Planespotting – Die Flugzeug-Späher vom Airport Luxemburg

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PlanespottingDie Flugzeug-Späher vom Airport Luxemburg

LUXEMBURG - Sie lauern hinter Büschen, Bäumen und Zäunen und haben das Geschehen auf dem Rollfeld immer im Blick: Ein Besuch bei zwei Luxemburger Planespottern.

Dichte Nebelschwaden streichen an diesem Morgen über das Jagdrevier. Aus den milchigen Schleiern surren laute Geräusche hervor, in der Luft liegt der Geruch von verbranntem Gummi. Tom, 26, und David, 39, winken vorzeitig ab und schlagen einen Standortwechsel vor: «Fahren wir rüber zum Cargo Center. Bei diesem Nebel bringt das nichts.»

Die beiden «Hobby-Jäger» gehören zu einem ungewöhnlichen Kollektiv: Sie schießen nicht mit Gewehren, sondern nur mit ihren Foto- oder Videokameras. Ihr bevorzugtes Revier: Die Büsche, Wiesen und Wälder rund um den Flughafen Luxemburg. Hier gehen Sie ihrem Hobby nach: Dem Planespotting, einer Art Schnitzel-Fotojagd auf möglichst exotische Flugzeuge. Etwa 60 bis 70 Planespotter legen sich im Großherzogtum regelmäßig auf die Pirsch. Die Szene trifft sich im Internet, beim Zaun hinter dem Cargo Center oder im Wald von Neuhaeusgen, um Fotos zu knipsen und Insider-Infos auszutauschen. Über einen Flugtracker am Smartphone wird jede Bewegung am Himmel genau verfolgt.

«Da schlägt das Herz schneller

Ein Regionaljet der Lufthansa setzt gerade zur Landung an. Doch Standard-Maschinen wie diese oder eine Dash 8 der Luxair interessieren die Planespotter kaum. Die Flugzeugspäher haben es eher auf seltene Vögel abgesehen: Auf die legendäre Lockheed Super Constellation zum Beispiel oder auf antike Sowjet-Kisten der Hersteller Antonow oder Tupolew. Auch 747-Boeings von Cargolux mit spezieller Lackierung stehen auf der Schnappschuss-Liste. «Sieht man eines dieser Flugzeuge starten oder landen, schlägt das Herz gleich schneller», sagt Planespotter David. Die besten Verhältnisse herrschen zur «goldenen Stunde», also unmittelbar nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang, erzählt Hobbyfotograf Tom. Auf Toms Computer lagern an die 50.000 Fotos, alle fein säuberlich nach Modell kategorisiert.

Um zum Planespotter zu werden, benötigt man zwei Dinge: Begeisterung für die Luftfahrt und viel, viel Geduld. Manchmal kommt es vor, dass die Flugzeug-Kiebitze einen ganzen Tag lang auf einer Leiter oder gestapelten Paletten herumstehen. «Ich habe vier Jahre darauf hingefiebert, um eine Antonow An-12 in Luxemburg zu filmen», erzählt David. Vergangenes Jahr tauchte die bullige Frachtmaschine der Cavok Air dann tatsächlich am Lux-Airport auf (siehe Video). Im Juli verunglückte eine andere Antonow der selben Fluggesellschaft in São Tomé. Fünf Besatzungsmitglieder wurden bei dem Crash verletzt. Die An-74 ist so stark beschädigt, dass sie nie mehr abheben kann – was die Schnappschüsse des Flugzeugs im Mai 2017 am Findel heute umso wertvoller machen.

Welches Flugzeug sie gerne einmal im Fokus hätten? Sowohl Tom als auch David geben darauf eine klare Antwort: Die Antonow An-225, mit einer Flügelspannweite von 88 Metern und 84 Metern Länge das größte Flugzeug der Welt. Von dem ukrainischen Himmelskoloss gibt es weltweit nur ein einziges flugtaugliches Exemplar. 2003 machte sich die An-225 auch einmal am Flughafen Luxemburg breit.

Auch Lux-Airport sucht seit einiger Zeit den Kontakt zur Spottercommunity. «Wir freuen uns über jeden, der unsere Leidenschaft für die Luftfahrt teilt», sagt René Steinhaus, kaufmännischer Leiter des Flughafenbetreibers. Lux-Airport nutzt die hochwertigen Fotos der Spotter für Beiträge auf Instagram und Twitter. Es gibt laut Steinhaus auch Pläne, an einigen Stellen in der Flughafenumzäunung «Fotolöcher» anzubringen. Zuvor müssen allerdings noch Sicherheitsfragen geklärt werden. Ein eigener «Spotter-Hügel» oder eine Besucherterrasse wie an anderen Flughäfen in Europa bleiben (vorerst) ein Wunschtraum – fast so wie perfektes Foto-Wetter im Luxemburger Herbst.

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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