Fußball-Fest? – Die EM 2016 im Schatten des Terrors

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Fußball-Fest?Die EM 2016 im Schatten des Terrors

In 208 Tagen ist Anstoß zur Fußball-EM 2016 in Frankreich. Wie sorglos können die Fans zum Turnier reisen?

Sieben Millionen Fußball-Fans erwartet Frankreich zwischen dem 10. Juni und dem 10. Juli. Dass das Turnier trotz der Anschlagsserie von Paris stattfindet, machte Cheforganisator Jacques Lambert gestern in verschiedenen französischen Medien klar: «Wenn man die EM jetzt infrage stellt, würde man sich den Regeln der Terroristen beugen.»

Eine Million Tickets wurden in einer ersten Verkaufsphase abgesetzt, eine nächste Phase beginnt in vier Wochen. Ein Fußball-Fest scheint heute ausgeschlossen, Europa wird ab dem 10. Juni 2016 den Atem anhalten. «Der Terror ist kein theoretisches Risiko mehr, sondern ein mögliches. Die Grenze zur Handlung ist überschritten worden», sagt Jacques Lambert.

Die Spiele selber sind dabei nicht das Problem. Die Stadien sind relativ leicht zu sichern. Eine Erkenntnis vom Freitagabend ist die, dass zwei mit Granaten bewaffnete Selbstmordattentäter erfolgreich daran gehindert werden konnten, ins Stade de France zu gelangen. Sie sprengten sich vor dem mit 80.000 Zuschauern besetzten Stadion in die Luft.

«Seit 2001 sind alle großen Veranstaltungen gefährdet»

Bei der EM ist der Veranstalter für die Sicherheit in den Stadien und auch in den Team-Basen und -Hotels zuständig. Der Staat ist verantwortlich für die Sicherheit außerhalb dieser Bereiche. In den Fan-Zonen dürften private Firmen für Sicherheit sorgen.

Totale Sicherheit wird es nirgends geben können, sagt Sicherheitsexperte Helmut Spahn in der Welt am Sonntag: «Alle großen Sportveranstaltungen, die seit den Anschlägen vom 11. September 2001 stattgefunden haben und stattfinden werden, waren und sind besonders gefährdet.» Die Behörden können nicht jeden Veranstaltungsort im Umkreis des Stadions kontrollieren, so Spahn. «Aber es ist möglich, die Gefahren zu minimieren.»

(L'essentiel/sco)

Nach den Anschlägen in Paris werden die Sicherheitsvorkehrungen für das Länderspiel Österreich – Schweiz verstärkt. Am Montag treffen sich in Wien Vertreter der beiden Verbände mit der Polizei, dem Bundesministerium für Inneres und dem privaten Sicherheitsdienst, um die Lage zu erörtern. Die Zahl der Stewards im Ernst-Happel-Stadion soll auf 600 verdoppelt werden, auch die Polizeipräsenz um das Stadion soll höher sein als üblich. (ete/sco)

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