Nach Haftentlassung – Die «Gucci-Mörderin» arbeitet jetzt bei Caritas

Publiziert

Nach HaftentlassungDie «Gucci-Mörderin» arbeitet jetzt bei Caritas

Nach 16 Jahren im Gefängnis muss die «Schwarze Witwe» Patrizia Reggiani drei Jahre Sozialdienst leisten. Sie hatte Maurizio Gucci, Erbe des Modehauses, erschiessen lassen.

Für Patrizia Reggiani hat am Montag ein neues Leben begonnen. Die 65-Jährige saß 16 Jahre im Gefängnis für den Mord an ihrem Ex-Mann und Erbe des Modehauses Gucci, Maurizio Gucci. Nun soll sie den Rest ihrer 26-jährigen Strafe mit Sozialdiensten ableisten, beschloss die Mailänder Justizbehörde. Zugleich wird sie als Beraterin eines Modegeschäfts arbeiten.

«Ich kann es nicht erwarten, als Freiwillige karitative Arbeit zu leisten», sagt die Frau, die in Italien einmal «Lady Gucci» genannt wurde. Heute lebt sie bei ihrer Mutter. Schon im Herbst 2013 wurde Reggiani aus der Haft entlassen und wartete seitdem auf die Entscheidung, wo und wann sie eingesetzt wird.

Nach den glücklichen Jahren folgte der Rosenkrieg

Die Jahre in der Haft seien verflogen. Sie fühle sich «gut und jung», erzählte Reggiani einem Reporter erst kürzlich. Vor ihrer Verurteilung im Jahr 1998 hatte sie jedoch ein ganz anderes Leben geführt – ein Leben in Saus und Braus.

Patrizia Reggiani und der Erbe des schillernden Modehauses Gucci hatten 1973 geheiratet. Die junge Ehefrau motivierte ihren Mann, sein Jura-Studium abzuschließen. Als sich danach die schwierige Beziehung zwischen Maurizio und seinem Vater Rodolfo verbesserte, wurde er ins Management des Familienimperiums befördert. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Paar bereits zwei Töchter. Reggiani galt als die Liz Taylor Italiens.

In den 80er-Jahren kam es zu einem dramatischen Ehe-Aus. Maurizio Gucci verließ Reggiani für eine Jüngere. Das Glamour-Paar lieferte sich einen heftigen Rosenkrieg. Reggiani verlor ihren gesellschaftlichen Status als Jet-Set-Königin und erkrankte an einem Hirntumor.

Dubiose Freunde und Einflüsterer

In den folgenden Jahren befreundete sich Reggiani mit der Wahrsagerin und Zauberin Pina Auriemma. Diese soll ihr eingeredet haben, einen Profikiller zu engagieren, um sich für ihr Schicksal zu rächen. Am 27. März 1995 erschoss Benedetto Ceraulo den 46-jährigen Maurizio Gucci vor dessen Büro in der eleganten Via Palestro in Mailands Innenstadt. Der Killer hatte dafür rund 250'000 Euro bekommen.

Laut Anklage war es ein «eiskalt geplantes Verbrechen». Die inzwischen als «Schwarze Witwe» bekannte Reggiani habe es nicht ertragen, verlassen worden zu sein. Sie habe aus «Geldgier, Neid und Hass» gehandelt. Sie selbst beteuerte stets ihre Schuldlosigkeit und sprach von einer «Verschwörung» der anderen Mittäter. Alle fünf Angeklagten, Reggiani, Auftragskiller Ceraulo, zwei seiner Mitarbeiter sowie die Wahrsagerin Auriemma, wurden zu Haftstrafen zwischen 19 und 29 Jahren verurteilt.

(L'essentiel/kle/sda)

Deine Meinung