Umstrittene Nominierungen – Die Grammys kennen das Internet nicht

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Umstrittene NominierungenDie Grammys kennen das Internet nicht

Die Nominierten für die Grammys 2016 sind bekannt. Auffällig: Viele der größten Hits des Jahres fehlen – weil das Komitee das Internet ignoriert.

Eigentlich sollte sich Wesley Penz, besser bekannt als Diplo, freuen wie ein kleiner Junge. Er ist für einen Grammy, den wichtigsten Musikpreis der Welt, nominiert. Für den Track «Where Are Ü Now» mit Justin Bieber kann er als Produzent des Jahres und für den besten Dance-Track ausgezeichnet werden. Zur Freude mischt sich bei Diplo aber auch Ernüchterung. Sein Song «Lean On» von Major Lazer ist nämlich in keiner Kategorie nominiert. Das, obwohl er dieses Jahr mit über 600 Millionen Plays zum meistgestreamten Song aller Zeiten auf Spotify wurde. «Wir passen damit in keine Kategorie», erklärt Diplo trocken.

Es ist auffällig: Youtube und Spotify haben keinen Einfluss auf die Wahl der Grammy-Nominationen. Die Veranstalter tun so, als würde es diese Medien nicht geben. Dabei hören die allermeisten Menschen genau dort heutzutage ihre Musik, im Internet werden Songs zu Hits. Die Nominationen 2016 legen nahe, dass die Grammy-Verantwortlichen die Erfindung des Internets verschlafen haben: Für sie zählen nämlich nur Radio-Plays und Verkaufszahlen. Wie in den guten alten Zeiten.

Über eine Milliarde Youtube-Plays zählen nichts

Das unterstreicht auch die Tatsache, dass ein weiterer Überflieger von 2016 keine Grammy-Nennung findet. «Hotline Bling» von Drake wurde in nur einem Monat bereits fast 200 Millionen Mal auf Youtube gestreamt. Nicht zuletzt dank diesem Song ist Drake der meistgespielte Künstler des Jahres auf Spotify – für die Grammys dennoch kein Grund für eine Nominierung. Noch krasser zeigt sich die Ignoranz bei «Uptown Funk» von Mark Ronson und Bruno Mars: 1,2 Milliarden Mal wurde der Hit auf Youtube angeklickt. Das ist den Grammys wohl nicht genug und es gab keine Nennung als bestes Musikvideo.

Wann wird sich das ändern? Wann feiern die wichtigsten Musikpreise endlich auch die Musik, die im Internet gefeiert wird? Die antiquierten Zustände bei den Grammys bringen viele Künstler auf die Palme. Nicht so Diplo. «Wenn ich nicht gewinne, dann verbringe ich den Abend der Wahl halt auf Snapchat», scherzt der Musiker in der «New York Times».

(L'essentiel/lme)

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