Mein Mann, der Fetischist – Die Gefangene im Korsett
Publiziert

Mein Mann, der FetischistDie Gefangene im Korsett

Aus Liebe zu ihrem Mann trug Ethel Granger Tag und Nacht ein Korsett und schnürte ihre Taille auf 33 cm. «Vogue Italia» ist begeistert und widmet ihr ein Editorial.

«Kunst oder schmierige Provokation?», titelte die «Süddeutsche Zeitung», als «Vogue Italia» 2010 die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ästhetisierte und Models als verendete Tiere am Strand fotografierte. Ölverschmiert und in den teuersten Designer-Kreationen. Ein Aufschrei der Empörung ging durch die Medien. «Vogue Italia», das Innovativste und Kreativste der 17 nationalen «Vogue»-Magazine, provoziert und polarisiert seit jeher.

Ihr neuester Coup? Ein Editorial als Hommage an die Frau mit der einst engsten Taille der Welt. Eine Frau, die sich dem Diktat ihres fetischistischen Mannes unterwarf, ihren Taillenumfang um etwa die Hälfte reduzierte und dafür auch die Verschiebung ihrer inneren Organe in Kauf nahm. 15 ästhetische Fotos, aufgenommen vom König der Modefotografen, Steven Meisel, mit einer aristokratisch anmutenden Stella Tennant, deren Tailleumfang mit Photoshop um etwa 50 % reduziert wurde.

Kafkaeske Verwandlung aus Liebe zum Fetisch

Ethel Mary Wilson war eine unscheinbare Frau. Sie trug weder schöne feminine Kleider noch Ohrringe oder Schuhe mit hohen Absätzen. Dies missfiel ihrem damaligen Verlobten William Arnold Granger, der ihr vorschwärmte, wie sehr sie ihm gefallen würde, wenn er sie im Korsett oder mit extravaganten Ohrringen sähe. Ethel wagte den Versuch, kaufte sich ein Korsett und ein paar Schuhe mit hohen Absätzen und ließ sich von William ein Loch in beide Ohrläppchen stechen. Die Verwandlung schien beiden zu gefallen. Am Tag ihrer Hochzeit im Jahre 1928 trug Ethel High Heels schöne Ohrringe, ein knielanges Kleid sowie ein hübsches Korsett.

Die schmaler werdende Taille seiner Frau hatte es dem Astronomen Granger besonders angetan. Eines Tages befand er jedoch, es sei vorteilhafter, wenn sie das Korsett nicht nur tagsüber, sondern auch nachts tragen würde. Zwecks effizienterer Verringerung ihres Taillenumfangs. Ethel war zuerst dagegen, willigte später jedoch ein.

Piercings an Ohren, Nase und Brustwarzen

Ihr Mann begleitete sie fortan in einen Schuhladen in London und kaufte ihr Schuhe aus schwarzem Leder mit immer höheren Absätzen. 12 cm, 13 cm und schließlich 15 cm. Ethel hatte den gleichen Gang wie eine Ballerina auf der Opernbühne. Sie hatte keine Mühe damit, den ganzen Tag High Heels mit 13 cm Absatz zu tragen. Sein Fetischismus trieb den Astronomen auch dazu, seine Frau zu piercen und die entstandenen Löcher schrittweise zu vergrößern. Er verpasste seiner Frau eigenhändig drei Piercings in jeden Nasenflügel, fünf Piercings an ihren Lippen sowie je eins in beide Wangen und Brustwarzen. Er glaubte, durch das Piercen der Brustwarzen würden die Brüste wachsen.

Ein Stahlgurt zur Bändigung

William war von der Reduzierung ihres Taillenumfangs geradezu besessen. Er kaufte ihr Korsetts, die immer enger wurden. So wurden aus 47,5 cm Taillenumfang bald 44 cm, dann 42 cm und 40 cm. Um sicherzustellen, dass Ethel ihr Korsett während seiner Abwesenheit nicht lockerte, stellte er für sie einen Stahlgurt her, den sie während seiner Abwesenheit zu tragen hatte. Sie war so zugeschnürt, dass sie an manchen Tagen fast das Bewusstsein verlor.

Der Zweite Weltkrieg machte dem Astronomen einen Strich durch die Rechnung. Aufgrund der knappen Ressourcen war es in England bald nicht mehr möglich, Korsetts mit dem geeigneten Material maßschneidern zu lassen. Hinzu kam, dass Ethel rebellierte und sich nur noch lustlos zuschnüren ließ. In seiner Verzweiflung erfand William Granger eine Notlüge und erzählte seiner Frau, er habe eine Affäre mit einer anderen. Ethel war außer sich vor Wut und fügte sich ihm wieder.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden wieder engere Korsetts gekauft. William stieg beruflich auf und wurde Mitglied der Royal Astronomical Society, die regelmäßig Veranstaltungen organisierte. Der Astronom wollte der Gesellschaft die Einzigartigkeit seiner Frau nicht vorenthalten und nahm sie mit zu den Anlässen. Ethel verdeckte ihre Wespentaille nicht mehr mit einem Jäckchen, wie früher, sondern zeigte sie stolz. Für Aufmerksamkeit war gesorgt. Sie war eine Sensation und fühlte sich von den überwiegend positiven Kommentaren geschmeichelt. Ihr Ehemann war überwältigt: «Wenn sie andere Frauen überstrahlen kann, ist es ein Sieg, für den es sich gelohnt hat, so lange zu leiden.»

Quelle: www.ethelgranger.com, «Ethel Granger: The Smallest Waist on Earth»

Wir danken J.C. Creations, Urheber der Fotos von Ethel Granger, für die Genehmigung zur Veröffentlichung der Aufnahmen in unserem Artikel.
http://deutsch.jc-creations.com/

L'essentiel Online/Yolanda Di Mambro

Deine Meinung