fragen, ob man in den kommenden Monaten auf einen anderen Impfstoff umsteigen oder bei dem Basisimpfstoff bleiben soll, der immer noch eine sehr gute Wirkung zeigt. All dies wird derzeit evaluiert.

Fühlen sich die Geimpften zu sicher?

Manche schon ein bisschen. Angesichts der neuen Welle möchten wir auf die Sicherheit hinweisen, die der CovidCheck bietet. Es ist eine zusätzliche Sicherheit, die man auf freiwilliger Basis haben kann, indem man in bestimmten Situationen trotzdem eine Maske trägt oder sich selbst testet, bevor man einen Ort betritt, an dem ein Übertragungsrisiko bestehen könnte. Die Weihnachtsfeiertage stehen vor der Tür und wir werden Familientreffen mit gefährdeten Personen abhalten. Warum sollte man nicht vor dem Essen einen Schnelltest machen?

Denken Sie, dass Ungeimpfte noch überzeugt werden können?

Zum Teil ja, schließlich lassen sich jeden Tag noch neue Menschen impfen. Aber ihre Zahl ist ziemlich gering. Ich glaube leider, dass wir noch mehr Zwang brauchen werden. In einigen Ländern wird immer offener über eine Impfpflicht gesprochen. Ich bin mir nicht sicher, ob es zu diesem letzten Schritt kommen wird, aber wir werden dieser Diskussion nicht ausweichen können.

Sind Spannungen wie im Ausland zu befürchten?

Solche Situationen sind zu befürchten. Die Botschaften, die wir erhalten, werden immer aggressiver. Die Menschen sind müde und erschöpft. Sogar die Geimpften, die sich fragen, warum sie Einschränkungen hinnehmen müssen, weil eine Minderheit sich nicht impfen lassen will. Die Spannungen in der Gesellschaft steigen auf beiden Seiten.

Wurden Sie bedroht?

Es gab einen sehr heftigen Angriff auf meine Person in den sozialen Netzwerken. Überraschenderweise haben mehrere Personen spontan Anzeige erstattet und die Vorfälle der Staatsanwaltschaft gemeldet. Ich musste das nicht tun. Es gab eine Solidaritätsbewegung um mich herum. Die Gesundheitsministerin wird auch mit Kommentaren ins Visier genommen, die man nicht mehr hinnehmen kann.

Haben Sie jemals daran gedacht, das Handtuch zu werfen?

Ja, ja. Natürlich. Jeder, der an dieser Krise beteiligt ist, hatte Momente, in denen er dachte, dass es keinen Sinn macht. Aber es ist ganz normal, dass es Momente gibt, in denen man entmutigt ist. Dann reißt man sich zusammen und macht seine Arbeit.

(nm/L'essentiel)

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